Lange hat es gedauert, aber jetzt ist klar, dass das Neubaugebiet "Schulwald" erschlossen wird.
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Lange hat es gedauert, aber jetzt ist klar, dass das Neubaugebiet "Schulwald" erschlossen wird.

Elbtal soll wachsen

Elbtal: Neubaugebiet "Schulwald" darf erschlossen werden

  • VonRobin Klöppel
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Gemeindevertretung stimmt für die Bebauung - Anwohner sind enttäuscht

Elbtal -Das Heuchelheimer Neubaugebiet "Schulwald" kann von einem Investor erschlossen werden. Das beschloss die Elbtaler Gemeindevertretung in ihrer Sitzung am Donnerstagabend im Dorfgemeinschaftshaus Hangenmeilingen mit hauchdünner Mehrheit. Da ein Vertreter der Bürgerliste Elbtal (BLE) mit der CDU dagegen stimmte, standen am Ende acht Ja-Stimmen von SPD und BLE sieben Gegenstimmen gegenüber. Der Investor möchte dort acht Bauplätze sowie zwölf Eigentumswohnungen, die auf drei Häuser verteilt werden, vermarkten.

Zahlreiche erschienene Anwohner, die im Vorfeld Bedenken geäußert hatten, das Neubaugebiet könne das gewachsene Ortsbild zerstören, verließen nach der Abstimmung enttäuscht den Saal. Oliver Teufer (CDU), Vorsitzender des Bau- und Umweltausschusses, erklärte, dass das Konzept des Langendernbacher Investors Mathias Schlimm im Ausschuss einen guten Eindruck hinterlassen habe. Die 130 Euro, die er pro Quadratmeter verlangen wolle, seien kein überzogener Preis. Der Investor habe auch zugesagt, Elbtaler Familien bei der Vergabe zu bevorzugen. Die CDU habe jedoch im Ausschuss vergeblich den Antrag gestellt, noch eine Bürgerversammlung durchzuführen, bei der Bedenken der Anwohner ausgeräumt werden könnten. Folglich gebe es keine Beschlussempfehlung des Ausschusses.

Bürgermeister Joachim Lehnert (parteilos) erklärte, der Gemeindevorstand stehe einstimmig dahinter, das Gelände durch den Investor erschließen zu lassen. SPD-Fraktionsvorsitzender Johannes Schardt sagte, dass die Thematik Neubaugebiete schon immer eine wesentliche Angelegenheit für die SPD Elbtal gewesen sei. Insbesondere für die Erschließung des "Schulwald" trete sie seit 2004 ein. Mit dem Planungsbüro MS PiB aus Langendernbach habe nun ein ortskundiger Investor Interesse an der Erschließung des Neubaugebietes bekundet, der das Baugebiet ohne finanzielle Beteiligung der Gemeinde erschließen wolle. Johannes Schardt: "Aus Sicht der SPD Elbtal kann es nun endgültig keinen sachlichen Grund mehr geben, sich gegen das Vorhaben auszusprechen. Alle Fraktionen haben das Thema Neubaugebiete an vorderster Stelle in ihrem Wahlprogramm." Die Gemeinde könne aktuell nur im kleinsten Ortsteil Heuchelheim wachsen. Übergeordnete Planwerke würden für geeignete Flächen in den anderen drei Ortsteilen keine Erschließungsoptionen vorsehen.

Der SPD-Fraktionschef versicherte, nicht gegen die Interessen der Anwohner zu stimmen, sondern im Interesse der Gemeinde. Nach vielen Jahren Stillstand müsse Elbtal geordnet wachsen. Sonst hängten andere Kommunen die Gemeinde irgendwann völlig ab. Johannes Schardt sagte: "Zu viele bauwillige Elbtaler haben uns mangels Angebot bereits den Rücken gekehrt".

Schardt findet es nicht verwerflich, dass der Investor durch den Bau von Eigentumswohnungen seine Ausgaben reinholen wolle, die auch in anderen Ortsteilen genehmigt worden seien. Die Häuserfront zur Straße "Über der Ganswiese" sei unauffällig und mache nicht den Eindruck der vielzitierten "Betonbunker". Dass zudem die Möglichkeit bestehe, später noch ein Neubaugebiet "Scheidtfeld" am Heuchelheimer Ortseingang auszuweisen, sei kein Argument gegen den "Schulwald". Denn die Nachfrage nach Bauplätzen bleibe weiter groß.

"Alle haben sich viele Gedanken gemacht"

CDU-Fraktionsvorsitzende Irmgard Claudi erklärte, dass es bis vor kurzem zum "Schulwald" keine Alternative gegeben habe. Nun könne am Ortseingang ein Neubaugebiet entstehen, auch wenn dies zwei bis drei Jahre dauern werde. Die CDU könne die Sorgen der Bürger verstehen. Claudi sagte, Elbtal brauche zwar ein neues Baugebiet, aber nicht um jeden Preis. Zwei Neubaugebiete würden auf jeden Fall das Heuchelheimer Ortsbild verändern.

BLE-Fraktionsvorsitzender Kai Heep sagte, bis die Gemeinde am Ortseingang ein Neubaugebiet erschließen könne, koste dies Zeit, die die Gemeinde nicht habe. Elbtal sei die kleinste aller 19 Kommunen im Kreis. Darum müsse bei einer solchen Entscheidung auch das Gesamtwohl der Gemeinde betrachtet werden. Mehr Einwohner bedeuteten beispielsweise für alle anderen auch niedrigere Gebühren. Heep sieht nicht die Gefahr, dass ein privater Investor später völlig überzogene Preise nehmen könne, da er das Bauland dann nicht vermarkten könne. Heep denkt, dass das Baugebiet den Charakter Heuchelheims nicht verändern werde und Neubaugebiete an zwei Orten für den Ort nicht schädlich seien.

Dr. Sonja Leischner (BLE) sagte, dass Zuzug für die Gemeinde ein unterstützenswertes Ziel sei, damit sie auch in Zukunft von der Größe her handlungsfähig bleibe. Sie findet, dass es sich so anhöre, als würde jeder, der für den "Schulwald" stimme, die Anlieger nicht ernst nehmen. Leischner versicherte, dass sich alle viele Gedanken gemacht hätten, jedoch müsse man letztlich beide Seiten abwägen. Um Bürgern Unsicherheiten zu nehmen, müsse man ihnen transparent künftige Schritte erläutern.

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