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Entsetzen in Elz im Kreis Limburg-Weilburg: 14-jähriger Jugendlicher greift Mutter mit Axt an.

Aus Verzweiflung

Mehrfach mit Axt gegen den Kopf geschlagen: 14-Jähriger wollte eigene Mutter umbringen

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In Elz bei Limburg hat ein 14-Jähriger mit einer Axt auf seine Mutter eingeschlagen. Er soll die Tat wochenlang geplant haben.

Elz/Limburg - Der sogenannte "Axtmörder" will sich heute am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht (LG) zu dem bestialischen Verbrechen am 25. Oktober 2019 in Limburg äußern. In einem anderen furchtbaren Fall, bei dem ein damals 14-Jähriger 2017 in Elz seine Mutter mit einer Axt umbringen wollte, hat der Vorsitzende Richter Dr. Andreas Janisch gestern das Urteil gesprochen. Der Junge bleibt im Jugendstrafvollzug.

Die 2. Große Jugendkammer des Landgerichts bestätigte das Urteil des Amtsgerichts: eine Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung. Er war zwei Monate in Untersuchungshaft.

Grausame Tat in Elz im Landkreis Limburg: 14-jähriges Kind griff Mutter mit Axt an

Bei der Dauer der Jugendstrafe haben die Richter die Intensität des Angriffs mit gedanklicher Vorbereitung, aber auch das Geständnis und die positive Entwicklung nach der Tat bedacht. "Hiervon unabhängig besteht auch heute noch hoher Erziehungsbedarf, der im Jugendstrafvollzug zu leisten ist. Die therapeutischen Ansätze können dort fortgesetzt werden", sagte LG-Sprecher Henrik Gemmer auf Anfrage dieser Zeitung.

In der am Montag vergangener Woche begonnenen Berufungshauptverhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatten die Staatsanwaltschaft und der Verteidiger übereinstimmend eine Jugendstrafe von zwei Jahren mit Strafaussetzung zur Bewährung beantragt. Dem ist die Kammer nicht gefolgt, da sowohl schädliche Neigungen als auch die Schwere der Schuld zu bejahen seien.

Mutter von 14-jährigem Sohn mit Axt attackiert - Entsetzen in Elz bei Limburg

Die Tat hatte in Elz und darüber hinaus Entsetzen und Fassungslosigkeit ausgelöst. Die Familie ist gut situiert, das Einzelkind galt als nett und unauffällig. Die Nachbarn, die Klassenkameraden an der Fürst-Johann-Ludwig-Schule und die Leichathletikfreunde sagten kein schlechtes Wort über ihn. Fast alle gingen damals von einer Kurzschlusshandlung aus und rätselten, warum der Gymnasiast mit einem Beil dreimal gezielt gegen den Kopf seiner Mutter geschlagen hat.

Nach den Feststellungen der Kammer war die Tat jedoch geplant. Der Junge entwickelte nach den Sommerferien 2017 Tötungsfantasien und informierte sich im Internet über Tötungsarten, die Beseitigung der Leiche und die zu erwartende Strafe. "Er trug sich zunehmend mit dem Gedanken, seine Mutter und seinen Vater zu töten", so Gemmer.

14-Jähriger aus Elz bei Limburg plante Axtmord an Mutter

Am Morgen des 13. September 2017 verließ der Junge die elterliche Wohnung, schwänzte die Schule und kehrte zurück, als seine Mutter das ältere Zweifamilienhaus verlassen hatte. Der Vater war auf Dienstreise. Er wartete stundenlang auf das Eintreffen der damals 49-Jährigen. In einem Chat schrieb das Kind: "Ich bin jetzt im Haus des Opfers."

Als seine Mutter um 12.41 Uhr zurückkehrte, stand er versteckt hinter der Eingangstür und schlug mit einer Axt auf ihren Kopf. Nach dem zweiten Schlag fiel die Frau um - und der Junge schlug noch einmal mit dem Beil gegen den Kopf der am Boden Liegenden.

Elz im Kreis Limburg-Weilburg: 14-jähriger Junge schlug mit Axt auf Mutter ein

Der Anblick der blutüberströmten Mutter muss ihn erschreckt haben: Der Sohn alarmierte die Rettungskräfte. Mehrere Operationen retteten das Leben der Schwerstverletzten.

"Die Motive blieben letztlich verborgen", erläutert der Gerichtssprecher. In den ersten Vernehmungen hatte das Kind die zu strenge Erziehung durch seine Eltern beklagt. Als Beispiel führte der 14-Jährige an, dass er in der Regel abends um 21 Uhr ins Bett musste. Mitschüler erzählten, er habe meistens um 18 Uhr zu Hause sein müssen und sei deswegen sauer gewesen.

Aus Depression und Verzweiflung: 14-Jähriger aus Elz bei Limburg griff Mutter mit Axt an

"Der Angeklagte war zur Tatzeit in einer depressiven Episode, geprägt von Verzweiflung und Hilflosigkeit", sagt Gemmer. Im Einklang mit der psychiatrischen Sachverständigen hat die Kammer aber eine uneingeschränkte Schuldfähigkeit festgestellt.

Nach der beinahe tödlichen Attacke wurde der Schüler in der psychosomatischen Klinik in Gießen stationär familientherapeutisch behandelt. "Hier wirkte er erfolgreich mit, auch wenn die Tat selbst nur eingeschränkt aufgearbeitet wurde", berichtet der LG-Sprecher.

Urteil zu gefährlicher Körperverletzung: 14-Jähriger aus Elz im Kreis Limburg-Weilburg schlug mit Axt auf Mutter ein

Rechtlich hat die Kammer das Geschehen als strafbefreienden Rücktritt vom versuchten Mord gewertet, weil der Junge selbst Hilfe geholt hatte, so dass eine Verurteilung wegen einer gefährlichen Körperverletzung erfolgte.

Von Joachim Heidersdorf

Bei dem Prozess um den „Axtmörder“ hat der Täter inzwischen zum ersten Mal ausgesagt. Sein Verteidiger setzt auf eine unerwartete Strategie.

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