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Andreas Schenk, Postbote in Elz, bei der Paketzustellung. Deren Zahl sei derzeit ähnlich hoch wie im Weihnachtsgeschäft. foto: petra hackert

Helden der Krise

Corona in Elz: Die Post kommt trotz allem zuverlässig

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Zurzeit werden in Elz viel mehr Pakete ausgeliefert als gewöhnlich - ähnlich dem Vorweihnachtsgeschäft, sagt Postbote Andreas Schenk. Und noch etwas ist anders.

Elz - Andreas Schenk arbeitet seit 37 Jahren bei der Post, und das gerne. Seit 17 Jahren betreut er seinen Zustellbezirk in Elz. Da es sein Heimatort ist, kennt "der Enkel vom Pitter Karl" von Natur aus viele Menschen. Als Postbote ohnehin. Durch Corona ist noch etwas hinzugekommen: Die Leute sind häufiger daheim. So taucht auf sein Klingeln an der Tür nun das ein oder andere Gesicht auf, dem er normalerweise nicht begegnet.

Die Familie im Home Office, Kinder, die sonst in der Schule wären - auch die gehören jetzt zu den regelmäßigen Kunden, die der 52-Jährige plötzlich sieht. Er arbeitet selbst im Ausnahmezustand unter veränderten Bedingungen.

Distanz ist besonders wichtig

Hygiene und Abstand sind das A und O. Dazu gehört zum Beispiel, dass nicht mehr alle mit dem gleichen Stift unterschreiben, wenn er ein Paket zustellt. "Ich klingele, lege es vor die Tür. Am Anfang haben noch viele gefragt, ob sie nicht unterschreiben müssen. Jetzt sagen schon manche durch die Gegensprechanlage oder rufen aus dem Fenster, dass ich es hinstellen soll." Wie wichtig Distanz ist, hat sich herumgesprochen. Wenn auch immer noch das ein oder andere Kind zur Tür rennt, wenn der Postbote kommt. "Dann höre ich oft aus dem Hintergrund: ,Bleib hier, du musst doch Abstand halten.'"

Bei der täglichen Arbeit ist das so, und die beginnt nicht erst, wenn er mit dem Postauto, bepackt mit Paketen und Briefen, losfahren kann. Zuerst ist Sortieren im Verteilzentrum in Limburg angesagt. Dafür braucht er jeden Tag etwa zwei bis zweieinhalb Stunden, bevor er sich auf den Weg macht. In dieser Routine hat sich eines geändert: Nur noch die Hälfte des Teams beginnt zur gewohnten Zeit, um 7 Uhr. Die andere Hälfte der Mitarbeiter startet erst um 10 Uhr. Das ist nötig, um auch im Betrieb Distanz halten zu können.

"Das führt dazu, dass die Post manchmal auch später kommt, je nachdem, wie die Schicht liegt", erklärt Schenk. Danach haben schon viele gefragt. Die Leute wissen, wann "die Post" normalerweise kommt, erwarten sie regelmäßig fast zur gleichen Uhrzeit. Das hat sich durch die zweite Schicht jetzt etwas geändert. Dafür sieht man Postboten noch abends um 19 Uhr durch die Straßen gehen, Pakete und Briefe zustellen.

Im Sommer könnte das härter werden, weiß Andreas Schenk. Denn: Noch ist das Wetter gut. Doch später anfangen bedeutet auch, bei großer Hitze mitten hinein in die Höchsttemperaturen zu geraten. Wie es dann in Sachen Kontaktsperre aussieht und ob die jetzige die Schichteinteilung so bleibt, ist derzeit offen.

Andreas Schenk hat jetzt etwa 80, manchmal 90 Pakete am Tag auszuliefern, zuzüglich der Briefpost. In normalen Zeiten wären es circa 60 Pakete. Eine Kollegin hatte kürzlich in Limburg den Spitzenreiter von 139 Paketen an einem Tag. Das alles zu bewältigen, ist harte Arbeit.

Kunden sind netter und aufmerksamer

Viele kennen den 52-Jährigen in Elz nicht nur, aber auch durch seine Arbeit. Die laufe zumeist reibungslos. Probleme, die es immer wieder einmal gibt, könne er nach 17 Jahren Routine im gleichen Bezirk meist durch ein Gespräch klären. Noch eines habe sich durch Corona geändert, erzählt Andreas Schenk: Die Leute seien netter, aufmerksamer geworden. "An manchem Briefkasten klebt jetzt auch schon ein Schild mit der Aufschrift ,Danke, dass Sie noch kommen.'"

Die Leute wüssten zu schätzen, dass die Post zuverlässig da ist. Ein Stück Normalität in der Corona-Zeit. Das bestätigt Post-Sprecher Heinz-Jürgen Thomeczek. Das gute Klima zeige sich auch daran: "Der Krankenstand bei uns in der Postzustellung ist extrem niedrig." Und: "Die Zusteller genießen im Moment ein ganz anderes Ansehen."

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