Heute ist Johannistag. Die Elzer feiern ihren Kirchen- und Schutzpatron vor dem Gotteshaus.
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Heute ist Johannistag. Die Elzer feiern ihren Kirchen- und Schutzpatron vor dem Gotteshaus.

Früher ein Feiertag

Der"Gehansdoch" ist ihnen heilig

Der Elzer Kirchenpatron wird am Donnerstag gefeiert

Elz -Am Donnerstag ist endlich wieder Feiertag im Dorf. Zwar müssen die Elzer trotzdem arbeiten - dennoch hat sich gerade bei der älteren Generation das Bewusstsein für diesen 24. Juni erhalten. Sie haben nach wie vor eine besondere und liebevolle Beziehung zu ihrem Kirchenpatron, Johannes dem Täufer, dessen Geburtstag man heute als "Gehansdoch", wie es auf Elzerisch heißt, feiert. Johannes war ein jüdischer Asket und Bußprediger, der Jesus von Nazareth selbst im Jordan getauft haben soll. Er ist einer der bedeutendsten Heiligen der orthodoxen, der katholischen und auch der evangelischen Kirchen und gilt als letzter und größter der Propheten und als Wegbereiter für Jesus.

Extra-Urlaub

und schulfrei

Wie wichtig der Tag war, sieht man unter anderem an den früheren Elzer Traditionen: Viele Bürger nahmen damals Extra-Urlaub. Die Grundschüler hatten frei, die Gymnasiasten blieben auch schon mal ohne ausdrückliche Erlaubnis zu Hause. An den Häusern wehten die Fahnen. Verwandte und Bekannte aus der Umgebung waren zu Gast.

Heute wird sich bescheidener an den Heiligen erinnert. Einen Festgottesdienst zu seinem Ehrentag gibt es aber immer noch. Da die Johanneskapelle zum einen noch renoviert und der Platz davor als Baulager genutzt wird, findet die Messe heute auf dem Rathausplatz statt. Ausgerüstet mit großzügig gestellten Bierbänken und Stühlen, darf zu Ehren des Johannes sogar gesungen werden. Beginn ist um 19 Uhr. Das Johannisfeuer, das die Kirmesburschen seit einigen Jahren auf Anregung des Geschichtsvereins zur Tradition gemacht haben, fällt leider aus.

Pfarrer Steffen Hennrich hat zur Feier des Tages Weihbischof Thomas Löhr eingeladen. Auch die Elzer Musikanten gestalten das Festamt mit. Der Pfarrer setzt auf die Hilfe des Heiligen und hofft, dass es nicht regnet. Sonst müssen alle in die Pfarrkirche umziehen. Leider ohne die Musikanten.

Übers ganze Jahr ist der Kirchenpatron präsent. In seiner Pfarrkirche ist er gleich zweimal zu sehen und empfängt die Besucher am Altar und an der rechten Seitenwand. Der Täufer ist Patron der Haustiere, vor allem der Schafe und Schutzherr der Musiker. Das passt - denn die Elzer Musikanten, die auf Reisen waren, konnten den Segen ihres Kirchenpatrons sicher überall gebrauchen.

Wunderquelle

bei der Kapelle

Auch die ehemalige Wunderquelle, hinter der Johanneskapelle (Ortsausgang Elz nach Niederhadamar) ist dem Elzer Patron gewidmet. Der vier Meter tiefe Brunnen ist mit einer Grotte aus Naturstein umbaut. Die Quelle ist 1630, mitten im 30-jährigen Krieg, entsprungen. Jesuitenpater Theodor Schmal berichtet, bei einer Feldprozession zu dieser Stelle, wo auch ein Altar stand, habe ein Jesuitenpater das Allerheiligste mitgeführt. Über Nacht floss plötzlich Wasser. Nachdem sich eine Magd hier die Augen gewaschen habe, sei eine Entzündung sofort abgeklungen. Danach hat sich der heilbringende Ruf des Johannes-Quellwassers bis ins Ausland verbreitet, bis die Quelle schließlich versiegte.

Nicht nur für die Elzer ist der Johannistag wichtig. Die Spargelsaison und die Rhabarber-Ernte enden dann. Mit der Sommersonnenwende und dem Johannistag (Ende der Schafskälte) wird die Erntesaison für die Bauern eingeläutet. Zu diesem Zeitpunkt blüht auch das beruhigende Johanniskraut. Die Johannisbeere erreicht ihre Erntereife und die Johanniskäfer, auch Glühwürmchen genannt, schwärmen aus.

Auch wenn die Traditionen sich verändert haben - vergessen haben die Elzer ihren Schutzpatron nicht. Stand gestern feiern immerhin heute, wie Marvin Fuß, Leiter des Elzer Einwohnermeldeamts, für uns herausfand, 49 Elzer Namenstag.

Johanneskapelle: Renovierung auf

vielen Schultern verteilt

Der Elzer Geschichts- und Museumsverein hat die Corona-Zeit genutzt, um die Johanneskapelle umfangreich zu renovieren. Hierzu hat sich der Verein beim LEADER-Programm der Wirtschaftsförderung Limburg-Weilburg beworben. Die Förderung in Höhe von 20 000 Euro wurde für die Erneuerung des Fußbodens verwandt. Dazu wurde nach dem Aushub des Fußbodens die Auskofferung für das Isoliermaterial und den späteren Einbau des Estrichs sowie die Verlegung der handgefertigten historischen Keramikplatten in Angriff genommen. Die Geschichte der Elzer Johanneskapelle ist von einem starken Mäzenatentum geprägt. Dies beweist schon der Neubau der Kapelle vor 130 Jahren mit einer Spende von 6000 Goldmark durch die Elzer Familie Johann.

Geschichtsvereins-Vorsitzender Josef Schmitt und der Vorstand zeigten sich stark berührt von der Tatsache, dass ein spontaner Aufruf bei den Mitgliedern über 10 000 Euro an Spenden ergaben. Zusammen mit der finanziellen Förderung durch den Verein in Höhe von 7000 Euro sowie die Wirtschaftsförderung in Höhe von 20 000 Euro ergibt dies ein Investitionsvolumen von 37 000 Euro für die Elzer Johanneskapelle, die der Gemeinde gehört.

Die ganze Renovierung konnte nur gestemmt werden, weil durch die tatkräftige ehrenamtliche Hilfe von Elzer Handwerkern die hohen Investitionskosten geschultert wurden. Restaurator und Ehrenmitglied Josef Weimer leitete die Renovierung. Die kompletten Verlegearbeiten des historischen Fußbodens übernahm Richard Schenk, der als gelernter Steinmetz auch die Aufpolierung des Altars aus rotem Unica-Marmor übernahm. Die Innenmalerei der Kapelle übernahm der Elzer Malermeister Uwe Müller, der auch die Vorhalle der Kapelle dem neuen Anstrich anpasste.

Josef Schmitt bedankt sich auch für die engagierte Unterstützung durch Thomas Schmitt vom Bauamt. Nach Abschluss der Renovierungsmaßnahmen ist laut Josef Schmitt geplant, die Kapelle mit Skulpturen auszustatten, die der Verein durch eine großzügige Stiftung einer Elzer Familie bekommen hat. Mit dieser Maßnahme erfahre das Bauwerk des Diözesan-baumeisters Max Meckel, der die Kapelle im neugotischen Stil gestaltete, eine starke Aufwertung, so Schmitt. Er wünscht sich, dass die Kapelle in Zukunft stärker genutzt wird.

Anette in Concas/Bernd Lormann

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