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Dornburg: Frischer Wind im Parlament

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Von: Anken Bohnhorst

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Emily Hering ist mit 20 Jahren die mit Abstand jüngste Gemeindevertreterin in Dornburg.
Emily Hering ist mit 20 Jahren die mit Abstand jüngste Gemeindevertreterin in Dornburg. © Anken Bohnhorst

20 Jahre alt, weiblich und Sozialdemokratin - Emily Hering ist mit Abstand die jüngste Gemeindevertreterin

Frickhofen -Emily Hering ist keine Frau, die alles verändern will. Sie will mitwirken und gestalten, vielleicht ein wenig Schwung in die Gesellschaft der reifen Kommunalpolitiker bringen. Auf jeden Fall will sie dabei sein. Deshalb trat sie im Sommer vergangenen Jahres, rund sechs Monate vor der Bürgermeister- und Kommunalwahl, in die SPD Dornburg ein. Ihre Mutter, damals bereits fest in der Sozialdemokratie verwurzelt, habe sie zu ein paar Sitzungen mitgenommen. Der Großvater, langjähriges CDU-Mitglied, fand das in Ordnung. Und Emily Hering fand Kommunalpolitik interessant. Schließlich geht es um Themen, die sich gewissermaßen vor der eigenen Haustür abspielen, sagt sie. Verkehrsberuhigende Maßnahmen im Ort beispielsweise, Jugendarbeit oder Förderung von Vereinen.

Die Dornburger Sozialdemokraten, viele von ihnen lange dem Juso-Alter entwachsen, interessierten die junge Frau, und die interessierten sich für sie. Ob sie mitmachen wolle, fragten die Parteimitglieder. Emily Hering wollte. Ob sie sich vorstellen könne, bei der Kommunalwahl für die SPD zu kandidieren? Emily Hering sagte erneut "ja", weil sie den Eindruck hatte, politisch hier richtig aufgehoben zu sein. Das war lange vor der bundesweiten Wiederbelebung der Sozialdemokraten. Dass die ein gutes Jahr später als Gewinner aus der Bundestagswahl herausgehen würde, war zu jener Zeit nicht vorstellbar. Was die Dornburgerin tatsächlich erlebte war dagegen, dass die Mitglieder in Partei und der Fraktion trotz des Altersunterschieds zu ihr "kein bisschen verknöchert" waren, sagt sie. Im Gegenteil: "Die waren total offen und froh, mal die Meinung von jemand jüngerem miteinbeziehen zu können."

Aufregung vor der ersten Sitzung

Am Abend des 14. März stand fest: Emily Hering, 20 Jahre, Lehramtsstudentin und Hobby-Posaunistin im Musikkorps Blau-Orange Frickhofen, hatte einen von sechs SPD-Sitzen in der Gemeindevertretung errungen. Das sei schon spannend gewesen, erinnert sie sich. Die Aufregung vor der ersten Sitzung war groß. Wie würde es in der Gemeindevertretung zugehen, und wie erlebt man das als Teil des Ganzen und nicht als zuhörender Gast? Nun ja, die Wirklichkeit ist nüchtern. Die Sitzungen laufen nach einem strengen Prozedere ab, stellte sie fest. Womit sie allerdings nicht gerechnet hatte: Die politischen Anwürfe und Beschuldigungen, mit denen sich die Vertreter der verschiedenen Fraktionen bisweilen begegnen. "Der Ton gefällt mir manchmal nicht", sagt die Nachwuchspolitikerin diplomatisch.

Außerdem gefällt ihr nicht, dass entlang der Fraktionslinien abgestimmt werde und weniger entlang der thematischen Schwerpunkte. Auch in der laufenden Wahlperiode haben die Christdemokraten die absolute Mehrheit im Parlament. "Die CDU lehnt Anträge ab, weil sie es kann", sagt Hering. Das sei ernüchternd. Etwa bei dem Antrag der Sozialdemokraten, einen Jugendbeirat in der Gemeinde zu installieren. Bei diesem Gremium sei es darum gegangen, junge Leute an die politische Arbeit heranzuführen, ihre Interessen wahrzunehmen und ihr Engagement zu fördern. Tatsächlich bemüht sich der CDU-Ortsverband Wilsenroth um ein derartiges Gremium. Weshalb aber gleichzeitig der SPD-Antrag in der Gemeindevertretung vom Tisch gefegt wurde, "das war schon sehr enttäuschend", findet Hering. Vor allen Dingen, weil einige der Gemeindevertreter selbst Eltern sind. "Ist das dann wirklich deren Meinung, dass wir so einen Beirat nicht brauchen?"

Dass der Jugendbeirat abgelehnt wird, versteht sie nicht. Allerdings sei die Konsequenz daraus auch nicht weiter verwunderlich. Immer wieder hat Emily Hering in den zurückliegenden Monaten mit Freunden und Bekannten über kommunalpolitische Themen diskutiert. "Die finden das auch sehr interessant. Nur mitmachen will niemand." Die junge Frau aus Frickhofen ficht das nicht an. Sie bleibt dabei, auch wenn das Miteinander in den Gremien manchmal mühsam ist. Sie habe ihren Platz in der Kommunalpolitik von Dornburg gefunden, sagt sie. Über die Grenze der Gemeinde hinaus agieren will sie nicht, schließlich könne man auch in der Kommune viel bewegen. Zum Beispiel als Bürgermeisterin. Für diesen Posten in ein paar Jahren anzutreten, das kann sich die junge Frau durchaus vorstellen.

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