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Mit schwerem Gerät werden die Bäume auf dem Areal gefällt, wo sich von Mai an die beiden Windräder drehen sollen.

Jagdpächter beobachten gestörten Wildwechsel

Windräder am Watzenhahn: Jetzt fallen Bäume

Die Vorarbeiten für den Bau von zwei Windrädern auf dem Watzenhahn haben begonnen. Im Dorndorfer Wald werden Bäume gefällt.

Ein rotes Absperrband flattert im Wind, orangefarbene Zäune stehen entlang des Waldwegs. Ein Krachen schallt durch den Wald am Blasiussteig. Innerhalb von Sekunden fallen die Bäume in dem Areal, das von Dorndorf aus gesehen rechter Hand liegt. Die Vorarbeiten für die Errichtung von zwei Windrädern auf dem Watzenhahn haben Anfang Dezember begonnen.

Das ist eigentlich keine Überraschung: Das Regierungspräsidium Gießen hat den Bau an dieser Stelle in diesem Jahr genehmigt, die Gemeinde Dornburg bereits vor drei Jahren einen entsprechenden Pachtvertrag – ursprünglich für drei Anlagen – abgeschlossen. Die Rodungen könnten „nur in einem engen Zeitfenster geschehen“, sagte Bürgermeister Andreas Höfner (CDU). Deshalb sei Anfang Dezember angefangen worden, Wege abzusperren und Bäume zu fällen.

Für manche Bürger kam der Start der Vorarbeiten am Watzenhahn indes plötzlich. Spaziergänger wunderten sich über die Absperrungen und das schwere Gerät im Wald und baten die Jagdpächter um Aufklärung. „Aber wir wurden auch nicht informiert, bevor es losging“, sagt einer von ihnen, der jedoch namentlich nicht genannt werden will. Er betont, dass er und seine Kollegen nicht gegen die Errichtung der Anlagen seien, sich aber mehr Transparenz wünschten.

Zum Beispiel hätten sie gerne erfahren, warum die riesige Wiese, links hinter Dorndorf gelegen, nicht zum Bau der Windräder genutzt wird. „Warum muss Wald gerodet werden, der auf Jahre nicht nachwächst, wenn nebenan eine freie Wiese liegt?“, fragt der Jäger.

Diese Frage kann Bürgermeister Höfner beantworten. Von Anfang an, erklärt er auf Anfrage der NNP, hatten sich die Gemeindevertreter dazu entschlossen, Windkraftanlagen nur auf gemeindeeigenen Flächen zu errichten. Die Pachteinnahmen kämen dann der Gemeinde und damit dem Allgemeinwohl zugute. „Die Glockenwiese ist nicht Eigentum der Gemeinde, deshalb wird dort kein Windrad errichtet“, sagt Höfner. Bei der Glockenwiese handle es sich vielmehr um kleinparzelligen Streubesitz mit vielen privaten Eigentümern.

Die Jagdpächter weisen indes darauf hin, dass sich die Absperrungen im Wald bereits nach einer Woche auf den Wildwechsel auswirken. Die Tiere hätten sich bisher immer auf der Glockenwiese gesammelt, um dann über die Hauptwege in den Wald hineinzugehen. Seitdem dort die Wege abgesperrt sind, sei kein Wild mehr gesichtet worden. Die Tiere müssten sich nun neue Wege suchen.

Auch der Blasiussteig ist von den Baumaßnahmen betroffen. Mitglieder der Verkehrs- und Verschönerungsvereine hatten den Steig als Rundweg zu den Sehenswürdigkeiten von Dornburg konzipiert. Peter Preus, der den Blasiussteig pflegt, sagte im Gespräch mit der NNP, dass die Vereine bisher nicht in den Prozess eingebunden waren. Er werde jedoch in Kürze das Gespräch mit dem Bürgermeister suchen. Gemeinsam wolle man dann prüfen, wie die Wege während der Bauzeit der Windräder umgeleitet werden können, um nichts von ihrer Attraktivität zu verlieren.

Die Gemeinde Dornburg erhält mit Baubeginn der beiden Windräder eine einmalige Entschädigung von 10 000 Euro je Anlage. Zudem fließen jedes Jahr 30 000 Euro pro Anlage in die Gemeindekassen sowie zusätzlich ein bestimmter Prozentsatz am jährlichen Windernteertrag. Für die zwei Anlagen rodet die Firma Enertrag 1,5578 Hektar, wovon 0,4852 Hektar nach Inbetriebnahme direkt wieder aufgeforstet werden. Daneben findet eine Ersatzaufforstung auf der Gemarkung Dornburg von 1,391 Hektar statt, so dass nach Inbetriebnahme 1,8492 Hektar Wald angepflanzt werden. „Das sind am Ende 3000 Quadratmeter mehr als zuvor gerodet wurden“, rechnet Höfner vor. Die Betriebslaufzeit betrage 209 Jahre. Danach sollen diese Standortflächen auch komplett wieder aufgeforstet werden. Die Zufahrt der Baufahrzeuge soll über die vorhandenen land- und forstwirtschaftlichen Wege erfolgen. Die sollen anschließend wieder in ihren Ursprungszustand versetzt werden. Deshalb werde vor Beginn der Arbeiten noch eine Bestandsaufnahme gemacht. Die großen Elemente der Anlagen werden laut Höfner über bestehende Wege aus Richtung Girkenroth angeliefert. Auch für die Wartung der Windräder würden künftig keine extra Wege gebraucht. Die Inbetriebnahme der Anlagen ist für Mai 2017 geplant.

Zum Schluss weist der Bürgermeister noch darauf hin, dass manche Absperrungen im Wald gar nichts mit dem Windradbau zu tun hätten. Einige Waldwege habe auch das Trainingscamp des Hessischen Schlittenhunde-Amateurclubs abgesperrt, um sowohl Schlittenhundgespanne als auch Spaziergänger zu schützen.

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