In der unteren Büroetage des Bus-Unternehmens Schuy sind sieben der zehn der Mitarbeiter zu sehen, die für das Gesundheitsamt arbeiten.
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In der unteren Büroetage des Bus-Unternehmens Schuy sind sieben der zehn der Mitarbeiter zu sehen, die für das Gesundheitsamt arbeiten.

Unterstützung fürs Gesundheitsamt

Bus-Unternehmen hilft bei der Kontakt-Nachverfolgung

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Der Elzer Unternehmer Marco Schuy hat sich eine neue Mobilitätsstrategie überlegt: Seine Mitarbeiter verfolgen jetzt jene Routen, auf denen sich das Coronavirus von Infizierten zu deren Kontaktpersonen bewegt.

Elz -Eigentlich wäre die Reisebusflotte von Marco Schuy jetzt überall in Europa unterwegs. Mit Naturfreunden am Polarkreis, mit Städtereisenden in den Metropolen des Kontinents, und die Musikbegeisterten würden seine Fahrer zu Musicaltheatern im In- und Ausland bringen. Eigentlich. Nur ist seit knapp einem Jahr alles anders. Auch für die Busreisen von Marco Schuy, deren Fahrtrouten seit Monaten ausgesetzt sind. Von elf Bussen sind acht derzeit abgemeldet; die übrigen sind für den Profisport unterwegs.

Die Kapazitäten und die rund 60 Mitarbeiter des Unternehmens sind jedoch geblieben, sagt Schuy. Deshalb entschied der 52-jährige Firmeninhaber im Spätherbst nach einem Rundgang durch die leeren Büroräume, eine neue, nie dagewesene Tour zu starten. "Wir haben uns beim Gesundheitsamt des Landkreises beworben, um bei der Bewältigung der Corona-Krise mitzuhelfen." Anfang November meldete Schuy sich mit seiner Mannschaft beim Gesundheitsamt. Das prüfte die Räumlichkeiten in Elz, testete die Bewerber und sagte kurzfristig zu. "Über das Angebot haben wir uns sehr gefreut", sagt Jan Kieserg, Sprecher des Kreises. Die Firma von Marco Schuy sei das einzige Unternehmen aus der Region, das seinen Geschäftsbetrieb derart umgestellt habe und dem Gesundheitsamt zuarbeitet. Zehn von etwa 60 Schuy-Mitarbeiter machen bei dieser neuen Aufgabenstellung mit. Von 8 bis 18 Uhr an sechs Tagen in der Woche. Auch an den Weihnachtstagen und am Jahreswechsel. Alle Kollegen verfügen über PC-Kenntnisse, alle haben Erfahrung im Umgang mit sensiblen Daten, und alle wurden vom Gesundheitsamt geschult. Ihre Aufgabe besteht darin, die Kontakte von Corona-Infizierten nachzuverfolgen. Die Listen der Kontaktpersonen liefert das Gesundheitsamt. Sämtliche Namen darauf müssen angerufen werden. In diesem Gespräch werde dann eruiert, wie das Treffen mit dem Corona-Patienten abgelaufen sei, sagt der Firmenchef. Stand man dicht beieinander, traf man sich im geschlossenen Raum oder im Freien, wurden die Hygieneregeln eingehalten, der Mund-Nasen-Schutz getragen? Daraus lasse sich etwa ableiten, ob sich der Angerufene in Quarantäne begeben müsse. Leichtfertig erfolge keine dieser Beurteilungen, betont Schuy. "Kein Fall ist wie der andere." Allerdings sei eine Mitarbeiterin der Behörde im Haus und stehe als ständiger Ansprechpartner zur Verfügung.

Die eigentliche Arbeit seines Unternehmens laufe im Augenblick noch auf Sparflamme, sagt der Busunternehmer. Erst allmählich erwache bei den Kunden wieder die Lust, Kurztrips und Urlaube zu buchen. Und bis dahin werde seine Firma bei der Kontakt-Nachverfolgung von Corona-Infizierten gegen eine Aufwandsentschädigung mithelfen, sagt Marco Schuy.

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