Frank Zabel (links) erläuterte den Dornburger Mandatsträgern die Situation im Forst.
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Frank Zabel (links) erläuterte den Dornburger Mandatsträgern die Situation im Forst.

Zustand des Waldes

Dornburg: "Freie Flächen zu bewalden ist ein Kraftakt"

  • VonRobin Klöppel
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Förster Frank Zabel erläutert Gemeindevertretern die Situation im heimischen Wald

Dornburg -Bei einem Waldrundgang zwischen Wilsenroth und Frickhofen bekamen die Mitglieder des Gemeindevorstandes und der Gemeindevertretung von Frank Zabel, Förster und Geschäftsführer beim Forst Service Taunus, die aktuelle Situation des Dornburger Forstes erläutert. Coronabedingt war das der erste offizielle Dornburger Waldbegang seit zwei Jahren.

"Künftig wird die Gemeinde mit weniger Einschlag im Jahr und weniger Einnahmen im Forstbereich rechnen müssen", sagte Zabel. Es werde alleine 15 bis 20 Jahre dauern, die durch das Unwetter Friederike 2018 sowie Trockenheit und Borkenkäferbefall entstandenen Freiflächen von über 100 Hektar wieder aufzuforsten. Laut Zabel würde es auch keinen Sinn zu machen, die Freiflächen in einer Hauruckaktion auf einmal aufzuforsten. Denn wenn dann ein trockener Sommer komme, seien alle Setzlinge komplett einmal hin.

Zabel erläuterte, dass bis Ende 2020 alle geschädigten Fichten aus dem Wald entfernt worden seien. Durch die Marktübersättigung sei bei Fichten leider aber ein Preisverfall von 60 Prozent auf dem Markt eingetreten. Zum Glück seien die Preise 2021, wie der Diplom-Ingenieur Forstwirtschaft verkündete, 2021 wieder gestiegen. Sie würden aktuell über denen von 2018 liegen. Derzeit sei er dabei, die Freiflächen in Dornburg aufzunehmen und zu überlegen, wie er bei der Wiederaufforstung vorgehen werde. Kommendes Jahr solle damit gestartet werden.

Teilweise setze er aber auch auf natürliche Verjüngung. Überall funktioniere die nicht, da manche Flächen derart verbuscht seien, dass sich von alleine keine neuen Bäume entwickelten. Bei der Wiederaufforstung setze er, so Zabel, auf einen Mischwald, der vor allem aus Eiche, Hainbuche und Elsbeere bei den Laubbaumarten sowie überwiegend aus Lärche und zu 20 Prozent auch aus Douglasie bei den Nadelbaumarten bestehen solle. Diese Arten könnten gut mit dem wärmer werdenden Klima umgehen. Fichte werde er nach den Erfahrungen der letzten Jahre eher nicht mehr setzen, erläuterte der Chef des Forstservices. Sollten aber durch natürliche Verjüngung neue Fichten wachsen, lasse er sie stehen.

Hitzeschäden bei den Buchen

Die freien Flächen wieder zu bewalden, sei sowieso ein echter Kraftakt. Da mache es keinen Sinn, selbst anwachsende Bäume wieder rauszunehmen. Die er selbst setze, seien jedoch heimische wie wärmebeständige Arten, die der Klimaveränderung trotzen könnten. Zum Glück seien die Böden in Westerwald und Taunus noch derart gut und der Niederschlag höher als in anderen Regionen, dass es mit diesen Baumarten funktionieren könne. Im Rhein-Main-Gebiet beispielsweise sei durch andere Böden längst eine völlig andere Situation entstanden.

Frank Zabel erläuterte, dass es aber auch hier bei den Buchen Hitzeschäden gebe, wenn sie mitten in der Sonne stünden und schon älter und somit nicht mehr so widerstandsfähig wie jüngere Bäume seien. Bei zwei bis fünf Prozent der Buchen habe er die Schäden ausgemacht. Buchen werde er bei den künstlichen Aufforstungen nicht nehmen. Durch natürliche Verjüngung werde die Buche aber weiter stark in Dornburg präsent bleiben.

Frank Zabel sagte, dass er versuchen werde, dem Hauptteil der Kosten für die Wiederbewaldung über öffentliche Zuschüsse ersetzt zu bekommen, die derzeit bei 60 bis 90 Prozent lägen. Laut seinen Angaben wurden aus dem Dornburger Forst seit dem Sturm 2018 29 404 Festmeter Fichtenholz entnommen. Geplant gewesen sei dagegen nur ein Hiebsatz von 2300 Festmeter, berichtete Zabel.

Da der Anteil der Fichte am Dornburger Wald nur 22 Prozent betrage, habe der Sturm Dornburg nicht so sehr geschädigt wie viele andere Kommunen beispielsweise im Sauerland. Der Geschäftsführer des Forstservices erläuterte, dass der hohe Hiebsatz bei Fichten aber nicht dazu führe, dass keine weiteren Bäume mehr gefällt würden, da er jeden Waldbereich einzeln betrachte. In anderen Abschnitten müsse er auch weiter Bäume entfernen lassen, die als Bedränger negativen Einfluss auf die wertvolleren Bäume nehmen könnten.

Zabel berichtete auch, dass im vergangenen Jahr in Thalheim und Frickhofen einige Kilometer an Wegennetz erneuert worden seien. Das professionell durchzuführen, sei wichtig. Das verbessere die Naherholungsfunktion des Waldes. "Im Vergleich zu anderen Kommunen ist das Wegenetz in Dornburg aber insgesamt noch sehr gut", betonte Zabel.

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