Bürgermeister Joachim Lehnert an seinem Arbeitsplatz. Da darf natürlich auch das Elbtaler Wappen nicht fehlen.
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Bürgermeister Joachim Lehnert an seinem Arbeitsplatz. Da darf natürlich auch das Elbtaler Wappen nicht fehlen.

Interview mit einzigem Kandidaten

Unaufgeregt auf Erfolgskurs

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Der Elbtaler Bürgermeister Joachim Lehnert hat sich für die nächste Amtszeit einiges vorgenommen.

Elbtal -Bürgermeister Joachim Lehnert (parteilos) wird am 1. November ohne Gegenkandidaten zur Bürgermeisterwahl in Elbtal antreten. Im Gespräch mit unserer Redakteurin Anken Bohnhorst blickt er zurück und voraus.

In wenigen Wochen wählen die Elbtaler einen Bürgermeister für die nächsten sechs Jahre. Sie sind Amtsinhaber und der einzige Kandidat. Spannend wird es da eher nicht werden, oder?

Spannend wird die Wahlbeteiligung, weil sie sicher auch ein wenig über die Zufriedenheit mit meiner Arbeit aussagt und mir auch weiterhin den Rücken stärken wird. Wenn die Hälfte der Wahlberechtigten Elbtaler - das sind etwa 1000 Männer und Frauen - zur Wahl gehen oder mittels Briefwahl ihre Stimme abgeben und dann für mich stimmen würden, dann bedeutet das schon, dass ich meine Sache recht gut gemacht habe. Und dass es keinen Gegenkandidaten der Parteien gibt, zeigt doch, dass auch die Arbeit in den Gremien, im Gemeindevorstand und in der Gemeindevertretung, gut läuft.

Jedenfalls ohne vernehmbare Dissonanzen. . .

. . . was sicher auch daran liegt, dass ich keiner Partei angehöre, und als parteiloser Bürgermeister sind die Wege zu den Fraktionen immer kürzer, als wenn man parteipolitisch gebunden ist. Übrigens hat Elbtal seit vielen Jahren parteilose Bürgermeister. Ich setze somit die Tradition meines Amtsvorgängers fort. . .

Blicken wir nicht ganz so weit zurück. Was sind die Errungenschaften Ihrer Amtszeit, die Sie den Bürgern darstellen wollen?

Das kann man unter dem Begriff "verbesserte Infrastruktur" zusammenfassen. Dazu zählen Angebote für junge Familien: Wir gehören zu den wenigen Gemeinden, die für alle Ü3-Kinder eine kostenlose Kinderbetreuung anbieten, und wir überlegen, in naher Zukunft eine Kinderkrippe für die Kleinsten einzurichten, da auch in Elbtal Bedarf besteht. Wichtig für die Kinder und deren Eltern ist auch, dass wir die Spielplätze in den Ortsteilen besser ausgestattet haben. In Elbgrund werden dafür im Rahmen der Dorfentwicklung 80 000 Euro investiert. Auch Hangenmeilingen soll noch dieses Jahr einen neuen Spielplatz bekommen.

Fehlen nur noch die jungen Familien, die nach Elbtal ziehen müssen.

Tatsächlich liegt die Zahl der Bewohner in der Gemeinde seit Jahren stabil bei etwa 2400. Neubaugebiete sind in der Vergangenheit nicht erschlossen worden, weil wir 2012 in das Hessische Dorfentwicklungsprogramm aufgenommen wurden. Danach dürfen erst ab dem Jahr 2022 neue Baugebiete erschlossen werden, die wir aber jetzt bereits planen. Außerdem gibt es die Grundstücksflächen in Heuchelheim, die nicht in dem Dorfentwicklungsprogramm enthalten sind. Die Erschließung dieses Gebiets würde rund 1,4 Millionen Euro kosten. Das ist eine Stange Geld, aber ich bin überzeugt, dass wir das als Gemeinde stemmen und dann elf Bauplätze anbieten könnten. Natürlich zu einem angemessenen Quadratmeterpreis. . .

