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Elz: Die Welt zu Gast an der Erlenbachschule

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Von: Anken Bohnhorst

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In der Küche der Erlenbachschule wurde das traditionell belgische Gericht Frikadellen mit Sauerkirschsoße gekocht.
In der Küche der Erlenbachschule wurde das traditionell belgische Gericht Frikadellen mit Sauerkirschsoße gekocht. © Anken Bohnhorst

Jugendliche nehmen an europäischem Austauschprogramm teil

Elz -Die etwa 20 Jugendlichen, die in der Küche der Erlenbachschule hantieren, kommen aus Marseille, aus Petite Île im französischen Übersee-Département La Réunion, aus Tessenderlo in Belgien und aus Elz. Gemeinsam stehen sie an Herd und Arbeitsplatte und kochen an diesem Vormittag: Kartoffelbrei. Der ist allerdings nur die Beilage zu einem traditionellen belgischen Gericht mit Frikadellen mit warmer Sauerkirschsoße.

Das klingt experimentell - und ist es ebenso wie das gesamte Projekt, an dem diese Schüler teilnehmen. Sie sind Teil des europäischen Förderprogramms Erasmus, das das internationale Miteinander durch Schüleraustausche verbessern soll. Das Motto, das sich die 13- bis 16-jährigen Jugendlichen aus Elz und ihre Mitschüler aus Tessenderlo, Petite Île und Marseille gegeben haben, lautet: "Vivre ensemble dans une société multiculturelle", zusammen leben in einer multikulturellen Gesellschaft. Konkret bedeutet das, an jedem Tag ihres einwöchigen Besuchs in einer der Partnerstädte wird international gekocht. Heute also belgisch.

Die Bewerbung um einen Platz im Erasmus-Programm liegt bereits ein paar Jahre zurück, berichtet Barbara Häuser, Französischlehrerin und Erasmus-Koordinatorin an der Erlenbachschule. Der erste Austausch hatte ursprünglich 2020 stattfinden sollen. Doch anstatt in fremden Ländern landeten die Schüler im Home-Schooling. Das Coronavirus breitete sich international aus. Die Begegnungen mussten ins Internet verlegt werden. Dort, im digitalen Raum, lernten die Jungen und Mädchen einander kennen, bastelten Botschaften für die Partnerschulen und drehten Videos über ihre Heimat, probierten ihre Sprachkenntnisse aus und knüpften Kontakte.

Große Häuser, stattliche Flüsse

Einen Eindruck davon, dass in einem fremden Land "alles anders" ist, habe man sich bereits bei dieser Art der Kommunikation verschaffen können, sagt Corinne Dalleau, Lehrerin aus La Réunion, die die fünf Austauschschüler aus ihrem Heimatland nach Elz begleitet. Rund 24 Stunden war die Gruppe von der Insel im indischen Ozean unterwegs. Erst elf Flugstunden bis Paris, dann nach einem kurzen Zwischenstopp weiter nach Frankfurt, und von dort hätte sie der ICE nach Limburg bringen sollen. Doch der fiel aus. Die Reisenden verspäteten sich und lernten als erstes: Deutsche Pünktlichkeit wird nicht immer eingehalten.

Deutschland gilt in dem französischen Übersee-Département als "exotisch", sagt Corinne Dalleau. Die Häuser hier sind groß, die Landschaft um Elz hat weder Korallenriffe noch Regenwald, kann aber dafür im nahe gelegenen Koblenz den Zusammenfluss von zwei stattlichen Strömen vorweisen und ein paar Meter entfernt davon eine geräumige Shopping-Mall. Das habe ihre Schüler beeindruckt. Auch das Essen und die Essgewohnheiten unterscheiden sich. Anstatt eines mehrgängigen Abendessens wird an deutschen Tischen Brot mit Käse, Leberwurst und Gurke serviert. Und auf dem Stundenplan in der Schule stehen während der multikulturellen Austauschwoche neben Völkerball auch Pétanque und Domino.

Natürlich verlange das Miteinander von den Schülern und deren Familien auch ein Maß an Offenheit, sagt Erasmus-Koordinatorin Barbara Häuser. Weil die Gäste zum Beispiel nicht in Jugendherbergen untergebracht sind, sondern bei Familien, in dieser Woche in Elz, davor in Marseille und demnächst in Petite Île und in Tessenderlo. Einige Kinder hätten die Nähe "zunächst befremdlich" gefunden. Aber auch diese Erfahrung mache den Austausch so wertvoll, sagt Barbara Häuser. In allen Lebensbereichen würden die Schüler Neues kennenlernen. Besser kann man Akzeptanz und Toleranz nicht üben, findet die Pädagogin aus Elz.

Neben dem Gewinn sozialer Kompetenz erwerben die Heranwachsenden auch enorme sprachliche Vorteile, sagt Erlenbach-Schulleiterin Beate Kallenbach, wobei die kulturelle und sprachliche Spannbreite an ihrer Schule ohnehin groß ist. Kinder und Jugendliche aus mehr als zwei Dutzend Nationen besuchen die Erlenbachschule, und man kann davon ausgehen, dass das in etwa der Zahl der gesprochenen Sprachen entspricht. Französisch ist für die Schüler ein Wahlfach, also freiwillig. Durch das internationale Austauschprogramm würden die Jugendlichen aber merken, dass sie von diesem Mehraufwand profitieren, sagt Kallenbach.

Zum Beispiel eben in der Küche, in der an diesem Vormittag ein Junge aus La Réunion einem Mädchen aus Tessenderlo das Rezept einer kreolischen Pastete erklärt. Ein Gast aus Belgien bereitet derweil Kirschsoße für Frikadellen zu. Und die Köche aus Elz? Sie stampfen Kartoffelbrei.

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