Eine Infotafel neben dem Eingang zur Kirche St. Bartholomäus erinnert an die Vorgängerkapelle, die unweit der heutigen Kirche stand. Die Informationen auf der stilisierten Buchseite aus Edelstahl hat Willi Jung aus der Wilsenröther Dorfchronik zusammengetragen.
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Eine Infotafel neben dem Eingang zur Kirche St. Bartholomäus erinnert an die Vorgängerkapelle, die unweit der heutigen Kirche stand. Die Informationen auf der stilisierten Buchseite aus Edelstahl hat Willi Jung aus der Wilsenröther Dorfchronik zusammengetragen.

Buchseite aus Edelstahl

Dornburg: Gedenktafel erinnert an die Annakapelle

Willi Jung hält die Historie wach

Wilsenroth -Willi Jung lebt gerne in Wilsenroth und gerne trägt er immer wieder zur Verschönerung seines Heimatortes bei. Alles macht er ehrenamtlich und alles entwirft er zunächst als Modell in seiner Werkstatt, bevor es dann realisiert und vor Ort aufgestellt wird. So entstanden bereits der Kupfergickel vor dem Feuerwehrgerätehaus, das Dorfwappen an der Mehrzweckhalle, die Silhouette des Hl. Christophorus am Kindergarten und die stilisierte Silokurve am Ortseingang.

Nun hat der 82-jährige Schlossermeister und Kunstschmied den vielen Kunstwerken, die er für seinen Heimatort geschaffen hat, ein weiteres Objekt hinzugefügt. Eine Infotafel neben dem Eingang zur Kirche St. Bartholomäus erinnert an die Vorgängerkapelle, die unweit der heutigen Kirche stand.

Die Informationen auf der stilisierten Buchseite aus Edelstahl hat Willi Jung aus der Wilsenröther Dorfchronik zusammengetragen: Die Annakapelle stand von 1779 bis zum Jahr 1902 an der Ecke Hauptstraße - Mittestraße (Queschegass) nur etwa 150 Meter von der heutigen Kirche entfernt. Sie ersetzte die marode Bartholomäuskapelle, die bereits kurz nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges um 1650 in Wilsenroth errichtet worden war.

Als Türsturz für die neue Kapelle verwendete man damals einen Eichenbalken der alten Kapelle. Dieser wurde mit einer geschnitzten Inschrift versehen, die das Datum 27. Mertz 1779 trägt. Die Annakapelle war damals der einzige Bau in Wilsenroth, dessen Dächer mit Schiefer gedeckt waren. Sie war 10,30 Meter lang und 5,40 Meter breit, hatte eine Empore und aus dem Chor ragte ein kleiner Turm, der zwei Glocken, 50 und 40 Kilogramm schwer, beherbergte. Glöckner, Küster und Kantor in einer Person war der Dorfschulmeister, der dafür vom Kapellenfonds mit zwölf Talern jährlich entlohnt wurde. Natürlich musste er auch das "Schmieren" der kleineren Glocke übernehmen, die der Zivilgemeinde als "Feuerglocke" diente. Auf dem Kapellenspeicher warteten für den Notfall 36 strohene und sieben lederne Feuereimer auf ihren Einsatz.

Trotz aller Bemühungen, die baulichen Schäden so schnell wie möglich zu reparieren, verfiel der Fachwerkbau im Laufe der Jahre immer mehr und die kleine Kapelle platzte wegen der stetig steigenden Anzahl der Gläubigen gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus allen Nähten. Der Domdekan, der einmal Gottesdienst dort gehalten hatte, bezeichnete das Kapellchen laut Pfarrchronik als einen Stall von Bethlehem. Der Platz im Inneren reichte kaum noch für die Frauen und Kinder aus, und die meisten Männer nahmen, mehr oder weniger andächtig, auf der Gasse stehend am Gottesdienst teil. Das Ende der Annakapelle war besiegelt, und nachdem die Kirche St. Bartholomäus gebaut war, wurde sie 1902 verkauft und abgerissen. Den mächtigen Eichenbalken über dem Eingang verwendete man beim Bau einer Scheune und fand ihn bei deren Abriss in den 1960er Jahren wieder. Interessierte können ihn heute, zusammen mit dem Modell des Fachwerkbaus und der kleinen Glocke, im Wilsenröther Dorfmuseum besichtigen und nun, dank Willi Jung, auch etwas zur Geschichte der Kapelle direkt vor Ort erfahren. red

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