Auch sie gestalten zahlreiche Gottesdienste: Das kleine Familien-Ensemble Michel und Organistin Waltraud Jung (rechts).
+
Auch sie gestalten zahlreiche Gottesdienste: Das kleine Familien-Ensemble Michel und Organistin Waltraud Jung (rechts).

Kirchenmusik in Corona-Zeiten

Elz: Damit die Sprache der Engel nicht ganz verstummt

Was die Kirchengemeinde tut, um nicht komplett auf Gesang und Musik verzichten zu müssen

Elz -"Musik ist die Sprache der Engel", betonte schon Thomas Carlyle. Der schottische Philosoph hätte sich sicher nicht vorstellen können, dass die Menschen knapp zwei Jahrhunderte nach seiner Feststellung in den Gottesdiensten nicht mehr singen dürfen - aber damals gab es ja auch keine Corona-Pandemie. Die Pfarrer und Pastoralreferenten in den Pfarreien der heutigen Zeit kennen aber den Wert der Musik genauso wie er und haben sich, damit die Messen weiterhin festlich gestaltet werden können, viele Gedanken gemacht und dafür gesorgt, dass die Orgel weiterhin spielt und Solisten oder Mini-Ensembles - immer in weitem Abstand zur Gemeinde - zumindest vorsingen dürfen.

"Wir in Elz haben trotz allem besonderes Glück", freut sich Pastoralreferentin Renate Russ. "Von Anfang an haben wir hochkarätige musikalische Begleitung in den Messen - es tut gut, hier zuzuhören!" Und tatsächlich: Wenn Stefan Dernbach mit seiner schönen Stimme die Kirche ausfüllt, wenn Vater Jörg und Tochter Paula Müller dafür sorgen, dass es einem warm ums Herz wird, wenn Christel Schmitt, begleitet von ihrem Mann an der Orgel von der Tochter Zion singt oder gleich ein kleines Familien-Ensemble den Zauber in der Weihnachtszeit beschwört, ist die Freude groß.

Lieder aus dem Gotteslob

Vater Josef Michel sitzt im Familien-Ensemble an der Orgel und begleitet seine Töchter Sophia, Helena und Antonia sowie Ehefrau Sonja Zündorf-Michel. Zu Hochfesten werden seitens des Familien-Ensembles dreistimmige Messen, Liedsätze mit und ohne Orgelbegleitung gestaltet. Ein Höhepunkt war der Freiluftgottesdienst zur Elzer Kirmes. Hier führte das Familien-Ensemble die dreistimmige "Messe brève" von Léo Delibes mit Orgelbegleitung auf, die auf den Hirtenplatz übertragen wurde. Gesungen werden ansonsten von allen Kantoren Lieder aus dem Gotteslob, Adventslieder und Weihnachtslieder.

Auch sonst sitzen Könner an der Orgel. Thomas Friedrich, der meist seinen Freund Stefan Dernbach begleitet, ist allen ein Begriff. Beide fanden die Idee gut, den fehlenden Gesang im Gottesdienst mit Leben zu füllen - "Gottesdienst ohne Musik und Gesang geht gar nicht", sagen sie und engagieren sich immer wieder mit Eifer und Ideen. Das tut auch Josef Schmitt, der mit Ehefrau Christel seit dem Wiederbeginn der Gottesdienste an über 30 Samstagen ununterbrochen den Vorabendgottesdienst gestaltet hat und mit leichter Hand den Orchesterpart auf die Orgel verlegt. Oder Waltraud Jung: Wenn die 87-jährige Vollblutmusikerin mit ungebrochener Musikalität mittwochs vormittags bei der Frauenmesse in die Tasten greift, ist es, als würde sogar Johannes der Täufer lächeln. Überhaupt scheint es dem Kirchenpatron, der mit seinem Schäfchen ganz vorne an der Altar-Treppe steht, zu gefallen, was die Elzer aus dieser schwierigen Situation gemacht haben.

Vielen fehlt das Mitsingen

Alle Hygienevorschriften werden in der Kirche peinlich genau eingehalten, nicht nur von den Sängern oben an der Orgel (drei Meter Abstand voneinander und sechs Meter nach vorne), sondern auch von den Gottesdienstbesuchern, die sich, brav mit Maske und weit gestreut in den Bänken verteilen. Trotzdem fehlt vielen das Mitsingen, besonders in der Adventszeit hörte man immer wieder leise Seufzer, oft summen die Gottesdienstbesucher mit geschlossenen Lippen mit.

Pfarrer Steffen Henrich versucht, hier ein bisschen zu helfen, indem er mit seiner Gemeinde manche Gesänge betet. Zum Beispiel das Gloria, das Glaubensbekenntnis und das Sanktus. So kann sich die Gemeinde wenigstens teilweise aktiv am Gottesdienst beteiligen. Dass Musik und Religion Geschwister sind, kann man auch in der Bibel sehen. Von der Zither kurz nach der Vertreibung aus dem Paradies bis zu den Posaunen am Jüngsten Tag wird das Leben der Menschen und das Lob Gottes von Musik und Gesängen begleitet. Von daher ist es ein richtiges Geschenk, dass sich so viele besondere Sänger und Musiker zur Verfügung stellen, um die Gottesdienststunden zu versüßen. Singen macht eben alle glücklich. Die Zuhörer ebenso wie die Sänger! Von Anette in Concas

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare