Rund 40 Mitglieder des Elzer Geschichts- und Museumsvereins nahmen an der Kirchenführung in Dorchheim teil.
+
Rund 40 Mitglieder des Elzer Geschichts- und Museumsvereins nahmen an der Kirchenführung in Dorchheim teil.

Elbtal: Dämonen und Drachen haben die Revolution überlebt

Führung durch eine der ältesten Kirchen der Region

Dorchheim -Nach der Corona-Zwangspause konnte der Elzer Geschichts- und Museumsverein am Sonntag erstmals wieder zu einer Exkursion aufbrechen. Unter dem Motto "Unbekannte Schätze unserer Heimat" trafen sich rund 40 Mitglieder an der denkmalgeschützten Friedhofskapelle in Dorchheim. Restaurator Josef Weimer erläuterte, wie sich das kleine Gotteshaus in verschiedenen Bauphasen verändert hat.

"So wie wir die Kirche heute sehen, hat sie kaum Ähnlichkeit mit ihrem um 1200 errichteten Ursprungsbau", so der Experte. Tatsächlich gab es einst einen mächtigen Ostturm, dessen Reste auf dem Dachboden noch erkennbar sind. An der Nordseite befand sich ein Seitenschiff. Angedeutete Rundbögen im heutigen Außenputz nehmen darauf Bezug. Der Haupteingang befand sich an der Westseite. Die romanische Balkendecke ist in Fragmenten erhalten. Sie liegt zweieinhalb Meter über der in gotischer Zeit eingezogenen Balkendecke, die heute zu sehen ist.

Betritt man die Kapelle, zieht die Ausmalung des Chorraumes den Blick magisch an. Doch sollte man auch die Ornamentik an den Eichenholz-Pfeilern und der Empore betrachten. "Diese qualitätsvollen Schnitzereien, die einst sogar farbig bemalt waren, haben glücklicherweise den Bildersturm der Reformationszeit überlebt", erklärte Weimer. Dabei deutete er auf Dämonen, Drachen und einen Narrenkopf mit Eselsohren.

Malereien wieder freigelegt

Die Malerei im Chorraum stammt aus dem ausgehenden 15. oder frühen 16. Jahrhundert. Allerdings blieb sie unfertig und wurde übertüncht, nachdem das Hadamarer Land protestantisch geworden war. Erst bei Restaurierungsarbeiten in den 1960er Jahren wurde sie wiederentdeckt.

Damals stand Restaurator Josef Weimar am Beginn seines Berufslebens. Mit dem Skalpell arbeitete er anderthalb Jahre daran, die Malereien nach und nach freizulegen. "Es handelt sich hier nicht um ein Fresko, bei dem Farbe und feuchter Putz eine feste Verbindung eingehen, sondern um hauchdünne Schichten von Topfen-Kasein, die auf eine grundierte, trockene Kalkfläche aufgemalt wurden", erläutert er.

Über dem Altar wölbt sich ein Sternenhimmel mit dem Lamm Gottes in der Mitte und den vier Evangelisten an den Ecken. Ein darunter liegender Gemäldezyklus zeigt unter anderem das große Weltengericht mit den Erlösten neben dem Papst, der die Himmelspforte aufschließt, und zusammengebundenen Sündern vor dem Höllenschlund.

Sankt Martin im Kampf mit dem Drachen, die heilige Katharina mit dem Wagenrad und die heilige Barbara mit dem Turm sind ebenfalls dargestellt. Der Kirchenpatron Sankt Nikolaus zeigt sich mit Seeleuten. Die heilige Margareta führt einen kleinen Drachen am Halsband und symbolisiert damit, das Böse gefesselt zu haben. Hinter dem Altar befand sich ursprünglich eine gemalte Kreuzigungsszene. Da hier ein Fenster eingebaut wurde, sind links davon nur noch der von Soldaten überwachte Kreuzträger und rechts die Kreuzabnahme erkennbar.

Nur wenige Antlitze der dargestellten Personen sind vollendet; zumeist sieht man lediglich die hautfarbene Gesichtsform. Auch sind die Hintergründe vieler Szenen nur skizziert, was erkennen lässt, dass die Arbeiten abrupt beendet wurden. Nach der etwa einstündigen Kirchenführung in Dorchheim zog die Besuchergruppe aus Elz weiter zur Besichtigung der Stiftskirche Gemünden und ließ den Ausflug schließlich im Dorndorfer Scheunencafé ausklingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare