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Marco Hepp

Landwirtschaft

Gute Gülle statt giftiger Gerüchte in Dornburg

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Kreisbauernverband erklärt Dünger-Transporte und reagiert auf Kritik aus Frickhofen.

Frickhofen -Die Gülletransporter, die vor einigen Tagen im Dornburger Ortsteil Frickhofen unterwegs waren, sorgen weiter für Aufregung. Hatten zunächst einige besorgte Anwohner gerätselt, woher der Dünger stamme, wohin er geliefert werde und um welche Gülle es sich handele, meldet sich jetzt Marco Hepp, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Limburg-Weilburg zu Wort. Er ist empört über die Mutmaßungen eines ehemaligen Landwirts aus dem Ort. Denn der hatte in den großen Tanks einen gefährlichen Reste-Cocktail aus tierischen Ausscheidungen vermutet und von gesundheitsschädigender Schweinegülle gesprochen. Er könne sich vorstellen, dass es sich um billige Importware handele, hatte der ehemalige Bauer gesagt.

Das weist Marco Hepp entschieden zurück: "Die Düngung im Allgemeinen und die Ausbringung von organischen Düngemitteln im Besonderen unterliegen in Deutschland massiven Auflagen und Beschränkungen, an die sich die Landwirte zu halten haben. Boden- und Nährstoffgehaltsanalysen vorab, Planung, Dokumentation und Bilanzierung der Düngung, all das ist durchzuführen und im Kontrollfall vorzuweisen." Das hatte auch Gülle-Transportunternehmer Kai Schwarz deutlich gemacht. "Kein Landwirt könne sich einen Verstoß gegen die Güllerverordnung erlauben", hatte er gegenüber dieser Zeitung betont.

Tierbestand im Kreis

ist extrem niedrig

Der Frickhöfer Skeptiker sah das anders - und liegt mit seiner Annahme Marco Hepp zufolge falsch. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbands sagt: "Der Tierbestand und damit der Anfall von organischen Düngern wie Jauche, Stallmist oder Gülle ist in unserem Landkreis extrem niedrig." Dabei werde gerade organischer Dünger gebraucht, um die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten. Denn anders als bei Mineraldüngern werde dem Ackerland hier organische Substanz zugeführt, die den Humusgehalt im Boden aufbaut. Und je mehr Humus im Boden ist, desto besser können Wasser und Nährstoffe an die Pflanzen abgegeben werden, erklärt Hepp.

"Viehlose Betriebe, die von Tierhaltern oder Biogasbetreibern Gülle ankaufen und ausbringen lassen, handeln also boden- und ressourcenschonend." Da die Bauern in der Region in ihren Betrieben aber nicht ausreichend Dünger produzieren, müsse dieser angeliefert werden. Dass für den Transport große Fahrzeuge eingesetzt würden, bedeute aber auch, "weniger Fahrten pro Einheit", gibt Hepp zu bedenken.

Und ein weiterer Einwand des ehemaligen Landwirts aus Frickhofen stinkt für den Mann vom Kreisbauernverband zum Himmel: "Käse, Schweinefleisch, Gemüse, Blumen - das alles darf gerne aus Holland importiert werden und gilt sogar des Öfteren als besonders hochwertig. Aber der Dung der gleichen Tiere ist Sondermüll, der hier entsorgt wird und dann ohne Düngerwirkung ins Grundwasser sickert?" Für Marco Hepp ist das eine "gefährliche Doppelmoral".

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