Leon genießt die Schwalldusche. Der zwölfjährige Elzer ist ein begeisterter Schwimmer.
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Leon genießt die Schwalldusche. Der zwölfjährige Elzer ist ein begeisterter Schwimmer.

Wasserratten aufgepasst

Elz: Schwimmen ist das pure Glück

  • vonPetra Hackert
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Bislang Tausende Besucher im Freibad der Westerwald-Gemeinde

Elz -Das ist das pure Glück: Leon steht unter der Schwallbrause. Das herabprasselnde Wasser massiert seine Schultern. Er streckt die Arme aus, die Freude ist ihm ins Gesicht geschrieben. Gerade vorher hat der Zwölfjährige einen Salto vom Ein-Meter-Brett gemacht. Vom Dreier ist er per Handstand-Salto gesprungen. Das macht ihm Spaß und ist möglich, weil es gerade recht leer ist im Elzer Freibad. Bademeister und DLRG-Team haben deshalb das Springen für kurze Zeit erlaubt.

"Heute wird es noch viel voller", sagt Bademeister Peter Schütz am Beckenrand. Er soll recht behalten. Leon war der Jüngste bei den Frühschwimmern. Gemeinsam mit seiner Oma Erika Hahn stand er vor dem Rolltor, das Punkt 7.30 Uhr in die Höhe geht. Eine Stunde Frühschwimmen ist montags und donnerstags angesagt. Ansonsten öffnet das Freibad in den Ferien ab 9.30 Uhr.

Frühmorgens kann man gut schwimmen

Es füllt sich immer mehr. Gegen Mittag ist es wieder etwas leerer. Dann kommen die Berufstätigen, wissen die eingefleischten Schwimmer. Wer wie Bürgermeister Horst Kaiser und seine Frau Jutta Müller-Kaiser richtig schwimmen will, mit großen Zügen durch das ganze Becken, der nutzt diese Zeiten: Früh am morgen, mittags oder an den kühleren Tagen, an denen das Wasser wärmer ist als die Luft. Dann ist die Bewegung richtig angenehm.

Die letzten heißen Tage haben dem Freibad einen kleinen Run beschert. Über 700 Gäste waren es an einem Tag. Nicht gleichzeitig, denn maximal 500 dürfen hinein, davon höchsten 150 ins Wasser. Kontrolliert wird über ein Chip-System. Jeder Eintretende erhält die orangefarbene Münze, etwa so groß wie ein Ein-Euro-Stück. Beim Verlassen des Bades wird sie in einen Eimer mit Desinfektionsflüssigkeit geworfen. Parat für die Nächsten.

Über 9000 Gäste haben das Freibad bis jetzt besucht. Am stärksten Tag, einem heißen Freitag, waren es 720, den Sonntag drauf nochmal um die 700. Bademeister Schütz ist zufrieden, sein Team am Beckenrand ebenfalls. Die Regelungen sind einfach: Einbahnstraßensysteme beim Eintritt und Verlassen des Bades. Ist wenig los, wird das unerheblich. Bahnenschwimmen ist leichter möglich, wenn es leerer ist, ansonsten gilt die Abstandsregel. Hier muss das Team öfter eingreifen. Und wenn es darum geht, Nichtschwimmer aus dem Schwimmerbecken zu holen.

Unterricht

mit der DLRG

Ein kleines Mädchen, das am Hals des Papas "klebt", ist so ein Fall. "Kannst du schon schwimmen?", fragt Hanna Knapp das Kind. Sie gehört zu den ehrenamtlichen Helfern der DLRG, die stundenlang am Beckenrand stehen. Das Mädchen und der Vater stutzen. "Ich nehme Dir gerne das Seepferdchen ab", erklärt Hanna. "Dann darfst Du ins tiefe Wasser." Beide verlassen das Schwimmerbecken. "Es gibt immer wieder Eltern, die ihre Kinder überfordern", weiß Bademeister Schütz. Wenn dann etwas passiert, kann es schwierig werden.

Gleiche Situation, ein paar Minuten später. Ein noch viel kleinerer Junge hängt am Arm der Mutter im tiefen Becken. Die Schwimmfrage beantwortet er mit einem "Ja". Das will Hanna sehen. Wie ein kleiner Pfeil schießt das Kind die 25 Meter bis zu den Startblöcken durchs Wasser. Schon viel weiter vorne winkt die Rettungsschwimmerin ab. Alles okay. Die Oma ist stolz, die Mutter nicht ganz so glücklich. Wusste sie doch, dass ihr Kind schwimmen kann. "Seien Sie doch froh, dass wir das kontrollieren", beschwichtigt Hanna. Und der kleine Vinzenz, der voller Begeisterung gezeigt hat, was er kann, bekommt zur Belohnung noch eine Tafel Schokolade. Der Ton macht die Musik. So ist das in Elz: "Wir wollen ja nicht zu einem Corona-Hotspot werden", sagt Bademeister Peter Schütz. Aber zu viele Regeln zur falschen Zeit - es kommt immer auf die Situation an. "Man muss mitdenken", sagt er. Immer wieder geht die Fragen an Badegäste: "Seid Ihr Geschwister? Lebt Ihr im gleichen Haushalt?" Ganz am Anfang mussten auch die Familienmitglieder Abstand halten - weil die Aufsicht nicht wissen kann, wer zusammengehört. Das hat sich mittlerweile herauskristallisiert. "Und so viel Eigenverantwortung muss auch sein, dass ich das beachte", sagt Bademeister Schütz.

