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Ein Multitalent auf den Feldern

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Von: Tobias Ketter

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Geringerer Schädlingsbefall auf den Feldern im Kreis Limburg-Weilburg. Bauern freuen sich über hohe Preise, haben aber auch hohe Kosten.

Limburg-Weilburg -Wer derzeit auf den Straßen und Feldwegen der Region unterwegs ist, kann den Raps in seiner vollen Blüte bewundern. Auch auf dem Hochfeld zwischen Niederbrechen und Runkel gedeiht die Ölpflanze. An Ort und Stelle trafen sich gestern die Verantwortlichen des Kreisbauernverbandes und des Landkreises Limburg-Weilburg, um sich über den Raps auszutauschen. Dabei empfing Marco Hepp, Vorsitzender des Verbandes, hohen Besuch. Die hessische Rapsblüten-Königin Theresa Schmidt reiste nämlich extra aus Schönborn an, um sich einen Eindruck von den Rapsfeldern der Region zu machen.

"Es gibt erfreuliche Neuigkeiten. Der hessische Rapsanbau ist 2021 auf 45 800 Hektar gestiegen", sagte Schmidt, die seit dem Jahr 2020 das Amt der Rapsblüten-Königin inne hat. Nahezu keine andere Pflanze sei so ein Multitalent. Der Raps werde nämlich zur Nahrungsmittelproduktion, als Tierfutter und als nachhaltige Energiequelle genutzt. Die rund 180 Zentimeter tiefen Pfahlwurzeln haben laut Schmidt den Vorteil, dass der Raps viele Nährstoffe sowie Wasser aus dem Boden ziehen und so auch Trockenphasen überstehen kann. "Raps ist aus der heimischen Landwirtschaft nicht wegzudenken und die Blütezeit tut der Seele gut und gibt Hoffnung", betonte sie. Es müsse künftig noch mehr für den Rapsanbau getan werden. Schmidt forderte, dass in Deutschland die gleichen Anbauregeln gelten sollten, wie in anderen EU-Staaten.

Mehr als 2000 Hektar

Fläche im Landkreis

Und wie steht es im Landkreis Limburg-Weilburg um die Pflanze? "Auf Kreisebene gab es 2021 etwas mehr als 2000 Hektar Raps", sagte Hepp. Dieses Niveau könne in diesem Jahr voraussichtlich gehalten werden. Bislang seien im Vergleich zu vergangenen Blühphasen weniger Krankheiten und auch ein geringer Schädlingsbefall festgestellt worden. "Allerdings sind die Stängel durch späten Frost teilweise aufgeplatzt", sagte er. Das könne der Raps eigentlich recht gut ab, aber man müsse die Stängel trotzdem mit Pflanzenschutzmitteln behandeln, damit es nicht zu Krankheiten komme.

Wie hoch der Ertrag der Ernte, die im Juli durchgeführt wird, letztlich ausfallen wird, vermochte Hepp noch nicht zu sagen. Das sei unter anderem vom Wetter in den kommenden Wochen abhängig. Die Pflanze benötige nämlich ausreichend Niederschlag. "Insgesamt sehen die Bestände aber aktuell gut", sagte der Dauborner.

Der Raps-Preis befinde sich laut Hepp momentan auf einem Allzeithoch. Dies werde sich wahrscheinlich auch bis zur Ernte nicht ändern. Derzeit liege der Preis bei etwas weniger als 1000 Euro pro Tonne.

Die größte Unsicherheit unter den Bauern folgt vermutlich erst nach der Ernte. "Es könnte nämlich dann zu Schwierigkeiten bei der Düngemittelversorgung kommen", sagte der Verbandsvorsitzende. Aber nicht nur der fehlende Nachschub, sondern auch die hohen Kosten bereiten den Landwirten sorgen. Der Stickstoffdünger sei im Vergleich zum vergangenen Jahr nun fünfmal so teuer. "Um die Ausgaben wieder reinzuholen, sind hohe Ernte-Erlöse nötig", sagte Hepp.

Anett-Christin Hochheim, Leiterin des Amts für den Ländlichen Raum, Umwelt, Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Limburg-Weilburg, berichtete, dass der Raps in diesem Jahr genau zur rechten Zeit blühe. Somit komme es wohl nicht zu Verschiebungen bei der Ernte. "Die Landwirtschaft ist die Basis für das Leben", ergänzte der Erste Kreisbeigeordnete Jörg Sauer (SPD) mit Blick auf die großen Rapsfelder oberhalb von Niederbrechen. Durch den schrecklichen Krieg in der Ukraine werde dies den Menschen nun wieder stärker bewusst.

Er wird nur alle vier

bis fünf Jahre angebaut

Und welche Flächen sind für den Rapsanbau am ehesten geeignet? "Die verbreitete Winterraps-Variante verlangt tiefgründige und gut strukturierte Böden mit einer hohen Wasserspeicher-Kapazität", heißt es in einer Mitteilung des Kreisbauernverbandes. Sommerraps sei hinsichtlich der Bodenbeschaffenheit weniger anspruchsvoll. Darüber hinaus habe der Raps kaum Probleme mit der Kälte. Er könne im Winter sogar Temperaturnen von bis zu minus 25 Grad aushalten.

Raps ist übrigens nicht selbstverträglich. Dies bedeutet, dass nach seiner Ernte eine andere Kulturart auf den Feldern folgen muss. "Auf einer Fläche wird der Raps nur alle vier bis fünf Jahre angebaut. Zu einer Verrapsung der Landschaft kommt es also nicht", sagte Hochheim. Und nach der Raps-Ernte blieben wichtige Nährstoffe auf dem Acker, die für die weitere Fruchtfolge auf dem Feld von Vorteil seien.

Pro Quadratmeter Fläche werden im Juli rund 400 Gramm Raps-Körner geerntet. Diese bestehen zu 40 Prozent aus Pflanzenöl und zu 60 Prozent aus eiweißhaltigem Rapsschrot. Daraus entstehen dann Rapsöle, Biodiesel und Eiweißfutter für die Tiere. Ein Hektar Raps reicht tatsächlich aus, um den Proteinfutter-Bedarf von drei Milchkühen für ein Jahr zu decken.

"Raps ist nicht auf die Befruchtung durch Insekten angewiesen", teilte der Kreisbauernverband mit. Doch die Leistungsfähigkeit des Bestandes werde durch den Besuch von Bienen und anderen Insekten deutlich erhöht. Da der Raps besonders bei den Bienen beliebt ist, profitieren auch die Imker. "Ein Hektar Raps ergibt nämlich rund 40 Kilogramm Honig."

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