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Die Bürger sind besorgt: Was war im Gülle-Tank? Und wo landet es? Auf den Feldern oder im Grundwasser?

Es riecht nach Ärger

Es stinkt im Dorf: Rätsel um Gülle-Transporte bei Limburg

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In Dornburg bei Limburg gibt es Ärger wegen Gülle-Transporten. Denn es stinkt gewaltig. Ein Bauer wehrt sich gegen Vorwürfe. Was ist da los?

  • Mehrer große Gülle-Transporte fahren durch Dornburg (Kreis Limburg-Weilburg)
  • Die Anwohner stört nicht nur, dass es stinkt, sondern auch wie es stinkt
  • Ein ehemaliger Landwirt hat einen Verdacht, ein aktiver Kollege wehrt sich dagegen 

Dornburg - Drei Tage lang fuhren in der vergangenen Woche große Gülle-Transporter durch den Dornburger Ortsteil Frickhofen. Woher kamen die Fahrzeuge? Wohin fuhren sie? Und ging bei der Gülle-Entsorgung alles mit rechten Dingen zu? Einige Bürger sind besorgt, der Bürgermeister kennt keine näheren Details, und der Transport-Unternehmer versteht die Welt nicht mehr. Er sagt: "Mehr Bio geht überhaupt nicht!"

Dornburg (Kreis Limburg-Weilburg): Sorge um Gülle-Transporte

Doch darüber herrscht in Frickhofen Skepsis. "Seit Tagen und über Nacht fahren an unserem Haus in der Waldstraße schwere, große Tanklastwagen mit Versprüheinrichtungen vorbei", schildert ein Anwohner seine Beobachtung. "Immer dieselben im Pendelverkehr, dem Geruch nach voller Gülle." Er und andere Bürger der Gemeinde seien besorgt. Tatsächlich könne der "gute Duft", der sich über mehrere Tage über dem Ort ausbreitete, auf Schweinegülle mit einem hohen Nitrat- und Phosphatgehalt der Flüssigkeit hindeuten, sagt ein ehemaligen Landwirt aus Frickhofen. Was also, wenn es sich nicht um guten Flüssigdünger aus der Region, sondern um einen gefährlichen Reste-Cocktail aus dem Ausland handele, fragt der Bauer im Ruhestand.

Soweit er informiert sei, floriere das Geschäft mit importierter Jauche, "weil es sich für ein paar heimische Landwirte rechnet", mutmaßt er. Einige hundert Kubikmeter Billig-Gülle in einem Erdsilo einzulagern, sei vielleicht ein lukratives Geschäftsmodell, aber für den Endverbraucher natürlich verheerend. Schließlich werde der minderwertige Dünger auf den Feldern verteilt und sickere ins Grundwasser. "Und dann?"

Dornburg bei Limburg: Import-Gülle aus den Niederlanden?

Noch mehr empörte sich der ehemalige Landwirt, als er von den tagelangen Gülle-Transporten durch den Ort erfuhr. Denn nach seiner Beobachtung seien einige Fahrzeuge mit niederländischen Kennzeichen ausgestattet gewesen. Von diesen Details weiß Bürgermeister Andreas Höfner (CDU) nichts. "Ja, an das Wahrnehmen eines Güllegeruchs am letzten Wochenende kann ich mich erinnern", sagt er. Er sei allerdings davon ausgegangen, dass die heimischen Landwirte mit ihren Fahrzeugen unterwegs gewesen seien.

Unterwegs war Kai Schwarz, der mit seinem Agrarservice seit mehr als 15 Jahren im Gülle-Geschäft tätig ist. Und das nicht in Holland, sondern von seinem Firmensitz im nahe gelegenen Gemünden aus, von wo seine mit seinem Namenszug beschrifteten Fahrzeuge ausrücken.

Bauer zu Gülle-Gestank in Dornburg: „Mehr Bio geht nicht“

Dass Bauern auf ihren Feldern importierte Billig-Gülle ausbringen, hält er für sehr unwahrscheinlich. Die Böden würden regelmäßig kontrolliert. "Überdüngungen kann sich kein Landwirt mehr leisten." Außerdem funktioniere sein Geschäft wie ein geschlossener Kreislauf: Landwirte liefern Mais, Kuhmist und Gülle, mit der der Unternehmer seine Biogasanlage befüllt. Die landwirtschaftlichen Rohstoffen werden hier zu Bio-Rindergülle verarbeitet und dann an die Landwirte zurückgeliefert. Aus guten Rohstoffen wird gute Gülle, fasst er den Ablauf zusammen. Dass deren Transport riecht und dass seine Lkw mehr Lärm verursachen als ein Kleinwagen, das stimme schon. Andererseits: "Mehr Bio geht überhaupt nicht."

Von Anken Bonhorst-Vollmer

Spekulationen um Gülle-Transporte sind derzeit wahrlich nicht das größte Problem der Bauern im Kreis Limburg-Weilburg. Trotz aller Sorgen in Sachen Corona, will mancher Landwirt die kritische Lage auch als Chance begreifen. 

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