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Bei der Pilzwanderung mit Bernhard Broschart im Elzer Wald lernten die Teilnehmer auch die Frische der Pilze zu erkennen.

Expedition

Pilz-Experte: Das gilt es bei der Suche nach Pilzen zu beachten

In Elz (Kreis Limburg-Weilburg) gibt Pilz-Experte Bernhard Broschart Tipps zur Bestimmung und Zubereitung von Pilzen.

Elz -"Mit den Pilzen ist es wie mit den Frauen, sie sollten jung und frisch sein, so wie die anwesenden Damen", schmunzelte Bernhard Broschart und hielt ein wunderschönes Beispiel in die Höhe. Der Pilzsachverständige aus Brechen war mit einer Gruppe im Elzer Wald unterwegs, um die bekannten kleinen Männlein mit Hut für Pfanne und Kochtopf zu sammeln.

Elz (Kreis Limburg-Weilburg): Spannende Geschichten beim Pilze-Sammeln

Schon bei der Begrüßung ging es kulinarisch zu. Der 68-jährige, leidenschaftliche Hobbykoch hatte bereits am Tag vorher Pilze gesammelt und überraschte seine Teilnehmer mit panierten Parasolen, die kalt ebenfalls gut schmeckten. "Heiß sind sie genauso knusprig wie Kartoffelpuffer", berichtete der Kochkünstler. Von den Parasolen fanden sich bei der anschließenden Exkursion zahlreiche im Elzer Wald. Daneben begegneten die Waldbesucher ganz viele Sorten, von denen sie bisher noch kaum etwas gehört hatten. Zum Beispiel dem Mehl-Räsling (Vorsicht, für Anfänger nicht geeignet, da mehrere weiße Trichterlinge ihm zum Verwechseln ähnlich sehen), den Fuchsigen Röteltrichterling (wunderbarer Speisepilz), den Kaffeebraunen Gabeltrichterling (ebenfalls essbar), den Spechttintling (nicht essbar), den Falschen Pfifferling (nicht essbar) oder ganzen Gruppen von glänzenden Stockschwämmchen, die ebenfalls jedes Mahl bereichern.

Zu jedem entdeckten Pilz gab es spannende Geschichten zu hören. Zum Beispiel zum Nebelgrauen Trichterling. Bernhard Broschart erzählte von einem seiner Seminare, in dem die Teilnehmer in einem Buch die Bezeichnung essbar gefunden hatten und den Pilz trotz seiner Warnung unbedingt probieren wollten. "Nach 20-minütigem Kochen bei geschlossenem Deckel und geschlossenen Fenstern öffneten meine Teilnehmer den Topf! Danach wollte keiner mehr probieren. Wir mussten zwei Stunden lüften, so stank der Raum", erinnert er sich lachend.

Pilze sammeln in Elz (Kreis Limburg-Weilburg): Die Lamellen quetschen

Spannend war auch die Geschichte des so genannten Russisch-Roulette-Pilzes, der in Wirklichkeit Kahler Krempling heißt. Dieser Pilz galt über Jahrhunderte hinweg als guter Speisepilz, bis in den 30er Jahren ein bekannter Mykologe nach dem Verzehr gestorben ist. Dadurch wurde der Pilz genau untersucht, und es stellte sich heraus, dass er ein Gift enthält, das das Paxillus-Syndrom auslöst, also nach mehrmaligem Verzehr die roten Blutkörperchen zersetzt und zum Tode führt. Wer wie oft diesen Pilz essen kann, weiß niemand. "Da er als essbar galt, haben meine Eltern den Pilz auch immer gesammelt und gekocht", berichtet der Pilzsachverständige, "die nächste Mahlzeit könnte also meine letzte sein!" Glücklicherweise kommt das gefährliche Allergen in dieser Form nur im Kahlen Krempling vor.

Die Pilzwanderer genossen den Ausflug und staunten über die Kenntnisse des Experten. Jedes Fundstück wurde genau unter die Lupe genommen und besprochen. Neben Tipps zur Zubereitung verdeutlichte Bernhard Broschart auch, wie die Pilze am besten bestimmt werden. "Keiner schleppt ein Pilzbuch durch den Wald, also werden die Pilze hier nur gesammelt und grob gereinigt. Daheim kann man dann in Ruhe, Farbe, Form und Geruch bestimmen.

Elz: Mit dem Experten auf Pilz-Suche

Wenn ein Pilz nur wenig riecht, sollte man einfach die Lamellen quetschen. "Pilze muss man liebhaben, das heißt, man muss sie mal drücken", lachte der Brechener und zeigte das gleich an einem Beispiel. "Was riecht Ihr? Genau - Knoblauch! Das ist der Knoblauchschwindling, die Hüte kann man in Suppen und Soßen verwenden!" Was auch wichtig ist: Der Pilz sollte die Sporen abwerfen, denn die Sporenpulverfarbe wird zum Bestimmen gebraucht. Das geht ganz einfach: Den Stil abschneiden, auf ein weißes Blatt Papier legen und am nächsten Tag schauen, was passiert ist.

Bereits seit 1987 ist Bernhard Broschart als Pilz-Experte unterwegs. Nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in Norwegen, wo er jetzt kürzlich in Urlaub war. Die Leidenschaft für Pilze hat der Sachverständige bereits in seiner Jugendzeit beim Sammeln mit Mutter Hedwig entdeckt. Als seine Familie aber von der Pfalz ins Rhein-Main-Gebiet umgezogen war, war er lange Zeit nicht mehr viel in der Natur. Bis der Wahl-Brechener 1982 wieder auf seine "alte Liebe" aufmerksam wurde, als er in der Zeitung das Angebot eines Pilzkurses im Odenwald sah. Viele der Pilzarten erkannte er von früher wieder, so dass ihm wegen seines hohen Sachverstandes vom Kursleiter nahegelegt wurde, ein Studium zum Pilzsachverständigen im Schwarzwald zu absolvieren.

Elz (Kreis Limburg-Weilburg): Experte gibt Tipps rund ums Sammeln von Pilzen

1987 machte er erfolgreich die Prüfungen. In seiner fröhlichen ungezwungenen Art gibt er sein Wissen gerne und verständlich an die großen und kleinen Zuhörer weiter. Aber er macht noch mehr: Wenn jemand mit Anzeichen einer Pilzvergiftung in die Krankenhäuser der Region eingeliefert wird, wird er immer wieder benachrichtigt und kann mit seinem Expertenwissen oft helfen. Seine Tür steht übrigens allen offen: Jeder kann nach telefonischer Voranmeldung vorbeikommen und seine Sammlung genau unter die Lupe nehmen lassen.

Aber zurück in den Elzer Wald: Gerade hat einer der Teilnehmer einen riesengroßen Hexenröhrling gefunden. "Den haben die Hexen vor einigen Tagen an Halloween fallenlassen", scherzt Bernhard Broschart und empfiehlt: In ganz kleine Stücke schneiden, in Butter gut durchbraten. Die Würfel durch den Mixer jagen und dann mit Salz und weicher Butter verrühren. Die Pilzbutter hält etwa vier Wochen. Das schmeckt allen Pilzfreunden! Mhmm . (Anette In Concas)

Selbst Pilze, die das Potenzial zu Delikatessen haben, müssen nicht immer genießbar sein. Die Pilz-Berater des Gesundheitsamts wissen, auf wie viel kleine Details es ankommt.

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