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Übung macht den Meister ? und die jungen Erst-Helfer.

Grundschule in Dorchheim

Grundschüler werden zu Erst-Helfern ausgebildet

An der Grundschule in Dorchheim entsteht derzeit der erste Schulsanitätsdienst an einer Grundschule in der Region. Einmal in der Woche kommt der Schulkoordinator Peter Mors an die Schule und bringt den Grundschülern Erste Hilfe bei.

Jennifer liegt auf dem Boden. Sie war Inlineskaten, ist am Bordstein hängengeblieben und gestürzt. Sie hat eine Kopfwunde und ihre Hand tut weh. Dieses Szenario erwartet die Helfer Linus, Joanna und Luna, als sie ins Klassenzimmer hineinkommen. Sie verschaffen sich einen Überblick und beginnen, die Gestürzte zu versorgen. Ein Pflaster für die Wunde am Kopf, einen Stützverband für den Arm und dann einen Anruf bei der Leitstelle, um einen Notruf abzusetzen.

Dabei stehen die vier unter der Beobachtung der restlichen Kinder sowie Peter Mors, dem Schulkoordinator des Deutschen Roten Kreuzes Kreisverband Limburg. Seit Anfang des Schuljahres kommt er einmal die Woche für 90 Minuten an die Grundschule Elbtal, um mit den Grundschülern der ersten bis vierten Klasse Erste-Hilfe-Maßnahmen zu üben. 14 Schüler lernen in dieser Zeit theoretisch und praktisch kleine oder größere Wunden zu versorgen, einen Notruf abzusetzen und worauf sie achten müssen. Es ist die erste Grundschule im Landkreis, in der der DRK Kreisverband dies als AG anbietet. Ziel ist es, dass dann die Schüler der dritten und vierten Klassen einen Schulsanitätsdienst absolvieren und im Notfall hinzugerufen werden. „Wir hatten auch schon einen Einsatz in der Schule“, erinnert sich die Viertklässlerin Emma, „das war ein tolles Gefühl, zu helfen.“

Alles außer Sonderfälle

Eine Herausforderung für Mors ist es, in das Gewusel Struktur hereinzubringen. Ein wildes Durcheinander ist zu erleben, und jeder möchte der erste sein. Daher entwickelte er ein Los-System, so dass jeder mal an der Reihe ist. „Die Schüler lernen alles aus der Ersten Hilfe außer Sonderfälle wie Schlaganfall“, erklärt er. Dabei unterrichtet er nach dem Prinzip „Kinder helfen Kindern“. Dies ist ein spielerischer Ansatz des DRK, um den Trieb von Kindern, anderen zu helfen, für die Erste Hilfe zu nutzen. Neben der frühzeitigen Begeisterung von Kindern für die Erste Hilfe entwickelt sich bei den Kindern eine positive Grundeinstellung zum Thema Helfen sowie Eigenverantwortung und Selbstbewusstsein. Trotz dieser positiven Aspekte muss Mors auch zugeben, dass die AG am Nachmittag ein Spagat ist. Die Kinder haben bereits sechs Stunden Unterricht hinter sich und möchten eigentlich rumtoben, sollen sich aber nocheinmal eineinhalb Stunden konzentrieren. Wenn es mal zu laut wird, dann hat er Karten zur Hand, welche um Ruhe bitten und die funktionieren ganz gut.

Es sind schon deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Klassenstufen zu merken. „Die Viertklässler behalten sich mehr und übernehmen bei den praktischen Übungen die Führungsrolle“, so Mors. Aber er findet es auch super, dass sich die Kinder gegenseitig unterstützen und dadurch ein Miteinander in der Gruppe wächst.

Die richtigen Handgriffe

Neben den Fallbeispielen stellt er auch immer wieder Fragen. „Was ist die Gefahr, wenn jemand bewusstlos ist?“ Der kleine Lukas antwortet: „Die Person kann ersticken, und deswegen kommt er in die stabile Seitenlage.“ Warum jemand ersticken kann bei Bewusstlosigkeit, fragt Mors weiter. „Im Liegen läuft Magensäure den Hals hoch und kann in die Lunge laufen und zum Ersticken führen“, so Emma. Und dann möchten die Großen gerne noch zeigen, wie ein Kopfverband angelegt wird. Bereitwillig stellt sich Jolina für einen Kopfverband zur Verfügung.

von HEIKE LACHNIT

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