Länger als gedacht: Alfred Reitz bleibt wohl bis zu den Sommerferien Leiter der Elbtalschule in Dorchheim, weil sein Nachfolger den Dienst in Elbtal gar nicht erst angetreten hat.
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Länger als gedacht: Alfred Reitz bleibt wohl bis zu den Sommerferien Leiter der Elbtalschule in Dorchheim, weil sein Nachfolger den Dienst in Elbtal gar nicht erst angetreten hat.

Kreis Limburg-Weilburg

Nach nur 60 Stunden Ruhestand: Schulleiter in Elbtal schon wieder zurück im Amt

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Schulleiter Alfred Reitz aus Elbtal sollte eigentlich in den Ruhestand gehen, doch dann fehlte ein Nachfolger. Viele Eltern kennt der Rektor nach 40 Jahren Berufszeit noch als seine früheren Schüler.

Elbtal – Der Ruhestand von Alfred Reitz dauerte nur 60 Stunden. Dann kehrte der 64-Jährige an seinen Arbeitsplatz im Vogelsanger Weg 4 in Dorchheim zurück. Sein Nachfolger hatte kurzfristig den Amtsantritt abgesagt, und einfach weggehen, ohne die Weichen für eine gute Zukunft zu stellen, das kam für Alfred Reitz nicht in Frage.

Dafür glühe die Liebe zu seinem Beruf auch nach vier Jahrzehnten noch zu stark, sagt der Mann, der knapp 40 Jahre Schulleiter der Elbtalschule war und der, wenn nicht bald ein neuer Rektor auftaucht, dieses Amt über seine offizielle Pensionierung hinaus noch bis zu den Sommerferien innehaben wird.

Elbtal im Kreis Limburg-Weilburg: Alfred Reitz zeigt als Schulleiter vollen Einsatz

Dabei hatte Reitz vor ein paar Monaten beschlossen, zur Hälfte des laufenden Schuljahrs aus dem Dienst auszuscheiden. "Ich hatte das Gefühl, es reicht", erzählt er. In wenigen Monaten wird er 65. Ein Jüngerer oder eine Jüngere sollten die Schulleitung übernehmen. Das Amt verlange volle und frische Kraft, jedenfalls mehr als er sich zumuten wollte. Doch dann geschah das Unvorhersehbare: Die Corona-Pandemie kam und wirbelte den Schulalltag durcheinander.

Der neue Schulleiter, an den er den pädagogischen und organisatorischen Staffelstab weitergeben wollte, kam dagegen nicht. Also blieb Rektor Reitz, weil er niemanden im Stich lassen will. Die Kollegen nicht, die seit vielen Jahren mit ihm zusammenarbeiten. Die Eltern nicht, die sich plötzlich neu orientieren mussten. Und erst recht nicht die Kinder. Um die geht es schließlich in der Schule.

Wie wichtig ihm seine Schüler sind, sei in Elbtal bekannt, erzählt Reitz und lacht. Tatsächlich ist es immer wieder vorgekommen, dass er morgens auf dem Weg von seinem Wohnort Fussingen zur Schule ein paar Schlenker mit dem Auto gefahren ist, um jene Kinder einzusammeln, die es nicht ins Klassenzimmer zog. In Heuchelheim habe man einmal sogar eine Wette abgeschlossen, ob der Herr Rektor kommen und die Schüler persönlich zum Unterricht abholen werde. Alfred Reitz kam. Immer. Der Heuchelheimer Wetteinsatz von zehn Euro wurde verteilt. Die Jungen und Mädchen saßen an ihren Pulten. "Elbtaler Verhältnisse", kommentiert Alfred Reitz.

Elbtal: Schulleiter Alfred Reitz kennt viele Eltern noch als Schüler

Ärger mit den Eltern etwa darüber, dass seine Sorge um die Kinder vielleicht ein wenig zu umfassend gewesen sei, gab es nie, sagt der Schulleiter. Im Gegenteil. Viele der heutigen Mütter und Väter drückten schon bei ihm die Schulbank und saßen in seiner Klasse in den Fächern katholische Religion, Mathematik und Sport. Einige von ihnen duzen ihn. Für Alfred Reitz geht das in Ordnung. Es zeige die enge Bindung an die vertraute Schule und an die Heimat. Darauf mochte Reitz selbst auch nie verzichten, sagt er.

Als junger Mann habe er gespürt, wie wichtige es ist zu wissen, wo man hingehört: Als er sich nach der Schule für zwölf Jahre bei der Bundeswehr verpflichtete und sein Fussingen verlassen musste, ging sein Aufbruch in den Welt gründlich schief. Nach acht Tagen in der Fremde war Schluss, erzählt Reitz. Das Heimweh war zu stark. Er quittierte seinen Dienst, begann sein Pädagogikstudium in Gießen und pendelte zwischen Hochschule und Heimat.

Kollegium in Elbtal musste verkleinert werden – „Bis heute nicht verkraftet“

Alfred Reitz braucht das Miteinander, und das habe in Elbtal immer gestimmt, betont er. Auch im Kollegium. Daran, dass es jemals einen Kollegen gegeben haben könnte, der einen Versetzungsantrag gestellt hat, erinnert er sich nicht. Und trotzdem ist es eine Personalie , die ihn auf den tiefsten Punkt seiner Lehrerlaufbahn hinabrutschen ließ. Die Schülerzahlen gingen beständig zurück, weshalb das Kollegium verkleinert werden und eine Lehrerin die Schule verlassen musste. "Das habe ich bis heute nicht verkraftet", sagt Alfred Reitz. Verhindern konnte er die Personalentscheidung nicht. Seit Jahren wird die Schule einzügig geführt.

Ob die Schülerzahl steigt und die Klassen aufgestockt werden? Man wird sehen, sagt Alfred Reitz. Sein Nachfolger wird sich damit befassen müssen. Im nächsten Schuljahr. Denn nach seiner Rückkehr aus dem Ruhestand wird Reitz voraussichtlich bis zu den Sommerferien der Rektor bleiben. "Die Stelle ist zum neuen Schuljahr ausgeschrieben", bestätigt Dirk Fredl vom Staatlichen Schulamt. (Anken Bohnhorst-Vollmer)

Im vergangenen Jahr 2020 startete in Elbtal ein Projekt zur Schaffung eines neuen Jugendraumes.

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