. . .der in Heuchelheim wo liegt?

Wenn Sie die Lage des Ortsteils bedenken, dass Sie nämlich von Heuchelheim in wenigen Minuten auf der B 54 und von dort sehr schnell auf der Autobahn oder am ICE-Bahnhof sind, halte ich einen Preis von etwa 100 Euro pro Quadratmeter für angemessen. In meinen Augen jedoch liegt der entscheidende Gewinn darin, junge Paare und Familien zu halten oder dass auswärtige junge Paare und Familien zuziehen. Aber auch hier möchte ich noch einmal auf die sicher sehr gute Infrastruktur der Gemeinde zurückkommen: Wir haben in Elbtal vier Ärzte, die demnächst in einer neuen Praxis arbeiten. Wir haben einen sehr großen Supermarkt, und wir haben schnelles Internet. Das ist wichtig, ganz gleich, wie schnell das Arbeiten im Home Office zur gelebten Praxis werden wird.

Wie ist die wirtschaftliche Situation der Gemeinde?

Wir sind gut aufgestellt und haushalten mit vernünftiger Sparsamkeit. Auch langfristig betrachtet, denn um auf lange Sicht Kosten zu sparen und damit gleichzeitig einen Beitrag für die Umwelt zu leisten, haben wir beispielsweise die Straßenbeleuchtung auf LED-Technik umgestellt und dafür 170 000 Euro ausgegeben. Außerdem haben wir neue Heizungsanlagen im Kindergarten, im Rathaus und im Dorfgemeinschaftshaus von Heuchelheim installieren lassen. Unterm Strich: Unser Haushalt hat ein Volumen von sieben Millionen Euro mit einem ursprünglich geplanten Überschuss von 415 000 Euro - um für schwierige Zeiten einen Puffer zu haben.

Die sind jetzt da. Oder hat die Corona-Pandemie Elbtal nicht in den Abgrund gestürzt?

Nein. Ein Defizit müssen wir nicht ausweisen. Aber natürlich wird der Überschuss schrumpfen. Ebenso wie die Einkommensteueranteile und die Gewerbesteuer, zu deren Ausgleich wir vom Land 75 000 Euro bekommen. Dass der Rückgang der Gewerbesteuer für uns glimpflich abgeht, liegt an der Struktur in Elbtal: Wir haben hier sehr viele Handwerksbetriebe, und die haben unter Corona weniger gelitten.

Elbtal steht also gut da. Was kann noch besser werden?

Wir haben einige Projekte. Zum Beispiel ein Rad- und Fußwegekonzept, das die Ortsteile besser miteinander und mit den umliegenden Kommunen verbinden soll, etwa Elbgrund mit Frickhofen oder Hangenmeilingen mit Oberzeuzheim. Dann haben wir das große Thema Straßenbau und -sanierung. Dort wird künftig für alle Ortsteile die Satzung für wiederkehrende Straßenbeiträge gelten beziehungsweise beim Erstausbau die direkte Umlage auf die Anwohner, die dann allerdings für 25 Jahre von wiederkehrenden Beiträgen befreit sind.

Ebenfalls befassen müssen wir uns in den nächsten Jahren mit der Sanierung von Kanälen, die zum Teil über 60 Jahre alt sind. Und in Heuchelheim beispielsweise mit einer neuen Versorgungsalternative für Wasser, weil der Hochbehälter dort ebenfalls in die Jahre gekommen ist. Das Volumen dieses Behälters haben wir bereits in die neue Trinkwasserversorgungsanlage in Dorchheim mit einem Volumen von 800 Kubikmetern mit einkalkuliert. Das war eine Investition von 1,3 Millionen Euro.

Aber noch einmal: Wir haben in den vergangenen Jahren mit vernünftigem Augenmaß gewirtschaftet und werden das auch künftig tun.

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