30-jähriges Bestehen

Einst rettete der Geschichtsverein Elz keltische Schätze

Von wegen Heimatkunde ist eine staubtrockene Angelegenheit. Im Geschichts- und Museumsverein engagieren sich auch junge Leute, erzählt Gründungsmitglied Josef Schmitt im Gespräch mit Reporterin Anken Bohnhorst-Vollmer. Derzeit zählt der Verein insgesamt rund 330 Mitglieder; 40 von ihnen sind zwischen 14 und 30 Jahren alt.

Herzlichen Glückwunsch, Herr Schmitt, Sie sind vermutlich der einzige Geschichtsverein in Hessen mit einer aktiven Jugendabteilung.

JOSEF SCHMITT: Über das Engagement gerade von jungen Leuten freuen wir uns natürlich. Aber Zufall ist das nicht: Wir arbeiten eng mit Kindergärten und Schulen zusammen. Und wir haben vor einigen Jahren den Backes im Ort eingerichtet und damit dem Trend zu Brauchtumspflege und Traditionsbewusstsein reichlich Nahrung gegeben, weil wir zum Beispiel Veranstaltungen über Weinbau an Lahn, Rhein und Mosel anbieten oder Backkurse. Die sind sehr gefragt.

Die ursprüngliche Zielrichtung des Geschichts- und Museumsvereins führt in die Geschichtsforschung von Elz. Wie sind Sie darauf gekommen?

SCHMITT: Der Gedanke vor 30 Jahren war, das Haus Loer in der Pfortenstraße zu restaurieren. Der lenkende Geist damals war unser Gründungsmitglied Josef Weimer. Gegründet wurde der Verein vom Vorstand der Gemeinde, die daran interessiert ist, das Gemeindeleben zu erforschen und zu pflegen.

Welche spektakulären Funde gibt es in Elz?

SCHMITT: Sie wissen bestimmt, dass Elz keltischen Ursprungs ist, dass dort, wo heute die Autobahn über den Elzer Berg verläuft, ursprünglich keltische Grabstätten angelegt waren. Der Durchmesser der kleineren Grabstätten dürfte zwischen fünf und zehn und der größeren zwischen zehn und 30 Meter gewesen sein; die Höhe wird zwischen vier und fünf Metern betragen haben. Im Laufe der Zeit sind die Gräber durch Vegetation und äußere Einflüsse nivelliert worden. Vorhanden sind sie aber noch immer und werden im Augenblick von unserem Vereinsmitglied Karl-Heinz Rörig gepflegt. Das war nicht immer einfach, denn als in den 1990er Jahren die ICE-Trasse geplant wurde, sollte der Streckenverlauf zunächst durch das Gräberfeld führen. Es hat uns eine große Kraftanstrengung gekostet, die Trasse verlegen zu lassen. Aber es hat sich gelohnt. Die keltische Nekropole zu erhalten war notwendig. Stellen Sie sich vor, da wären Bagger gekommen und hätten alles zertrümmert. Übrigens fand man bei den Forschungsarbeiten nicht nur kleine keltische Schätze, sondern auch Kriegsmunition. Wichtig war für uns die Erhaltung aber auch, weil wir auf Erkenntnisse früherer Heimatforscher zurückgreifen können. Etliche Exponate gingen zur Archivierung nach Wiesbaden, andere wurden nach Berlin geschickt.

Und was blieb für Elz?

SCHMITT: Wir haben tatsächlich einige Kostbarkeiten in einer separaten Sammlung aufgebaut, die wir derzeit archivieren und für eine Ausstellung vorbereiten. Ein wundervoller keltischer Kopf aus Sandstein wird das Prunkstück sein – so viel kann ich verraten.

Der Aufbau der archäologischen Kelten-Sammlung ist aber nur ein Bereich Ihrer Vereinsarbeit. Welche Schwerpunkte haben Sie darüber hinaus gesetzt?

SCHMITT: Wir haben in den vergangenen 30 Jahren etwa 35 Ausstellungen konzipiert, beispielsweise über apulische Vasen mit einem Versicherungswert von neun Millionen Euro. Diese Ausstellung kam von Hamburg zu uns und ging weiter nach Paris und New York. Und dann haben wir eine große Sammlung von Landschaftsbildern des Künstlers Eduard Josef Müller. Außerdem gibt es das Gemeindearchiv, das wir in mühevoller Kleinarbeit vom Speicher des ehemaligen Rathauses in die jetzigen Archivräume gebracht haben. Hier sorgt Otto Purdauf gemeinsam mit anderen Mitgliedern für die Betreuung und Pflege des Bestands. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Pflege und Erhaltung der Josefskapelle und der gemeindeeigenen Johanneskapelle. Übrigens hat der Geschichts- und Museumsverein den Elzer Johannestag am 24. Juni wieder ins Leben gerufen. Betonen möchte ich auch noch unser großes Forschungsprojekt, in dem wir uns mit der Verleihung der Stadtrechte an Elz vor 575 Jahren befasst haben. Dieses Thema wollen wir noch einmal in einem Theaterstück und einer großen Ausstellung aufgreifen.

Nach so viel Vergangenheit, wovon träumen Sie für die Zukunft?

SCHMITT: Der Verein hat ein altes Fachwerkhaus, das abgerissen und in seinen Einzelteilen eingelagert ist. Einen Sponsor zu finden, um das wieder aufzubauen, neben dem Haus Loer, das wäre meine Vision.

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