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Elbtal: Wenn der Nahverkehr zur Fernreise wird

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Von: Anken Bohnhorst

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Hansjürgen Schneider aus Elbgrund möchte mit dem Bus nach Hadamar. Das kann dauern.
Hansjürgen Schneider aus Elbgrund möchte mit dem Bus nach Hadamar. Das kann dauern. © Anken Bohnhorst

Hansjürgen Schneider berichtet von seinen Erfahrungen mit den Busverbindungen auf dem Land

Elbgrund/Hadamar -Der Umzug vor einem Jahr von Hadamar nach Elbgrund war für Hansjürgen Schneider und seine Frau nur ein kleiner Schritt. Sie verschoben ihren Lebensmittelpunkt ein paar Kilometer nach Norden. Ungefähr zehn Minuten dauert die Autofahrt in die Fürstenstadt, in der die Eheleute ihre Ärzte haben und wo Bekannte und Freunde wohnen.

Die Entfernung sei überhaupt kein Problem, finden die Senioren, solange man ein Auto zur Verfügung hat. Schwierig wird es, wenn man die Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen will. Dann wird die Fahrt zur Reise. Eine direkte Busverbindung gibt es an den Vormittagen der Woche nur zweimal, um 6.07 und um 6.45 Uhr. Zu dieser Zeit werden vornehmlich Schüler befördert, andere Fahrgäste können aber ebenfalls die Linie LM-15 der Verkehrsgesellschaft Lahn-Dill-Weil benutzen.

Entscheidet man sich allerdings für eine spätere Fahrt, braucht man viel Zeit, sagt Hansjürgen Schneider. Denn bei den späteren Verbindungen von Elbgrund nach Hadamar muss man in Oberzeuzheim in den Bus LM-13 umsteigen.

Ein Beispiel: Schneiders entscheiden sich für die Abfahrt in Elbgrund, Haltestelle Abzweigung Waldmannshausen, mit dem Bus LM-15 nach Oberzeuzheim um 11.22 Uhr. In Oberzeuzheim hält der Bus planmäßig um 11.30 Uhr an der Grundschule. Die Anschlusslinie LM-13 ist dann nur leider weg; der Bus nach Hadamar fährt um 11.11 Uhr. Die nächste Abfahrtsmöglichkeit besteht um 13.11 Uhr. Sechs Minuten später ist man in der Stadtmitte von Hadamar. Die gesamte Reisezeit beträgt knapp zwei Stunden. Samstags sei die Verbindung noch trostloser, berichtet Schneider. Abfahrt 9.49 Uhr, Umstiegsmöglichkeit und Weiterfahrt um 12.26 Uhr. Sonntags ruht der Busverkehr auf dieser Strecke.

Problem ist dem Bürgermeister bekannt

Das sei schwer zu verstehen, sagt Schneider, zumal doch nach seiner Kenntnis der öffentliche Personennahverkehr angekurbelt werden soll. Ihm komme es dagegen eher so vor, als würden potenzielle Fahrgäste vom öffentlichen Nahverkehr abgekoppelt. Das habe er Bürgermeister Joachim Lehnert (parteilos) vorgetragen. Der lässt durch eine Sprecherin der Verwaltung mitteilen, das Problem sei bekannt, man bemühe sich um eine Lösung und habe sich bereits an die Verkehrsgesellschaft Lahn-Dill-Weil gewandt.

Deren Sprecherin Nadine Pfeifer-Dick von der Mobilitätsberatung empfiehlt auf Anfrage dieser Zeitung, eine Bustour von Elbgrund nach Hadamar über den Zentralen Omnibusbahnhof in Limburg zu unternehmen. Abfahrt 11.23 Uhr, Ankunft eine Stunde später, rund 20 zurückgelegte Kilometer. Ihr Kollege Markus Rinnert, zuständig bei der Verkehrsgesellschaft Lahn-Dill-Weil für die Planung, erklärt zunächst die "Funktionen der einzelnen Linien: Die Linie-15 bietet von Montag bis Samstag schnelle Verbindungen über die B 54 von Rennerod über Langendernbach, Elbgrund, Dorchheim und Oberzeuzheim in die Kreisstadt Limburg." Schließlich sei die Nachfrage nach einer Verbindung in die Kreisstadt groß. Darüber hinaus "hat die Linie LM-15 die Funktion, Schüler- und Schülerinnen an die Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar zu fahren. Nach Hadamar fährt die Linie aber nur zu Schulzeiten. Aktuell sind das morgens zwei Verbindungen nach Hadamar und zum Schulschluss vier von Hadamar nach Elbgrund."

Die Linie LM-13, in die die Eheleute in Oberzeuzheim umsteigen müssen, fährt nicht über Elbgrund. "Diese Linie verbindet die Gemeinde Waldbrunn über Dorchheim, Hadamar und Elz mit der Kreisstadt", sagt Rinnert. "Ein Umstieg in Dorchheim, der die Reisezeit von zwei Stunden deutlich reduzieren würde, ist planerisch nicht realisierbar, weil die Linien LM-13 und LM-15 in Limburg Anschlüsse zu den Zügen nach und von Frankfurt zu beachten haben. Die An- und Abfahrtszeiten der Linien passen in Dorchheim dann leider nicht zusammen. Von Elbgrund nach Hadamar kommt man dann nur über den Umweg Limburg."

Hansjürgen Schneider ist enttäuscht. Zumal auch der Landrat nach eigenem Bekunden da nichts machen könne, berichtet Schneider von einem Telefongespräch mit Michael Köberle (CDU). Der habe zwar "tausend Gründe genannt, warum es nicht geht, aber nicht einen, wie es gehen könnte". Köberles Sprecher Jan Kieserg sagt, der "Nahverkehrsplan befindet sich derzeit in der Tat im Stadium der Fortschreibung, so dass zu Details noch keine Aussage getroffen werden kann". Das Ergebnis der Fortschreibung werde "anschließend in die Politik eingebracht und im Kreistag auf Basis der finanziellen Möglichkeiten verabschiedet, wobei insbesondere der jeweilige Bedarf eine entscheidende Rolle spielt".

Im Nahverkehrsplan gehe es aber "nicht nur um Streckenplanung, sondern auch um neue Mobilitätsformen wie beispielsweise Rufbusse und alternative Antriebstechniken". Daran, dass die Überwindung der rund acht Kilometer langen Strecke von Elbgrund nach Hadamar zwei Stunden dauern kann, ändert das nichts.

Haben Hansjürgen Schneider und seine Frau den Umzug in die infrastrukturelle Entwicklungsregion bereut? Nein, sagt der ältere Herr, "noch können wir mit unserem Auto fahren.

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