Laptop, Computerbildschirm und immer wieder das Telefon: Der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser arbeitet in Zeiten der Corona-Pandemie viel mehr von seinem Schreibtisch aus. Dabei heißt es oft so viel telefonieren, dass ihm davon abends das Ohr wehtut.
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Laptop, Computerbildschirm und immer wieder das Telefon: Der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser arbeitet in Zeiten der Corona-Pandemie viel mehr von seinem Schreibtisch aus. Dabei heißt es oft so viel telefonieren, dass ihm davon abends das Ohr wehtut.

Alltag eines Bürgermeisters

Der lange Arbeitstag des Rathauschefs

  • vonMariam Nasiripour
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Wir haben dem Elzer Bürgermeister Horst Kaiser (CDU) einen Tag lang über die Schulter geschaut.

Elz -Der Arbeitstag von Bürgermeister Horst Kaiser, dem Rathauschef der Gemeinde Elz, beginnt um 8 Uhr. "Ich bin dann in der Regel bis 18 Uhr im Büro, danach geht es zum Abendessen nach Hause", erzählt der 64-Jährige. Anschließend habe er noch Abendtermine. Denn Kaiser ist Mitglied in verschiedenen Gremien und war früher somit fast jeden Tag zu Sitzungen unterwegs. Jetzt finden diese Termine meist per Videokonferenz statt.

Die wenigen Termine sind auch der Grund dafür, dass Horst Kaiser aktuell fast immer zu Fuß den Weg zur Arbeit zurücklegt. Er wohnt nämlich im Elzer Ortskern und hat es nicht sehr weit bis zu seinem Arbeitsplatz im Rathaus der Westerwald-Gemeinde.

Zwar hat die Corona-Pandemie das Leben in fast allen Bereichen lahmgelegt. Die politischen Geschäfte müssen dennoch erledigt werden. Und wenn sich die Gesprächspartner wegen der Kontaktbeschränkungen nicht persönlich treffen können, dann wird eben am Telefon oder per Videokonferenz diskutiert und sich ausgetauscht.

Telefonate ersetzen

persönliche Termine

Im Moment führe er, so Kaiser, so viele Telefonate, dass ihm abends "das Ohr wehtut". Deswegen habe er sich auch ein Headset bestellt. "Manchmal lege ich den Hörer zur Seite und schalte den Lautsprecher des Telefons ein", sagt er. Auch wenn aktuell keine kulturellen Veranstaltungen, wie Konzerte, Kirchweihfeste oder Vereinsveranstaltungen, stattfinden, genügend Termine hat der Elzer Bürgermeister trotzdem.

Einen Telefontermin an diesem Tag hatte er mit der Elzer Wirtschaftsförderung zum Thema Teilüberbauung des Erbachs. Um 16 Uhr stand ein Telefonat mit den Investoren des "Gemini-Plaza" in Limburg an. Dabei geht es um die möglichen negativen Auswirkungen des Projekts auf die Verkehrslage und den Einzelhandel in Elz.

Beim einem Telefonat mit der Montabaurer Niederlassung der Autobahn GmbH hat Horst Kaiser zudem über das Bauvorhaben Tank- und Rastanlage auf dem Elzer Berg an der A 3 gesprochen. Er hofft, dass das Bauprojekt jetzt nach der Autobahn-Reform (die Zuständigkeit liegt nun vollständig beim Bund) endlich realisiert werden kann.

Der Bürgermeister betont, dass sich die Zahl seiner Termine durch Corona nicht wesentlich verringert hätte, sondern nur verlagert auf Videokonferenzen und Telefonate. Das heiße aber nicht, dass er überhaupt keine persönlichen Termine mehr wahrnehme. So nahm er in der vergangenen Woche an der Trauerfeier für einen ehemaligen Gemeindevertreter teil. Das sei ihm ein Anliegen und wichtig, so der Bürgermeister.

