Die Nachbarn des künftigen Neubaugebiets "Schulwald" fühlen sich von Verwaltung und Parlament übergangen. Sie lehnen das Projekt des Investors Mathias Schlimm ab, weil die Natur zerstört werde. Und außerdem fragen sie: "Wie soll das Wasser bergauf fließen?"
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Die Nachbarn des künftigen Neubaugebiets "Schulwald" fühlen sich von Verwaltung und Parlament übergangen. Sie lehnen das Projekt des Investors Mathias Schlimm ab, weil die Natur zerstört werde. Und außerdem fragen sie: "Wie soll das Wasser bergauf fließen?"

Anwohner sind in Heuchelheim empört

CDU: Keine Zustimmung "zum Schein der Einheit"

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Dissonanzen zum Baugebiet "Schulwald" bleiben bestehen

Heuchelheim -Am Ende wollen alle Beteiligten das Gleiche: Heuchelheim soll noch attraktiver werden, junge Familien sollen die Möglichkeit haben, dort ihren Traum vom Eigenheim zu realisieren und der gesamten Gemeinde damit einen wichtigen Wachstumsschub verpassen. Nur ist der Weg zu diesem Ziel äußerst spannungsgeladen: Die Anwohner fühlen sich von der Verwaltung und den Gemeindevertretern übergangen, die Mehrheit der Gemeindevertreter besteht auf einen Beschluss aus dem Jahr 2005, und der Bürgermeister beschwört die Parlamentarier, das Bauvorhaben fortzuführen.

Beschluss aus

dem Jahr 2005

Worum geht es? Seit Jahren bemüht sich die Gemeinde Elbtal darum, im Ortsteil Heuchelheim ein Neubaugebiet zu errichten. Dazu fassten die Gemeindevertreter vor rund 16 Jahren einen Beschluss: Das Gebiet "Schulwald" sollte entwickelt werden. Die Suche nach einem Investor gestaltete sich jedoch problematisch. Bis vor wenigen Monaten, als der Investor Mathias Schlimm aus Langendernbach ein Bebauungskonzept vorlegte. Danach sollen auf elf Grundstücken acht Einfamilien- und drei Mehrfamilienhäuser entstehen. Rund 140 Euro soll ein Quadratmeter kosten.

Die potenziellen Nachbarn dieses Neubaugebiets sind über diese Pläne entsetzt: Rund 1,7 Hektar Natur würden zerstört, Lebensräume von Ringelnatter, Haselmaus und Wechselkröte würden beschädigt, die historische Kaiser-Wilhelm-Eiche sowie andere Pflanzenarten vernichtet, sagen sie. Außerdem liege das Baugebiet höher als die bereits bestehenden Häuser.

Laut Bauplan soll das Abwasser über die "Gansweide" abgeleitet werden. Dafür müsste es aber laut Anwohnern bergauf fließen. Wie solle das gehen? Und wie passten Mehrfamilienhäuser in das Erscheinungsbild der Dorfes?

Am allermeisten aber kritisieren sie, dass sie bei der Entscheidung für das Gebiet "Schulwald" nicht mitreden durften, nicht einmal rechtzeitig informiert worden seien. Eine Bürgerversammlung hatten die Parlamentarier abgelehnt. Da hätten die Anwohner indes gerne auf das alternative Baugebiet hingewiesen, das sich am Ortsrand von Heuchelheim befindet, doppelt so groß und wesentlich preiswerter zu bebauen ist. Dass jetzt auf einen Beschluss aus dem Jahr 2005 gepocht werde, sei nicht zu begreifen, sagen sie. "Wer von den damals Bauwilligen ist denn heute noch da?", fragen sie.

Dennoch: Die Entscheidung für das Neubaugebiet "Schulwald" steht. Mit einer hauchdünnen Mehrheit hatten sich Bürgerliste und SPD gegen die CDU und für das Konzept des Investors durchgesetzt. Man müsse die Gesamtinteressen und Einzelinteressen zum Wohl aller Elbtaler Bürger ins Verhältnis setzen, hatte Sonja Leischner von der Bürgerliste Elbtal (BLE) erklärt. Dass man auf die Bedürfnisse der Heuchelheimer Anlieger nicht genügend eingegangen sei, könne sie nicht erkennen.

Das kann auch Bürgermeister Joachim Lehnert (parteilos) nicht. Er wandte sich in der letzten Gemeindevertretersitzung an die Vertreter und mahnte, in einer Demokratie müssten auch jene Entscheidungen akzeptiert werden, die mit knapper Mehrheit gefällt würden. Für die Heuchelheimer heiße das: Am Schulwald wird gebaut. "Das Vorhaben jetzt zu torpedieren, halte ich für den falschen Weg." Mehr noch. Die jetzt erforderliche Abstimmung über den Aufstellungsbeschluss solle einstimmig ausfallen, sagte Lehnert. Wer nicht für den Beschluss stimme, möge sich enthalten. Einen Fraktionszwang dürfe es nicht geben.

"Den gibt es bei uns auch nicht", konterte Oliver Teufer von der CDU, aber solange es Alternativen zu dem eingeschlagenen "konfliktbeladenen Weg" gebe, solle man die berücksichtigen. Sich der Stimme zu enthalten, "um den Schein der Einheit zu wahren", das komme für seine Fraktion nicht in Betracht. Er setze auf Anstand und Respekt - und auf Demokratie. anken bohnhorst

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