npn_Eltbal_Joachim_Lehnert_
+
Gründlich, zuverlässig, ein echter Beamter: So wird Elbtals Bürgermeister Joachim Lehnert von seiner Frau Ute beschrieben. Ohne den Laptop geht heute auch bei der Rathausarbeit fast gar nichts mehr.

Kommunalpolitik

Elbtaler Bürgermeister: "Ich bin in die Aufgaben reingewachsen"

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
    schließen

Joachim Lehnert schaffte es vom Postbeamten zum Rathauschef

Elbtal -Joachim Lehnert ist ein zufriedener Mensch. Er wohnt in einem geräumigen Haus im Dorfkern von Dorchheim, in jenem Haus, in dem schon seine Großeltern lebten, gleich hinter Kirche und nur wenige Gehminuten vom Rathaus, einem seiner Lieblingsplätze, entfernt. Wenn er daran vorbei ein wenig weiter spaziert, ist er in der Natur, in Wald und Feld, mit herrlichen Aussichten in die Landschaft. Auch hier hat er Lieblingsplätze, zu denen er mit seiner Frau wandert - und manchmal auch mit seiner Freundin. Aber dazu später. Jetzt geht erst einmal nur um Joachim Lehnert, der seit sechs Jahren Bürgermeister der rund 2400 Einwohner zählenden Gemeinde Elbtal ist und der dies auch die nächsten sechs Jahre bleiben will. Am Sonntag, 1. November, tritt er als einziger Kandidat zur Wahl in Elbtal an.

Für Lehrgänge war keine Zeit

Dabei war das Bürgermeisteramt zunächst nicht sein Ziel. Der heute 59-Jährige ist gelernter Postbeamter. Bis 1987 stand er zunächst in Limburg, später in und um Frankfurt am Schalter. Dann wurde eine Stelle in der Verwaltung seiner Heimatgemeinde frei. Für Lehnert war das die Gelegenheit, beruflich nach Dorchheim zurückzukommen. Er wurde Büroleiter des Bürgermeisters. "Ich bin in die Aufgaben reingewachsen", sagt er. Für zusätzliche Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, für Inspektorenlehrgänge war keine Zeit, erinnert er sich, weil die Behörde dafür zu klein war. Jeden Tag vertiefte er sich in die Akten. Immer mehr stieg er in die Abläufe der Verwaltung ein, beschäftigte sich mit Vorgängen aus der Vergangenheit, um davon für die Zukunft zu profitieren. Er vermisste nichts. Joachim Lehnert, eingefleischter Junggeselle aus dem Westerwald, kleidete die Wochentage mit Arbeit aus, engagierte sich abends bei der Freiwilligen Feuerwehr im Ort und ging einmal in der Woche mit ein paar Freunden zum Kegeln.

Dann lernte er seine Frau Ute kennen. Sie heirateten, und plötzlich hatte er eine Familie, denn die aus Hattert bei Hachenburg stammende Ute brachte zwei Töchter mit in die Ehe. Natürlich habe sein Leben durch seine Frau eine andere Perspektive erhalten, sagt er. Und natürlich nahm sie an seinem beruflichen Werdegang Anteil. Etwa, als er sich entschied, selbst als Bürgermeister der Gemeinde anzutreten, anstatt einen fremden Kandidaten für den Chefposten im Rathaus anzulernen. Das sei schon ein großer Schritt gewesen, der mit seiner Frau beraten werden musste. Ute Lehnert erzählt denn auch, dass sie viele Abende vor der Wahl darüber gesprochen haben, was wäre, wenn er verlieren würde. Schließlich habe man sich auf alle Möglichkeiten vorbereiten wollen.

Der parteiunabhängige Kandidat Joachim Lehnert gewann. Sein Arbeitsweg verlängerte sich nur um die wenigen Meter vom Schreibtisch des Büroleiters zum Schreibtisch des Bürgermeisters. Seine Arbeitspensum wurde größer. Ute Lehnert sagt, sie sei immer wieder beeindruckt, mit welcher Akribie er Akten, Papiere und Notizen durcharbeite. "Er ist ein echter Beamter: Gründlich, zuverlässig - und abends müde." Die Zeit für Spaziergänge sei ein wenig kürzer geworden, räumt auch Lehnert ein. Aufgegeben hat er die Fußmärsche mit seiner Frau aber nicht. Beim gemeinsamen Spazierengehen lasse er den Tag Revue passieren, erzähle von erfreulichen und weniger erfreulichen Begebenheiten. Seine Frau höre zu, und mit ihr tausche er sich aus.

Und sie ist stets um sein Wohl bemüht: Nach jeder Sitzung mit kontroversen Diskussionen fragt Ute Lehnert ihren Mann: "Habt ihr euch wieder vertragen?" Jeder dürfe mal aus der Haut fahren. Auch ihr Mann, der durchaus aufbrausen könne. Nur muss die Atmosphäre dann wieder gereinigt werden, damit nichts nachgetragen wird. Auch dann nicht, wenn Joachim Lehnert nur mit seiner Freundin unterwegs sein möchte, allein mit ihr durch Wald und Flur streift. Das braucht er, sagt seine Frau Ute. Sie versteht das, dass die Jack-Russel-Hündin Sheila einen festen Platz im Leben ihres Mannes hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare