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Wie drei Münsterer Jugendfeuerwehrleute einem Bewusstlosen halfen

Zivilcourage erfordert Selbstbewusstsein. Das haben drei Jugendfeuerwehrleute aus Münster wohl genug. Luis Pfaffe (14), Adrian Sandner (13) und Jannis Staat (14) haben am Lago Alfredo einem Menschen das Leben gerettet.

. Der Mann lag bewusstlos vor seinem Auto. Sturzbetrunken. Er wäre vielleicht an seinem Erbrochenen erstickt – wenn nicht drei Jugendliche vorbeigekommen wären und richtig gehandelt hätten. Luis Pfaffe (14), Adrian Sandner (13) und Jannis Staat (14) schauten nicht weg, sondern packten beherzt und entschlossen zu. „Sie haben dem Mann das Leben gerettet“, sagt Münsters Wehrführer Thorsten Pfaffe

Diese Heldentat am Lago Alfredo ist jetzt zwei Jahre her, sorgt im Ort aber nach wie vor für Gesprächsstoff.

„Ich war stolz wie Oskar, als ich davon erfahren habe“, sagt Pfaffe. Besonders beeindruckt hat ihn, dass die Jungs abseits eines Feuerwehreinsatzes gehandelt und ihr bei der Feuerwehr erworbenes Wissen angewandt haben. „Sie hatten keine Berührungsängste und wussten intuitiv, was zu tun ist.“ Die kontinuierliche Übung bei der Feuerwehr trage Früchte, meint Pfaffe.

„Der Schulrektor hat mir persönlich gratuliert“, berichtet Jannis Staat stolz. Das sei ein tolles Gefühl gewesen. „Ich fand es cool, dass wir eine Urkunde bekommen haben“, ergänzt Luis Paffe. In einem solchen Moment begreife man unmittelbar, wie wichtig es sei, was man bei der Feuerwehr lerne.

„Wir haben am Lago Alfredo laute Musik wahrgenommen und eine bewusstlose Person vorgefunden“, erinnert sich Adrian Sandner. Der Mann habe außerhalb des Autos gelegen, aus dem die Musik ertönte. Die Tür habe offen gestanden. „Dann haben wir versucht, mit ihm zu sprechen“, fährt Adrian fort. Als dies nicht funktioniert habe, hätten sie ihn in die stabile Seitenlage gebracht, und Luis habe einen Notruf abgesetzt. „Ich habe den Krankenwagen eingewiesen“, sagt Adrian. Seine beiden Freunde seien derweil bei dem Hilflosen geblieben. Den Rest hätten die Rettungs-Sanitäter erledigt.

Luis, Adrian und Jannis erhielten zum Dank eine Urkunde. Die Ehrung im März 2016 in Haintchen wurde auf Veranlassung der Feuerwehr Selters und in Absprache mit dem Bürgermeister auf Gemeindeebene vorgenommen. „Obwohl der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes noch am selben Tag informiert wurde, und durch ihn die Landesregierung, ist bisher leider keine Ehrung auf höherer Ebene erfolgt“, erklärt Thorsten Pfaffe sichtlich enttäuscht. Vor Kurzem sei jedoch angekündigt worden, dass dies nachgeholt werde.

Aber auch unabhängig davon kann die freiwillige Feuerwehr das vorbildliche Verhalten ihres Nachwuchses als gute Eigenwerbung verbuchen. Die Münsterer Wehr bietet jedes Jahr in den Wintermonaten einen internen Erste-Hilfe-Kurs an, so Pfaffe. Davon hätten die drei Mitglieder profitiert. „Bei uns treffen sich 18 Jugendfeuerwehrleute zwischen zehn und 15 Jahren jeden Donnerstag zu diversen Feuerwehr-Kursen“, erklärt er. Seit drei Jahren vermitteln medizinisch ausgebildete Fachkräfte die richtige erste Hilfe.

Insgesamt floriere die Jugendarbeit, seit die Jugendwarte Jürgen Lohr und Markus Staat im Amt seien, berichtet Pfaffe. Er macht darauf aufmerksam, dass sich auch Kinder engagieren können. Die Feuerwehr Selters bietet für Sechs- bis Zehnjährige die „,Minifeuerwehr“ an. Diese Gruppe trifft sich in Niederselters.

„Junge Menschen saugen Erste-Hilfe-Wissen, Knotenkunde und Ähnliches auf wie Schwämme“, berichtet Thorsten Pfaffe aus guter Erfahrung. Je früher das Engagement bei der Feuerwehr beginne, desto besser. Spaß macht das Ganze offensichtlich auch. Denn die mittlerweile 18 Jugendfeuerwehrleute kommen immer zu den Kursen und Übungen. Alle.

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