Die ehemalige Synagoge von Hadamar ist eines der wenigen jüdischen Bethäuser in Hessen, die die Nazi-Diktatur überdauert haben.
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Die ehemalige Synagoge von Hadamar ist eines der wenigen jüdischen Bethäuser in Hessen, die die Nazi-Diktatur überdauert haben.

Hadamar

Ehemalige Synagoge in Hadamar braucht dringend Pflege

Der Stadtführer möchte mit der Synagoge die Erinnerung an die jüdische Gemeinde gerne wachhalten. Die Stadt verspricht ein Konzept.

Hadamar - Am einstigen spirituellen Zentrum der jüdische Bevölkerung von Hadamar nagt der Zahn der Zeit. Seit der Grundsanierung von 1980 unter Bürgermeister Hermann Bellinger ist hier wenig geschehen. "In meinen Augen hat die Stadt die Synagoge vergessen", beklagt Stadtführer Harald Zumpe. Er findet es wichtig, dass dieses erhaltenswerte Denkmal gepflegt und mit neuem Leben erfüllt wird.

Das ehemalige jüdische Bethaus in der Hadamarer Nonnengasse hat als eine der wenigen hessischen Synagogen die Reichspogromnacht überdauert. Zwar wurde dort in den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 ein Brand gelegt, doch als ein Nachbar aus der Nonnengasse um 6 Uhr zum Bahnhof gehen wollte, um zur Arbeit zu fahren, entdeckte er den Feuerschein und schlug Alarm. Schnell fanden sich weitere Nachbarn ein und gemeinsam betraten die Männer die aufgebrochene Synagoge. Zum Glück fanden sie nur einiges Gerät sowie Papiere, Gewänder, Tücher und Wimpel auf einem Haufen brennend vor, der schnell gelöscht war. Sicherheitshalber rückte auch noch die Feuerwehr an, hatte aber nicht viel zu tun.

Synagoge in Hadamar: Lehrer wütete mit seinen Schülern

Deutlich größeren Schaden als die SS-Männer bei ihrer nächtlichen Feuer-Aktion richteten am Vormittag des 10. November 1938 junge Einheimische an. Nach dem Bericht von Zeitzeugen sei am Vormittag ein Volksschullehrer mit den älteren Schülern in die Synagoge eingerückt. Der Lehrer soll die Schüler aufgefordert haben, die Ausstattung des Gotteshauses zu demolieren. Nach Schulschluss seien auch noch Gymnasiasten hinzugekommen. Sie trieben die Verwüstung weiter voran, indem sie das Mobiliar von der Empore hinabwarfen.

Synagoge in Hadamar: Atelier des Künstlers Ernst Moritz Engert

Nach dem Krieg gab es in Hadamar keine Juden mehr. Die Synagoge ging in den Besitz der JRSO, einer Treuhandgesellschaft für jüdisches Vermögen, über. Der Hadamarer Künstler Ernst Moritz Engert erwarb im Jahr 1953 das inzwischen ziemlich heruntergekommene Gebäude von der JRSO und richtete dort sein Atelier ein. 1980 kaufte und sanierte die Stadt Hadamar die ehemalige Synagoge.

"Das ist ja nun schon Jahrzehnte her. Seit damals ist dort nicht viel geschehen", beklagt Stadtführer Harald Zumpe. Statt das Denkmal dem weiteren Verfall preiszugeben, wünscht er sich eine Renovierung und die regelmäßige Nutzung, zum Beispiel für Lesungen. "Wir wollen ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen und die Erinnerung an das Leben und die Kultur der jüdischen Gemeinde von Hadamar wachhalten", beschreibt er seine Intention.

Synagoge in Hadamar: Heizung fehlt

Neben einer Renovierung der Außenfassaden sei auch an den Fenstern der ehemaligen Synagoge einiges zu tun. Außerdem fehlt in dem Gebäude eine Heizung. Bislang wurden zwei mobile Öfen betrieben, wenn beispielsweise am Tag des offenen Denkmals Gäste erwartet wurden. Die Nutzung dieser Heizgeräte ist aber inzwischen feuerpolizeilich nicht mehr gestattet.

"Nachdem das Abbild der "grauen Busse" in unserer Stadtmitte aufgestellt war und auch die Gedenkstätte erweitert und aufgewertet wird, sollte auch der ehemaligen Synagoge wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden", so Zumpe. Durch das Engagement einiger Bürger sei es in letzter Zeit gelungen, immer mehr Menschen aus anderen Städten für das Leben und die Sitten und Gebräuche der Hadamarer Juden zu interessieren. Zumpe geht von steigenden Besucherzahlen aus. "Toll wäre zudem, wenn wir Schulgruppen in die Synagoge holen können", sagt er.

Stadt will sich in diesem Jahr um die Synagoge in Hadamar kümmern

Ende November vergangenen Jahres hatte Harald Zumpe bei der Stadt Hadamar die Renovierung der ehemaligen Synagoge beantragt und auch schon einen Kostenvoranschlag für die Arbeiten an der Außenfassade vorgelegt. Ihm wurde schriftlich zugesichert, dass im Jahresverlauf ein Konzept für die Sanierung und spätere Nutzung erarbeitet wird, dass schließlich den politischen Gremien zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden soll. 

Von Kerstin Kaminsky

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