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Denkanstöße für eine Bürgerstiftung

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Von: Robin Klöppel

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Dieter Bock, Dr. Marie-Luise Stoll-Steffan und Moderatorin Sonja Peichl (von links) informierten über die Vorteile einer Bürgerstiftung für Elz.
Dieter Bock, Dr. Marie-Luise Stoll-Steffan und Moderatorin Sonja Peichl (von links) informierten über die Vorteile einer Bürgerstiftung für Elz. © Robin Klöppel

Fachleute informieren über die Chancen, die sich mit einem solchen Projekt bieten

Welche Vorteile hätte es für die Gemeinde, in Elz eine Bürgerstiftung zu gründen? Um diese Frage ging es in einer gut besuchten Infoveranstaltung des CDU-Gemeindeverbandes am Dienstagabend im Bürgerhaus. Die Initiative kam von Gemeindevertreterin Sonja Peichl, die selbst Geschäftsführerin der Caritas-Gemeinschaftsstiftung im Bistum Limburg ist und auch als Moderatorin durch die zweieinhalb Stunden führte. Dr. Marie-Luise Stoll-Steffan, Leiterin Arbeitskreis Bürgerstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und 2. Vorsitzende der Bürgerstiftung Wiesbaden, sowie Dieter Bock, Initiator der Bürgerstiftung Homberg (Ohm), berichteten dort über ihre Erfahrungen.

CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Jürgen Wilhelm meinte am Ende der Veranstaltung: "Ich kann mir gut vorstellen, dass das heute Angestoßene in Elz auch umgesetzt wird." Hans-Georg Schmidt hatte zuvor gefragt, ob eine Bürgerstiftung in Elz nicht überflüssig sei, weil es in allen Interessenbereichen bereits ein reges Vereinsleben gebe, in das sich die Bürger einbringen könnten. Sonja Peichl erwiderte, dass Stiftungen im Vergleich zu Vereinen besser an Erbschaften kommen könnten. Und Vereine müssten eingenommenes Geld im Gegensatz zu Stiftungen zeitnah für den Vereinszweck verbrauchen.

Peichl betonte auch, dass Vereine von der Bürgerstiftung durch gemeinschaftliche Projekte selbst profitieren könnten. Sonja Peichls persönliche Meinung zum Thema Bürgerstiftung: "Man kann sich für seine Gemeinde eigentlich nichts Besseres wünschen." Der gesellschaftliche Wandel werde auch vor Elz mit all seinen Herausforderungen nicht haltmachen, denkt Peichl. Und Bürgerstiftungen könnten viele wichtige Projekte, beispielsweise zur Unterstützung von Senioren aber auch in anderen Themenfeldern, starten und umsetzen. Stoll-Steffan erklärte, Bürgerstiftungen seien immer Mitmachstiftungen. Alle Bürger seien eingeladen, sich daran zu beteiligen. Das könne durch die Einbringung von Stiftungskapital sein, aber auch ohne finanziellen Einsatz durch ehrenamtliche Mitarbeit bei der Umsetzung von Projekten oder der Öffentlichkeitsarbeit für die Stiftung.

Laut dem Gast aus Wiesbaden ist Deutschland das "Land der Bürgerstiftungen". Seit 25 Jahren gebe es hier mittlerweile Bürgerstiftungen. 420 sind erfasst, die alle Kriterien einer Bürgerstiftung erfüllen - mit insgesamt 503 Millionen Euro Stiftungskapital. Die Leiterin des Arbeitskreises Bürgerstiftungen berichtete, dass es einen regen Austausch unter den Stiftungen gebe. Ideen, die Elzer Bürger hätten, seien vielleicht auch für andere Kommunen interessant.

Stoll-Steffan meinte, dass die Bürgerstiftungen am Ende aber auch Bürgerstiftungen bleiben sollten und zumindest im Vorstand dann nicht dieselben Leute wie in der Gemeindevertretung oder der Bürgermeister sitzen sollten.

Sie erläuterte, eine Bürgerstiftung könne eigene Projekte planen und umsetzen, aber auch Kooperationsprojekte mit anderen starten. Jeder Bürger könne der Stiftung zustiften und spenden und auch bestimmen, dass seine Mittel nur für einen bestimmten Themenbereich oder ein bestimmtes Projekt gespendet werden dürften. Es gehe darum, etwas für die eigene Gemeinde zu tun, gemeinsam mit anderen Ideen umzusetzen. Networking sei dabei wichtig, denn wenn man viele Leute gut kenne, bekomme man von anderen eher Unterstützung.

Keine Konkurrenz

für Vereine

Stoll-Steffan sagte, dass es durchaus auch Vereine gebe, die eine Stiftung im ersten Moment als Konkurrent um Spenden ansehen würden. Vereine, die selbst auch Stifter werden könnten, profitierten aber davon, weil sie ihre Projekte mit Hilfe der Stiftung größer machen könnten.

Die Fachfrau sagte, dass man nach aktuellen Bestimmungen mindestens 50 000 Euro als Stiftungskapital benötige. Zudem sei gute PR nötig, um die Stiftung bekannt zu machen. So haben die Aktiven in Wiesbaden eine Bürgerlotterie gestartet, um sich schnell bekannt zu machen. Die Bürgerstiftung müsse selbst ihre Tätigkeitsfelder bestimmen. In Wiesbaden seien es beispielsweise Jugend- und Seniorenarbeit, Brauchtum und Umwelt.

Dieter Bock meinte, man müsse sehen, dass man deutlich mehr als die 50 000 Euro zusammenbekomme, denn von zwei Prozent Rendite könne man sonst nicht mal die Briefmarken bezahlen. In Homberg, einer Kommune vergleichbarer Größe wie Elz, hätten sie Glück gehabt und gleich am Anfang eine Erbschaft in Höhe von einer halben Million Euro eingenommen.

Bock betonte, dass viel Fleiß zur Gründung einer Stiftung gehöre. Er und seine Frau seien anfangs Einzelkämpfer gewesen und hätten ihren kompletten Bekanntenkreis von mehreren hundert Personen auf der Suche nach Unterstützern abgeklappert. Man müsse dabei auch Frust ertragen lernen, da eben am Ende längst nicht alle Personen mitmachten, von denen man es am Anfang gedacht habe. Immerhin hatten die Bocks aber bis zur Stiftungsgründung Ende August 14 Stifter zusammen. Bock riet den Elzern, für die Stiftung nicht zu viele Ziele festzulegen, weil man sich sonst verzettele. Es sei aber auch kontraproduktiv, Ziele zu eng zu stecken, weil man sonst möglicherweise manch spannendes Projekt dann am Ende nicht fördern könne. Stoll-Steffan riet den Elzern, die Projekte sollten mit der Kommune zu tun haben.

Robin klöppel

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