Mehrere Männer entfernen Misteln von einem Obstbaum.
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Die blattlose Zeit eignet sich für das Entfernen der Misteln am besten. (Symbolfoto)

Im Einsatz für die Natur

Tipps für den Obstgarten: Heilpflanze und Liebesgarant schadet den Bäumen

Misteln können Obstbäumen schaden und sie sogar zum Absterben bringen. Der Obst- und Gartenbauverein Wilsenroth zeigt den richtigen Umgang mit den Halbschmarotzern.

Wilsenroth – Einst galt die Mistel als heilig und verehrungswürdig. Tee aus ihrem Kraut soll sich positiv auf die Verdauung und den Blutdruck auswirken, und ein Kuss unter dem Mistelzweig verspricht beständiges Wohlwollen. Doch einem Baum, auf dem sich dieser immergrüne Halbschmarotzer angesiedelt hat, schadet die Pflanze.

„Wir können den Mistelbefall auf unseren Streuobstwiesen nicht ganz vermeiden, aber große Exemplare sollte man unbedingt herausschneiden“, sagte Landschaftsobstbauer Mario Rompel. Auf Initiative der Naturgruppe vom Wilsenrother Obst- und Gartenbauverein (OGVV) zeigte er am Samstagnachmittag (27.11.2021), wie man Obstbäume von den Misteln befreit.

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Für diese Aktion traf sich ein knappes Dutzend Interessierter auf der Streuobstwiese einer betagten Mitbürgerin, die ihre Bäume selbst nicht mehr pflegen kann. „Auch wenn diese alten Apfelbäume durchweg einen gründlichen Rückschnitt vertragen könnten, wollen wir uns heute lediglich um die Misteln kümmern“, so Rompel. Denn mit ihren Saugwurzeln entzieht die kugelförmige Pflanze ihrem Wirtsbaum kontinuierlich lebenswichtiges Wasser und Nährstoffe. Kommen Hitze- und Trockenstress hinzu, können Misteln einen geschwächten Baum sogar völlig zum Absterben bringen.

„Im Idealfall wird der betroffene Ast mit einem sauberen Schnitt abgetrennt“, demonstrierte der Hobby-Obstbauer, dem selbst 30 Bäume mit alten, robusten Sorten gehören. Als Faustregel gelte, dass man den Ast auf eine Länge schneidet, die mindestens dem Durchmesser der Schmarotzerpflanze entspricht.

Kreis Limburg-Weilburg: Wilsenrother Obst- und Gartenbauverein Verein zeigt richtigen Umgang mit Misteln

Dafür hatten Mario Rompel wie auch OGVV-Mitglied Josef Frensch spezielle Teleskopsägen mitgebracht. In den Baum hineinzuklettern, um die Misteln herauszuschneiden, sei keine gute Idee, findet der Experte. Denn man wisse nie, wie tragfähig die Äste seien. Zudem seien die bemoosten Äste ziemlich rutschig. Besser ist es also, vom Boden aus zu agieren. „Oft ist es von hier unten gar nicht so leicht zu erkennen, auf welchem Ast die Mistel tatsächlich wächst“, stellte Rompel fest. Deshalb sei die blattlose Zeit für den Schnitt am günstigsten.

Und so purzelten nach und nach dicke Büschel der weißbeerigen Mistel aus den Baumkronen zu Boden. Nun konnte sich auch der fünfjährige Felix Löhr an der Arbeit beteiligen. Er schleppt die Pflanzen zum Sammelpunkt und durfte sie mit einer Rosenschere in handliche Zweige teilen.

Ursprünglich hatte der OGVV geplant, die Mistelzweige gegen eine Spende zugunsten der Elterninitiative Dreikäsehoch auf dem Wilsenrother Weihnachtsmarkt anzubieten. Pandemiebedingt fällt der Markt jedoch aus, so dass Interessierte sich nun direkt an den Verein wenden mögen.

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Weil es einerseits sehr ärgerlich ist, wenn Fremde unerlaubt einen Obstbaum plündern, und es andererseits immer wieder vorkommt, dass Bäume auf den Streuobstwiesen niemanden mehr haben, der sich um die Ernte der reifen Früchte kümmern kann, hat der OGVV für das nächste Jahr eine Kennzeichnung geplant. „Wir wollen grüne und rote Bänder herausgeben, mit denen die Bäume markiert werden“, so der OGVV-Vorsitzende Thorsten Ludwig. Auf den grünen Bändern steht „Mich darf man pflücken“, auf den roten „Mich darf man nicht pflücken“. Die Eigentümer von Wilsenrother Streuobstwiesen dürften sich gerne beim OGVV melden, wenn sie bei der Aktion mitmachen wollen.

Zudem bietet der OGVV den heimischen Besitzern von Obstbäumen an, dass sie sich die hochwertige Teleskopsäge des Vereins ausleihen können, sofern sie auch etwas gegen den Mistelbefall tun möchten. (red)

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