Wie Gärten aussehen können und wie sie es nicht sollten, Beispiele liegen in den Elzer Gärten oft direkt nebeneinander.
+
Wie Gärten aussehen können und wie sie es nicht sollten, Beispiele liegen in den Elzer Gärten oft direkt nebeneinander.

Müll, Unkraut und Tierhaltung

Elz: Ärger und Verwirrung um Kleingarten-Regeln

In den Gärten zwischen Mühlstraße und Erbach gibt es Unklarheit über Regeln der Kleingartenanlage. CDU und SPD sind auf der Suche nach Lösungen.

Elz -Was darf man in den Kleingartenparzellen zwischen Mühlstraße und Erbach anstellen, was geht gar nicht? Müssen Kartoffeln, Karotten und Gladiolen kultiviert werden, müssen Sträucher, Bäume und Hecken akkurat geschnitten werden oder dürfen sie naturbelassen bleiben? Dürfen die Gärten zu Spielplätzen werden, und wie steht es mit der Kleintierhaltung? Antworten auf diese Fragen weiß keiner. Denn für die etwa 500 Kleingärten am Elzer Ortsrand gibt es keine Satzung. Das ist das Problem, weshalb sowohl CDU-Fraktionschef Bastian Hoffmann, als auch SPD-Amtskollege Thomas Lang zum Ortstermin in die Gärten eingeladen haben. Zwischen beiden Spaziergängen liegen ein paar Tage. An der Problemlage ändert das nichts.

Kleingarten in Elz: Unklarheit über Regeln

"Wir wollen nicht um den heißen Brei herumreden", sagt CDU-Sprecher Hoffmann. Dass hier etwas geschehen muss, sei offensichtlich, findet er. "Dass wir auf einem guten Weg sind", sei aber auch klar. Der gute Weg, den die Gemeinde bereits hinter sich gebracht hat, ist die Einrichtung der Freizeitanlage mit Skateranlage und Basketballfeld, mit einem Pump-Track für Cross-Radfahrer, der freilich noch etwas bekannter gemacht werden müsse, und mit dem geplanten Bolzplatz auf dem weitläufigen Areal.

Elz: Nutzgärten sind weniger geworden

Damit könne man zufrieden sein, sagt auch Bürgermeister Horst Kaiser (CDU). Bei dieser Anlage geht es eindeutig um Freizeitbeschäftigung. Ein paar Meter weiter, in den Gärten, sei das nicht mehr so eindeutig. Der Schwerpunkt in den Parzellen liegt jedenfalls nicht mehr ausschließlich im Gartenbau - so wie damals, als seine Großeltern hier noch gewirtschaftet hätten, erzählt ein Herr, der selbst längst das Seniorenalter erreicht hat. Nutzgärten seien das damals gewesen. Allenfalls für ein Feierabendbier habe man sich in sein grünes Reich gesetzt.

Das vormals grüne Reich ist jetzt bunt. Manche Hecken sind durch grelle Planen ersetzt, damit die Nachbarn nicht auf das Grundstück schauen können und der Staub von den Autos abgehalten wird. Denn der ist ein "großes Ärgernis", sagt ein anderer Gartenbesitzer. Man solle sich nur die Büsche anschauen. Fast überall haben sich dicke Grauschleier über die Pflanzen gelegt. Auch die Abgase würden die Bekömmlichkeit des angebauten Obsts und Gemüses nicht erhöhen.

Man müsse doch mal überlegen, ob in der Kleingartenanlage überhaupt mit dem Auto gefahren werden muss, sagen einige Hobbygärtner. Andere Anlagen seien schließlich auch gesperrt, merkt eine Dame mit Fahrrad an und erntet prompt Widerspruch. Wie sollen sperrige und schwere Geräte hertransportiert werden? Und was soll aus jenen Gartenbesitzern werden, die nicht mehr gut zu Fuß sind.

Kleingartenanlage Elz: Manche Hütten sind bewohnt

Tatsächlich sorgen Fahrzeuge aber nicht nur für Krach und Dreck. Sie werden abgestellt, wo keine Parkflächen vorgesehen sind. Unter anderem im Wasserschutzgebiet, in unmittelbarer Nähe des renaturierten Erbach, oder auch auf die Rettungswegen der Feuerwehr. Die sind aber schon deshalb wichtig, sagt Hilmar von Schenck, Gemeindebrandinspektor und Elzer Wehrführer, weil einige Hütten dauerhaft bewohnt würden. Erlaubt sei das zwar nicht, "aber es ist so". Deshalb rücke die Feuerwehr bei Einsätzen in die Gärten aus wie zu einem Wohnungsbrand. Und deshalb müssen die Hauptwege frei sein. Das hatte die Gemeinde durch große Findlinge zu erreichen versucht, die sie vor die Einfahrten rollte. Nur behinderten diese Felsbrocken eben auch die Feuerwehr.

Mit den Autos gibt es aber ein weiteres Problem. Denn nicht alle Wege seien für Autos passierbar, sagt ein Hobbygärtner und erzählt von einem Streifenwagen, der einen Kleinwagen in der Anlage verfolgte und prompt auf einer schmalen Brücke steckenblieb. Zufahrtsberechtigungen könnte eine Lösung sein, meine einige. Eine verbindliche Satzung muss her, fordern alle und schreiten Hecken, Zäune und grelle Kunststoffbahnen an.

Kleingärten in Elz: Es gibt Probleme mit der Müllbeseitigung

Mit der müsste unbedingt auch das Müllproblem bewältigt werden, sagen die Ortsbegeher. Der Abfall sei eine Zumutung. Kunststoffbeuten, Zigarettenpackungen, Dosen und Beutel liegen am Wegrand. Ab und an die Hinterlassenschaft eines Hundes. Weshalb das nicht weggeräumt werden könne, sei unbegreiflich, finden die Gartenbesitzer, diskutieren einen zentralen Müllcontainer sowie den Einsatz einer Müllkolonne, die die Strecken täglich abfahren soll. Sogar die Installation einer Überwachungskamera wird erwogen und verworfen. Praktikabel ist keine dieser Lösungen, stimmen sie überein. Und für Bürgermeister Kaiser ist klar: "Halter für Hundekotbeutel wird es bei mir nicht geben."

Überhaupt ist auch der Umgang mit Tieren mangels einer Satzung nicht geklärt. Eine Anleinpflicht für Hunde gibt es jedenfalls nicht, berichtet Kaiser. Die können also herumtollen. Aber was ist mit anderen Tieren? Mit Hühnern etwa? Die dürften auf den Grundstücken gehalten werden, sofern das artgerecht vor sich gehe, sagen die Männer und Frauen. Und schon kursieren Handy-Schnappschüsse von einer Parzelle, auf der Hühner offensichtlich nicht artgerecht gehalten werden. Zwei Tage lang habe ein totes Tier auf dem Grundstück gelegen, sagt einer. Und ein anderer: Das mit den Hühnern sei gar nichts verglichen mit den Schafen, die auf seinem Nachbargrundstück weiden - und unerträglichen Gestank freisetzen. Sich in den Garten zu setzen und Kaffee zu trinken, sei völlig unmöglich. Ideen gebe es genug. Anträge der SPD ebenso, sagt deren Fraktionsvorsitzender Thomas Lang. Aber es gibt keine Satzung für die Kleingartenanlage, das ist Problem.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare