Die Rückkehr des Schwarzstorchs könnte Dornburgs Gewerbesteuereinnahmen vermasseln. Doch Bürgermeister Andreas Höfner streitet ab, die Vögel mit den roten Schnäbeln bewusst vertreiben zu wollen.
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Die Rückkehr des Schwarzstorchs könnte Dornburgs Gewerbesteuereinnahmen vermasseln. Doch Bürgermeister Andreas Höfner streitet ab, die Vögel mit den roten Schnäbeln bewusst vertreiben zu wollen.

Bürgermeister fordert Abbau der Kunsthorste

Dornburg: Kein Platz mehr für Schwarzstörche?

  • vonRobin Klöppel
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Nisthilfen im Gemeindewald stören Bewirtschaftung und Steinbruch

Dornburg -Eigentlich sollte man meinen, Schwarzstörche im tiefschwarzen Dornburg, das könnte passen. Doch die Gemeinde fühlt sich mittlerweile von zwei künstlich errichteten Schwarzstorchhorsten bei der Waldbewirtschaftung gestört. Vor allem für die geplante Erweiterung eines Steinbruchs von Elbtal Richtung Dornburg wäre es ziemlich suboptimal, wenn der Schwarzstorch an den Ort zurückkehren würde, wo er letztes Jahr noch gebrütet hat.

Schriftlich forderte Bürgermeister Andreas Höfner (CDU) die Naturschützer nun auf, beide Horste zu entfernen, nachdem dieses Jahr in Langendernbach kein Schwarzstorch mehr gesichtet worden war und beide Kunsthorste nicht angenommen worden waren.

Der Kreis-Vogelschutzbeauftragte vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), Herbert Friedrich aus Wirbelau, sagt, dass zumindest der Horst am Steinbruch noch vier Jahre Bestandsschutz habe, da in diesem Baum im vergangenen Jahr das Paar noch gebrütet habe. Bis dann bei einem Sturm im Mai das Nest abstürzte, mitsamt der Brut. Seitdem wurde in Dornburg kein Schwarzstorch mehr gesehen.

Herbert Friedrich sieht aber trotzdem keinerlei Veranlassung, die künstlichen Nesthilfen entfernen zu lassen. Dass ein Storchenpaar mal ein Jahr nicht komme, heiße nicht, dass es nie wieder dort brüten werde. Kürzlich sei ein Schwarzstorch mehrfach im Raum Hausen gesehen worden. Das dürfte seiner Einschätzung nach einer der beiden seit Jahren im Langendernbacher Wald lebenden und erfolgreich brütenden Schwarzstörche sein.

Der Vogelschutzbeauftragte kann sich noch gut an einen Ortstermin mit Bürgermeister Höfner erinnern, wo dieser ihm mündlich das "Okay" für die Errichtung zumindest eines Kunsthorstes gegeben habe. Friedrich glaubt, Höfner habe seine Meinung wohl geändert, weil er da Windkraft hinhaben wolle, um Geld in die Gemeindekasse zu kriegen. Und darum müsse er das Schwarzstorch-Brutpaar vorher loswerden.

Das sind Vorwürfe, die der Bürgermeister im Gespräch mit dieser Zeitung klar zurückweist. Der Dornburger Verwaltungschef versichert, überhaupt nichts gegen Schwarzstörche zu haben.

Es gehe in diesem Fall auch definitiv nicht um geplante Windkraftflächen. Es gehe vielmehr darum, dass die Kunsthorste bei der Waldbewirtschaftung störten. Und einer störe die Erweiterung des Steinbruchs. Beide Nisthilfen seien von den Störchen nicht angenommen worden. Also würden sie, so Höfner, auch nicht gebraucht.

Freiwillig werden die Kunsthorste von den Naturschützern aber nicht entfernt. Herbert Friedrich berichtet, dass der Schwarzstorch im Kreis mittlerweile sehr selten geworden sei. Es gebe neben den Vögeln in Langendernbach hier nur noch zwei weitere Paare in Weilburg und Löhnberg, die in dieser Saison insgesamt drei Junge haben. Das seien für den Arterhalt definitiv zu wenig Nachwuchs. Die Störche würden durch den Rückgang an Amphibien zu wenig Futter finden, so dass die schwächsten Jungen ums Leben kämen.

Mündliche Genehmigung

Ein weiteres Brutpaar, das öfter in Selters gesichtet wurde, hat sein Nest im Rheingau-Taunus-Kreis. Laut Friedrich wird er dafür kämpfen, dass das seit Jahren erfolgreiche Brutpaar in Langendernbach nicht vertrieben werde. Einer der künstlichen Horste war 2019 errichtet worden, nachdem ein Horst der Schwarzstörche mitsamt Baum umgestürzt war. Bürgermeister Höfner forderte den Vogelschutzbeauftragten mittlerweile schriftlich auf, künftig eigenständige Maßnahmen im Kommunalwald der Gemeinde zu unterlassen. Doch auch für den zweiten künstlichen Horst gab es offenbar zumindest eine mündliche Genehmigung.

Frank Zabel, der mit seinem Selterser Unternehmen Forstservice Taunus den Dornburger Gemeindewald bewirtschaftet, erklärt im Gespräch mit der Nassauischen Neuen Presse, dass er beiläufig bei einem Gespräch einem Naturschützer die Errichtung des Kunsthorstes gestattet habe. Zabel betont, dass er natürlich als Naturschützer dem Erhalt des Schwarzstorches positiv gegenüberstehe. Als er mit der anderen Person darüber gesprochen habe, sei ihm aber nicht bewusst gewesen, dass dort ein Steinbruch in der Nähe liege, der eine Erweiterung plane. Frank Zabel räumt ein, dass man in diesem Punkt besser mit der Gemeinde als Auftraggeber kommuniziert hätte und nun künftig in ähnlichen Fällen immer Rücksprache mit der Gemeinde Dornburg gehalten werden müsse.

Herbert Friedrich berichtet aus seiner Erfahrung mit vielen anderen Kommunen, dass es durchaus üblich sei, solche Maßnahmen nur mit dem Forstbewirtschafter abzusprechen und dass das in der Regel nicht zu Problemen mit der Gemeinde führte.

Wie Frank Zabels Aufzeichnungen verraten, hat ein Schwarzstorchpaar in Langendernbach im östlichen Bereich des Waldes mehrere Jahre gebrütet, bis der Stamm umgefallen sei, auf dem der Horst gesessen habe. Dann sei an dieser Stelle ein Kunsthorst errichtet worden. Das Paar sei da aber schon in den südöstlichen Bereich des Langendernbacher Waldes weitergezogen, wo es 2019 in einem selbst errichteten Horst erfolgreich brütete. Im Mai 2020 stürzte das Nest aber bei einem Sturm ab. Daraufhin wurde Zabel gefragt, ob dort als Ersatz ein Kunsthorst errichtet werden könne. Seitdem sind die schwarzen Vögel allerdings nicht mehr zurückgekehrt.

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