Noch heute ist Bernd Preis regelmäßig in seiner Schusterwerkstatt zu finden.
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Noch heute ist Bernd Preis regelmäßig in seiner Schusterwerkstatt zu finden.

Meister bei der Arbeit

Wilsenroth: Hier wird noch altes Handwerk gelebt

  • vonKlaus-Dieter Häring
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Für den Schuster Bernd Preis ist die Qualität seiner Arbeit sehr wichtig

Wilsenroth -"Schuster bleib bei deinen Leisten": Dieses alte Sprichwort ist für den 81-jährigen Bernd Preis keine Phrase, sondern gelebte Realität. "Von den Leisten hab ich viele in meinem Regal stehen", erzählt der Wilsenröther in seinem geräumigen Kellerraum. Dort hat sich der gelernte Schuster eine eigene Werkstatt eingerichtet und da sind dann auch die genannten Leisten zu finden. Dabei handelt es sich um Formen, mit denen Schuhe hergestellt wurden und werden.

Während heute diese Leisten oft in Kunststoff oder Metall gefertigt werden, sind die Exemplare in der Werkstatt von Bernd Preis aus Holz und sehr alt. Überhaupt schwebt durch die Schusterwerkstatt der Geist dieses alten Handwerks, das Preis von der Pike auf gelernt hat und so eine alte Familientradition fortsetzt. "Mein Vater war Schuster und meine Mutter Schuhverkäuferin", erzählt er in seiner Werkstatt, die vom herben Duft des Leders beherrscht wird.

Überall Schuhe, alte und neue, und auch noch Paare, die auf die erfahrene Hand des Schustermeisters warten. An den Wänden sind die Zeugnisse der jahrzehntelangen Karriere von Bernd Preis zu finden. Darunter die Urkunde zum 50. Meisterjubiläum.

Gelernt hat der 81-Jährige den Beruf des Schusters in der Werkstatt seines Vaters "der auch ein kleines Schuhgeschäft hatte". Als Gesellenstück und für die Meisterprüfung musste er selber Schuhe herstellen "und auch eine Leiste machen". Bis 1970 war er im Geschäft seines Vaters tätig, "dann wollte ich mal was anderes machen", sprach er und war seitdem in der Diezer Justizvollzugsanstalt angestellt. Doch die Leisten und alles was damit zu tun hat ließen ihn nicht los.

Als er 1972 sein Haus in Wilsenroth baute, war für ihn klar, dass im Keller auch eine Schusterwerkstatt sein musste. "Da kamen auch Maschinen meines Vaters rein", erinnert er sich. Und die wurden benötigt, denn aus dem Hobby der Schusterei wurde mehr. Vor allem die Qualität seiner handwerklichen Arbeit sprach sich rum. Diese präsentiert er an einem Beispiel, das in seiner Werkstatt zum reparieren liegt: Ein paar teure Wanderschuh für über 250 Euro. Die sind seiner Meinung nach viel zu wertvoll, um den Weg in die Mülltonne zu gehen. "Die sind sehr gut eingelaufen", so Bernd Preis. Aber die Sohle macht nicht mehr mit.

Seine Arbeit besteht nun darin, die alte Sohle runter zu schleifen und eine Zwischensohle drauf zu kleben. Als Abschluss kommt noch eine Vibransohle drauf. Der Schuh ist seiner Meinung nach jetzt besser als vorher und "lebt jetzt noch 20 Jahre". Preis lässt sich viel Zeit für diese Reparaturen, die pro Schuh schon mal vier bis fünf Tage beanspruchen. Dieser lange Zeitraum lässt sich durch die langen Klebepausen erklären. "Auf die Schnelle mach ich nichts, dafür geb ich meinen Namen nicht her", betont der Senior.

Bei einem Blick durch seine Werkstatt fallen viele alte Gerätschaften auf, die es heute in Schnellreparaturwerkstätten so nicht gibt. Darunter Hanfgarn, der durch das im Regal liegende Pech gezogen wird. Das alles benötigt Bernd Preis für die Reparatur der Schuhe, die in seiner Werkstatt liegen.

Klaus-Dieter Häring

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