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Können sich so unterhalten, dass es Ältere kaum verstehen: Die Jugendlichen der 9 a der Fürst-Johann-Ludwig-Schule setzen oft ganz bewusst Jugendsprache ein.

Jugendwörter

Vom Ehrenmann bis zum Opfer: Fürst-Johann-Ludwig-Schüler erklären die heutige Jugendsprache

Verstehen Sie Jugendsprache? Kennen Sie einen „Ehrenmann“ oder ist Ihnen das zu „sheesh“? NNP-Redakteurin Anken Bohnhorst hat mit Neuntklässlern der Fürst-Johann-Ludwig-Schule über aktuelle Jugendwörter gesprochen und darüber, wie sich Jugendliche früherer Generationen unterhielten.

„Lass Döner essen – auf dein’ Nacken! Du Ehrenmann!“ So ungefähr klingt die Kurzfassung einer Verabredung von Jugendlichen, die zusammen Mittagessen wollen und von denen einer die gemeinsame Rechnung übernimmt. Der großzügige Finanzier ist der Ehrenmann, sagt Florian aus der 9 a der Fürst-Johann-Ludwig-Schule. Ehrenmann? Tatsächlich hat es jene antiquiert und angestaubt anmutende Bezeichnung für einen zuverlässigen, anständigen Menschen in den Rang des diesjährigen Jugendworts geschafft, und die Schüler finden das in Ordnung.

Wenig liebevoll

Nichts Besonderes, völlig normal, kein bisschen „sheesh“, sagt Florians Klassenkameradin Lisanne. „Sheesh“ bedeutet so viel wie krass, also über die Ziellinie des Normalen hinaus. Vergleichbar vielleicht mit „bescheuert“ oder „urinös“, wie die heutigen „Gruftis“ in ihrer Jugend in den 1970er Jahren gesagt haben. Wobei die Mitglieder der Generation Grufti derzeit zwar zu den Best-Agern zählen, von den Jugendlichen der 9 a aber wenig liebevoll Alter, Schrulle oder Schrumpel genannt würden.

„Würden“, stellen die 14- und 15-Jährigen klar. „Machen wir aber nicht“, denn Jugendsprache bedeute nicht Respektlosigkeit. Mit Eltern, Lehrern, anderen Erwachsenen sprechen sie nicht so. Und sie wollen ihren Jargon auch nicht von alternden Berufsjugendlichen benutzt wissen.

Bei der Jugendsprache handelt es sich vielmehr um einen Code, um eine Geheimsprache, bei der allerdings selbst die Geheimsprecher nicht immer die Bedeutung des gesamten Vokabulars kennen. Das lässig eingestreute „amk“ beispielsweise ist die Abkürzung einer türkische Redewendung, die in wörtlicher Übersetzung alles andere als freundlich wäre. Im Jugend-slang aber „ist das kein bisschen negativ gemeint“, versichert ein Schüler.

Muss man nicht verstehen

Somit ist also „alles roger“, wie man vor der Jahrtausendwende noch hätte sagen mögen. Oder sogar „super“, was ein ultimatives Zauberwort aus der Jugendzeit von FJLS-Schulleiter Peter Laux ist. Und für den Fall, dass gerade keine Antwort oder Erklärung parat ist, dann geht heute immer die Begründung: „Weil Baum.“ Kann man verstehen, muss man aber nicht.

Aber was passiert, wenn Sender und Empfänger nicht auf einer Wellenlänge schwingen? Das könnte „cringy“ werden: Zum Fremdschämen, dessen Eskalation möglicherweise zu einer Bombe oder Nuss führt. Mit anderen Worten: Es könnte krachen, verschärft, granatenmäßig und echt ätzend. Das muss aber nicht sein.

Die Jugendsprache hatte immer auch sanfte Klänge im Repertoire, etwa wenn es ums „Backfischen“ ging, eine Tätigkeit, die jetzt unter der rustikalen Bezeichnung „Anbaggern“ ausgeübt wird. Die 9 a und ihre junge Klassenlehrerin Sabrina Reinhardt (40) jedenfalls können mit „Backfisch“ nicht mehr anfangen als mit der Bezeichnung für ein Nahrungsmittel.

Reizendes Mädchen

Dabei meint Backfisch ein reizendes, anbetungswürdiges junges Mädchen, in grauer Vorzeit auch Mieze, Schnalle oder Schnecke genannt, umgarnt von einem Macker oder Scheich, dessen Nachkommen heute als „Spacko“, „Honk“ oder Opfer auftreten.

Ganz aktuell vielleicht auch als Lauch, was den jungen Mann nicht als Vegetarier auszeichnet, sondern seinen sehr schlanken Körperbau beschreibt und einen Hinweis darauf gibt, dass ein paar weitere Döner fällig sind – bestenfalls auf den Nacken von einem Ehrenmann.

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