Auf genaues Arbeiten kommt es an. Das wissen die jungen Wissenschaftler von der Erlenbachschule.
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Auf genaues Arbeiten kommt es an. Das wissen die jungen Wissenschaftler von der Erlenbachschule.

Einsatz für die Umwelt

Elz: Auf der Spur des verborgenen Mikroplastik

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Umweltaktion: Erlenbachschüler extrahieren, analysieren und archivieren

Elz/Staffel -Kein Ergebnis wäre eigentlich das beste Ergebnis, sagt Ashley Petrollini. Denn das würde bedeuten, dass in der Lahn bei Staffel und an deren Uferstreifen wenig Müll und somit wenig Plastik und Mikroplastik anlandet. Und das wäre natürlich für die Umwelt am besten. Nur ist das Ergebnis tatsächlich etwas anders, wie Ashley von der Erlenbachschule aus Elz und ihre Mitschüler feststellen. Bierdeckel, Zigarettenkippen, Alufolie, Papier, Plastiktüten und in Auflösung begriffene Feuchttücher gehören zu den Abfallprodukten, die die Zehntklässler bei ihrer Expedition in die Natur aufsammeln. Einen Tag lang beteiligen sie sich mit ihrer Lehrerin Rebekka Neuser und Schulleiterin Beate Kallenbach an der Aktion "Plastic Pirates".

Die Erlenbachschule sei eine Umweltschule, sagt Beate Kallenbach. Deshalb "ist es uns ein Anliegen, unsere Schülerinnen und Schüler mit dem Thema Umweltschutz nicht nur in der Theorie, sondern auch im Alltag vertraut zu machen. Dafür unterstützen und organisieren wir regelmäßig Aktivitäten zur Gestaltung einer lebenswerten und nachhaltigen Umwelt".

Die Plastic-Pirates-Aktion an diesem Tag wurde von den Bildungs-, Wissenschafts- und Forschungsministerien Deutschlands, Portugals und Sloweniens initiiert. Sie soll das Bewusstsein für die Bedeutung und den Schutz von Flüssen als natürliche Ressourcen stärken, heißt es in der Projektbeschreibung.

Praktische Forscherarbeit

Das ist der theoretische Ansatz, den die 26 Zehntklässler der Erlenbachschule bereits im Unterricht erarbeitet haben. Sie wissen, dass Mikroplastik kleinste Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser unter fünf Millimeter bezeichnet, dass sich an dessen Oberfläche Schadstoffe anreichern können und dass in fast allen Kleidungsstücken Mikroplastik verarbeitet ist. Welche Gefahren Mikroplastik für die Weltmeere darstellt, dass Meeresschildkröten beispielsweise Plastiktüten mit Quallen verwechseln und versehentlich verspeisen, wie ein Junge berichtet, auch das haben die Jugendlichen erfahren. Auf diesem soliden Wissensfundament wollen sie jetzt ihre praktische Forscherarbeit aufsetzen.

Konkret geht es so: Die Schüler haben sich auf vier Gruppen verteilt. Gruppe eins sucht auf beiden Seiten der Lahn den Uferbereich ab. Das Terrain ist etwa zehn mal 40 Meter groß, bewachsen, verwildert, schlammig und mit allerlei Unrat besprenkelt, den die Jugendlichen in ihre Tüten packen. Für die Müllsuche im Wasser haben sich ein paar Schüler auf der Lahnbrücke postiert und von dort in die Mitte des Flusses ein Fangnetz ins Wasser gesetzt. Die Ausstattung sei hochprofessionell, sagt Jonas Ernst. Der Beitrag der Schüler soll es ebenfalls sein, findet der junge Wissenschaftler, der Biologie- oder Chemielaborant werden will. So motiviert ist er, dass er sich eigene Röhrchen angefertigt hat, in die die winzigen Fundstücke mit einer Pinzette platziert werden. Und damit ihm und seinen Kameraden kein Fund entgeht, hat er ein Fernglas mitgebracht und beobachtet das Wasser. Eine Stunde dauert die Messung. Die Mitglieder der Gruppe zwei sortieren den gesammelten Müll auf einer großen weißen Plane, Gruppe drei ordnet die aufgelesenen Gegenstände verschiedenen Kategorien zu, zählt und erfasst. "Extrahieren, analysieren, archivieren", fasst Jonas Ernst die Vorgänge der Gruppen eins bis drei zusammen, in denen Lennard Scheurer, Leon Schneider und Güngör Kutlu im Grünen und Leon Bleutgen und Burak Coskun am Uferbereich unter der Brücke unterwegs sind. Zu ihren Aufgaben zählt auch, die Fließgeschwindigkeit der Lahn zu ermitteln. Auch dieser Wert wird mit der Verbreitung von Mikroplastik in Zusammenhang gesetzt.

In Team vier der Erlenbach-Forscher sind schließlich die Reporter, die die Auswirkungen der äußeren Faktoren im Einzelnen und die Aktion im Gesamten beschreiben, wie der 16-jährige Justin Eulitz einer von den Plastic Pirates eingeladenen Rundfunk-Journalistin erklärt. Interessant und eine "schöne Abwechslung zum Fachunterricht im Schulgebäude" sei das, sagt er. "Außer man hat eine Pollenallergie." Und "was erwartet ihr?", wird er weiter gefragt. "Am liebsten nichts", antwortet der Schüler. Für die Umwelt wäre das am besten.

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