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Gemeinsam singen, aber auch mal feiern und ein Bier trinken. Im letzten Jahr war das auch bei der U 40 des MGV Frohsinn 1875 Elz noch möglich.

Musik

Elz: "Singen wird als gefährlich wahrgenommen"

Chöre kämpfen in der Corona-Pandemie ums Überleben - SingBus sagt seine Tour ab

Elz -So viel Begeisterung, so viel Herzblut - und leider alles umsonst. Der SingBus der Deutschen Chorjugend in Elz, den Peter Engelhardt und Roger Hunsänger vom MGV Frohsinn Elz 1875 so liebevoll organisiert hatten, fiel Corona zum Opfer. Die Organisatoren hoffen jetzt auf eine neue Chance im kommenden Jahr.

Auch die musikpädagogische Tourmanagerin des Kinderchorlands und SingBusses, Lisa Meier, ist traurig, dass die Tour, die ein ganzes Jahr quer durch die Bundesrepublik führen sollte (Elz war als dritte Station geplant), abgesagt werden musste. Kinderchorland und SingBus gehören zu der Vielzahl an Projekten, die der Bundesverband der singenden Kinder und Jugendlichen unter dem Mantel der Deutschen Chorjugend durchführt, um die musisch-kulturelle Bildung junger Menschen, Jugendbeteiligung, ehrenamtliches Engagement und den internationalen Austausch zu fördern.

Lisa Meier kennt die Schwierigkeiten der Chöre genau und berichtet, dass die Deutsche Chorjugend gerade jetzt die Nachwuchssänger unterstützen möchte. Das ganze Team denkt über Ersatzveranstaltungen nach. Im Gespräch sind beispielsweise digital übertragbare Workshop-Formate. Auch für die weitere Vernetzung der Chöre möchte der Verband stehen. "Gerade in Elz und Oberbrechen hatte sich ein so positiver Austausch ergeben", bedauert Lisa Meier die Entwicklung durch die Pandemie.

Große und warme Räume gesucht

Nicht nur für die jüngsten Sänger - für alle Chöre wird die Situation im Winter enorm schwierig. In der warmen Jahreszeit hat sich in manchem Park, im Garten oder auf der großen Wiese immer wieder ein Plätzchen für die Probe gefunden. Jetzt fehlt es überall an Räumlichkeiten, die groß genug, gleichzeitig aber auch heizbar sind. "Da haben die Elzer Chöre noch Glück", berichtet Peter Engelhardt, der sich um die singende Jugend kümmert. Er weiß von Frankfurter Chören, die sich tatsächlich Messehallen zum Singen gemietet haben. Die "Kleinlauten", also der Elzer Kinderchor, probt jetzt in der Radfahrhalle. "Der Radfahrerverein hat das Gebäude im Brötzenmühlenweg großzügig zur Verfügung gestellt", bedankt sich der MGV-Vorsitzende Johannes Schäfer. Strom- und Heizkosten übernimmt der Frohsinn. Allerdings - momentan haben auch die "Kleinlauten" keine Proben mehr - die Inzidenzzahlen sind einfach zu hoch.

Viele trauen sich nicht zur Probe

Die beiden Männerchöre des Frohsinns singen im Bürgerhaus. Allerdings in stark gesunkener Anzahl. "Viele der älteren Herrschaften sagen die Probe zurzeit verständlicherweise ab, da sie Angst vor Corona haben", berichtet Peter Engelhardt. So ist der Männerchor von rund 40 aktiven Sängern manchmal auf 14, 15 Stimmen geschrumpft. Auch der gemischte Chor "Salto Vocale", der einst zur Germania gehörte, hat im Bürgerhaus Unterschlupf gefunden. Der Elzer Frauenchor dagegen hat sich entschlossen, bis zum 25. März zu pausieren. "Wenn Corona es erlaubt, findet an diesem Tag wieder die erste Gesangsstunde statt", erzählt Chormitglied Gisela Schneider. Und der katholische Kirchenchor probt im Moment in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer.

Trotzdem ist auch die Probensituation im Bürgerhaus nicht einfach. Bürgermeister Horst Kaiser hat versprochen, im großen Saal für eine gewisse Grundwärme zu sorgen. Aber es muss ja ausgiebig gelüftet werden - so warm wie in einem Wohnzimmer wird es daher nicht, zudem müssen auch die Heizkosten im Auge behalten werden.

Ja, und dann kommen noch ganz andere Schwierigkeiten hinzu. Das gesellschaftliche Leben der Vereine bricht ab. "Wir trinken kein Bier mehr zusammen, wir singen einfach und gehen auseinander", trauert Peter Engelhardt den schönen Stunden nach. Auch die Erfolgserlebnisse durch die Konzerte bleiben aus. Und finanzielle Einbußen müssen die Chöre ebenfalls tragen. Das liegt daran, dass zum einen keine Veranstaltungen mehr ausgerichtet werden können. Zum anderen müssen Chorleiter und Dirigenten ja auch bezahlt werden. Viele unter ihnen leben von der Arbeit mit den Chören. Wenn die aber auf Dauer keine Einnahmen mehr haben, wird die Situation für die Chorleiter eng - und keiner kann und will diese Arbeit schließlich weiterführen.

Ein weiterer Punkt ist, dass das Singen in der Gesellschaft als "gefährlich" wahrgenommen wird. Es gibt bisher nur wenige Studien, wie sicher das Singen mit Masken ist - also riskieren die Sänger lieber nichts. Die Folgen liegen auf der Hand: Chormitglieder melden sich ab, Chorverbände lösen sich nach und nach auf. Damit das alles nicht passiert, suchen die Chorgemeinschaften überall händeringend nach kreativen Lösungen. Die eierlegende Wollmilchsau hat bisher leider noch keiner gefunden. Aber viele Chöre versuchen, im Moment zumindest ein Bewusstsein für die Situation zu schaffen - damit die eine oder andere Konsequenz ausbleibt. Von Anette In Concas

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