Am Ortsausgang von Frickhofen war einst ein Friedhof. Dann entstand ein Wäldchen. Jetzt ist es eine Grünfläche, die für rund 61 000 Euro zum Naturfriedhof gestaltet werden soll.
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Am Ortsausgang von Frickhofen war einst ein Friedhof. Dann entstand ein Wäldchen. Jetzt ist es eine Grünfläche, die für rund 61 000 Euro zum Naturfriedhof gestaltet werden soll.

Diskussion um Bestattungsform

Dornburg: Viel Lärm um die letzte Ruhe

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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61 000 Euro für den Naturfriedhof - CDU besteht auf Sargbestattungen - SPD wirft Mehrheitsfraktion Engstirnigkeit vor

Dornburg -Bestattungen mit Sarg oder ohne, die Bezeichnung Naturfriedhof oder Friedpark und ein Betrag von rund 61 000 Euro für die Gestaltung einer nicht von allen favorisierten Friedhofsanlage. Darüber debattierten die Dornburger Gemeindevertreter lebhaft - und wie so häufig in diesem Parlament: Mit einer beträchtlichen Portion Polemik. Was gab's sonst Neues? Einen zerknirschten CDU-Mandatsträger, der sich bei seiner Fraktion entschuldigt, aber deren Beschluss für "völlig unsinnig" hält.

Dabei hatte Ulrich Sauer, CDU-Parlamentarier und Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses (HFA), zunächst sehr sachlich in die Friedhofs-Themen eingeführt und die Position seiner Fraktion zu einem Antrag der SPD dargelegt. Die Sozialdemokraten wollen erreichen, dass der Gemeindevorstand "aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen eine Bestattung ohne Sarg" erlaubt. Die Möglichkeit bestehe tatsächlich, räumte Sauer ein, denn "Bestattungsrecht ist Landesrecht", das die Kommunen ergänzend ausgestalten können. Somit ließe sich die Vorstellung der SPD zwar realisieren und moslemischen Mitbürgern könnte eine für ihre kulturelle Prägung angemessene Beisetzung ermöglicht werden. Allerdings besteht aus Sicht der CDU für diese Variante kein Bedarf. Die meisten Türken hätte eine Sterbeversicherung abgeschlossen, die die Überführung der Toten in ihre Heimat gewährleistet, berichtete der HFA-Vorsitzende.

Sauers Parteikollege Stefan Hartmann sagte, man habe, um zu einer Entscheidung kommen zu können, mit dem Imam von Dornburg gesprochen, und der habe bestätigt, dass "Bestattungen im Sarg kein Problem" darstellten. Auch mit der Fatwa sei eine Beerdigung im Sarg vereinbar. Ein weiteres Argument für Sargbestattungen sind aus Sicht der CDU hygienische Gründe, und schließlich gehe es auch um Integration. Wer jahrelang in Deutschland gelebt habe, könne sich auch bei der Beerdigungskultur anpassen, findet Hartmann. In der Bürgerschaft dürfte eine Bestattung ohne Sarg jedenfalls auf Vorbehalte stoßen. Ebenso bei der CDU. Sie entschied daher gegen den Antrag der SPD und gegen eine Änderung der herkömmlichen Bestattungsform - und löste damit bei den Sozialdemokraten eine heftige Reaktion aus.

Garantie des Grundgesetzes

Nach deren Überzeugung berücksichtige die CDU nicht, dass langfristig die Nachfrage nach moslemischen Beerdigungen steigen werde und moslemische Bürger dann folglich "bei uns nicht mehr bestattet werden", sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Ottmar Baron an die CDU gewandt. Das sei enttäuschend, zumal nach seiner Kenntnis die Fatwa sehr wohl eine Beisetzung im Sarg ausschließe. Dazu CDU-Mann Hartmann: "Maßen Sie sich an, es besser zu wissen als der Imam?" SPD-Fraktionsmitglied Karlheinz Wagner zog seinen Argumentationsbogen ebenfalls weiter. Das Grundgesetz garantiere die "ungestörte Religionsausübung". Die beziehe sich nicht allein auf christliche Sitten und Bräuche. "Das ist die Verfassungslage", rief Wagner. Weshalb die Dornburger Parlamentarier in dieser Sache nicht umsetzten, was in anderen Kommunen längst praktiziert werde, verstehe er nicht. "Dornburg ist engstirnig. Darüber bin ich einigermaßen enttäuscht."

Weniger spannungsgeladen verlief auch die Diskussion über die geänderte Friedhofsordnung nicht. Hier reichte eine Begriffsbezeichnung als Streitbeschleuniger. Denn der Haupt- und Finanzausschuss hatte empfohlen, die zunächst gewählte Beschreibung "Friedpark" durch "Naturfriedhof" zu ersetzen. Gemeint ist jenes Areal am Ortsausgang von Frickhofen, das vor rund 100 Jahren ein Friedhof, zuletzt ein Wäldchen und jetzt eine abgeholzte Grünfläche ist, den die SPD zugunsten einer Parkanlage verhindern will. Jetzt habe aber der Gemeindevorstand bereits einen Auftrag über 61 000 Euro für die Gestaltung des Naturfriedhofs erteilt und damit "gegen die Gemeindevertretung gearbeitet", sagte Ottmar Baron. Das Geld sei überplanmäßig bewilligt worden für ein Projekt, "obwohl die Fraktion etwas ganz anderes will". Tatsächlich sei der Friedhof allerdings längst von der Mehrheit der Parlamentarier beschlossen, konterte Christof Weber von der FWG. Auch seien dafür 50 000 Euro in den Haushalt eingestellt worden. Die überplanmäßigen Ausgaben lägen also "nur bei 11 000 Euro". Das wies SPD-Sprecher Baron zurück. So zu argumentieren sei leichtsinnig. "Es geht ums Prinzip, und wenn wir Gemeindevertreter nicht mehr Herr des Verfahrens sind, dann sind wir überflüssig."

CDU-Fraktionsvorsitzender Peter Trottmann kommentierte das mit den Worten: "Die SPD hat hier schon immer opponiert." Ein wenig Opposition erhielt die CDU an diesem Abend indes auch aus den eigenen Reihen. Dr. Walter Valeske, der schon bei der Bestattungsform gegen seine Fraktion votiert hatte, lehnte auch die Pläne für einen Naturfriedhof ab. Er bedauere, erneut gegen seine Fraktion stimmen zu müssen. Aber das Friedhofsprojekt in Ortsrandlage sei unsinnig und überflüssig. Das Terrain soll zu Baugebiet umgewidmet werden. Das wird es nicht. Auch hier setzte sich die CDU mit ihren Plänen durch.

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