Aber auch der Besuch von Geburtstags- oder Hochzeitsjubilaren werde, wenn irgend möglich, persönlich und mit Abstand an der Haustür absolviert. Allerdings nur, wenn der Jubilar nichts dagegen hat. "Es gibt auch Menschen, die nicht mehr mobil sind und nicht zur Haustür kommen können. Ihnen schicken wir ein Schreiben mit ein paar netten Worten und einer kleinen Aufmerksamkeit zu", erzählt Horst Kaiser. Ihm sei es besonders wichtig, zu zeigen, dass die älteren Bürger nicht vergessen werden und man an sie denkt.

Ein weiterer Unterschied zu der Zeit vor Corona sind seine freien Wochenenden. War er dann früher oft und viel unterwegs, kann er momentan seine Samstage und Sonntage frei planen. Die könnte er eigentlich mit seiner Frau verbringen, doch ist sie es nun, die am Wochenende beschäftigt ist. "Sie betreut zwei Religionsklassen an zwei Schulen und muss am Wochenende immer den Unterricht der kommenden Woche vorbereiten", erzählt er. So geht Horst Kaiser samstags mit einem Freund in der Region wandern. "Ich bewege mich gerne viel in der freien Natur", sagt der Bürgermeister.

Ein fester Termin in seinem Kalender ist der Donnerstagabend. Der gehört seiner Frau. "Das war vor Corona so und das wird auch so bleiben", betont der Bürgermeister. Vor der Krise war auch der Mittwochabend privat fest verplant. "Meine Frau und ich haben jeden Mittwoch mit einem befreundeten Pärchen Tennis gespielt. Das geht jetzt nicht", fügt er hinzu.

Videokonferenz

zur Corona-Lage

Ein neuer fester Termin, der sich in der aktuellen Corona-Pandemie etabliert habe, sei die Videokonferenz zur aktuellen Corona-Lage mit Landrat Michael Köberle (CDU) und den anderen Bürgermeistern des Landkreises Limburg-Weilburg. Dieser finde freitags wöchentlich oder alle zwei Wochen statt.

Im Moment gibt es in Elz mehrere Baustellen, deren Begutachtung er sich mit dem Leiter des Bauamtes teilt. "Er kann nicht überall sein, deswegen helfe ich ihm und schaue bei einigen Baustellen nach dem Rechten", sagt Kaiser.

Ganz besonders vermisst der Elzer den Kontakt zu den Menschen. Das persönliche Miteinander sei eine wichtige Komponente seines Berufs. In vielen Fällen bilde der persönliche Austausch in einer Phase des Kennenlernens die Basis für einen Vertrauensaufbau. "Da kommen wir wieder hin", ist sich Horst Kaiser sicher. Die Pandemie habe ihn aber auch gelehrt, dass nicht jede kleine Absprache das persönliche Erscheinen erfordert. Vieles könne auch digital oder mit einem Telefonat erledigt werden.

Rechte und Pflichten

des Bürgermeisters

Die Rechte und Pflichten des Bürgermeisters sind in der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) festgelegt. So hat der Bürgermeister die Entscheidungsbefugnis in Pattsituationen. Bei Stimmengleichheit im Gemeindevorstand gibt dessen Stimme den Ausschlag. Des Weiteren hat der Bürgermeister das uneingeschränkte Recht, die Geschäfte des Gemeindevorstandes nach Ermessen unter den Mitgliedern des Gemeindevorstandes zu verteilen und sich selbst (als Mitglied des Gemeindevorstandes) einen Teil der Geschäfte zuzuordnen. Gleichzeitig hat er das Widerspruchsrecht gegen gemeinwohlgefährdende Beschlüsse der Gemeindevertretung, ebenso die Widerspruchspflicht gegen rechtsverletzende Beschlüsse der Gemeindevertretung. Der Bürgermeister hat auch das Recht, gemeinwohlgefährdende Beschlüsse der Gemeindevertretung zu beanstanden. Er hat die Leitung des Gemeindevorstandes und kann diesen einberufen, ebenso darf er dessen Tagesordnung festsetzen.

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