Das gilt für die Erwachsenen. Bei den Jugendlichen fragt das Team noch öfters nach. Denn nach wie vor ist der sinnvolle Abstand wichtig, auch im gut gechlorten Wasser des Elzer Freibades.

Das sagen Badegäste und Aufsichtsteam

Leon (12) liebt das Wasser. "Weil es Spaß macht", sagt er. Man sieht's, sobald er davon erzählt. "Schon als Dreijähriger konnte er schwimmen", erzählt seine Oma Erika Hahn. Die 63-Jährige geht so oft sie kann ins Freibad. Noch ist sie berufstätig. "Nächstes Jahr gehe ich jeden Tag", freut sie sich schon jetzt. Leon ist ein Schwimmtalent. Ihm hat es genutzt, dass sie ihn von Anfang an mitgenommen hat. "Als Zweijähriger ist er zum ersten Mal vom Drei-Meter-Brett gesprungen. Mit Schwimmflügeln", erzählt sie. Das "Corona-Baden" beeinträchtigt die beiden nicht. In den Zeiten, in denen wenig los ist, können sie alles, so wie sonst auch. Und: "Ich würde wohl nicht so oft gehen, wenn man online im Voraus buchen müsste", sagt die Elzerin. Ihr ist das Chip-System lieber. Wenn das Freibad voll ist, dann geht es eben nicht.

Das meint auch eine Staffelerin, die mit einer Freundin aus Freiendiez gekommen ist. Sonst wären sie im Limburger Parkbad. Gerade haben sie sich mit Elz richtig angefreundet. Berthold Zimmer geht jeden Tag ins Becken, immer morgens. Allerdings erst seit diesem Jahr, vorher war er beruflich zu sehr eingespannt. "Ich bin der einzige Rentner, der Zeit hat", schmunzelt der 66-Jährige. Liss Friedrich (67) und Doris Schmidt (70) halten es ebenso. Manchmal setzen sie noch eins drauf, kommen auch am Mittag. Herta Will aus Lindenholzhausen holt sich seit 21 Jahren eine Saisonkarte für das Elzer Freibad. Weil sie aus der Gemeinde stammt und den Sport hier schätzt. "Das hält fit", sagt die 76-Jährige.

Marco Schmaler nimmt sich extra Urlaub, um seinen ehrenamtlichen Job als DLRG-ler am Beckenrand zu erfüllen. Manchmal düst er mit dem Elektroroller über das Außengelände, um nach dem Rechten zu sehen. Hanna Knapp bleibt am Beckenrand. Die Lehrerin steckt ebenfalls viel Freizeit in den ehrenamtlichen Job. Zu den Höhepunkten gehören die Erfolge: Gerade nimmt Hanna zwei Kindern das bronzene Schwimmabzeichen ab. Colin bewegt sich wie ein Fisch im Wasser, Kira fällt es schwerer, die 20 Minuten Brust- und Rückenschwimmen durchzuhalten. Hanna läuft mit, fragt, unterhält, motiviert, bringt das Kind dazu, es zu schaffen. "Das tun wir doch viel lieber, als die Leute zu ermahnen, weil sie sich nicht an die Regeln halten", sagt Marco. Und ja: "Klar", beantwortet Hanna die Frage, ob sie selbst gerne schwimmt.

Die meiste Zeit passen sie von außen auf. Aber das tun sie auch: Schwimmen vor oder nach ihrer mehrstündigen Schicht. Nele Kemmerer gehört mit zum DLRG-Team, Thomas Albrecht zu den Hauptamtlichen. Sie stehen oder sitzen gemeinsam am Beckenrand. "Alleine könnten wir das gar nicht schaffen", sagt Bademeister Peter Schütz.

In Spitzenzeiten waren die DLRG-ler mit acht Leuten vor Ort. "Und woher wissen Sie, ob mehr als 150 Leute im Becken sind?", fragt eine Taucherin aus Limburg. "Wir zählen", erklärt Hanna Knapp. Die einfachste Methode. Wird es zu voll, folgt eine Durchsage. 23 Frühschwimmer waren es an diesem Montagmorgen. Bei schönem Wetter kommen Hunderte Gäste, ist es kühler, entsprechend weniger.

Angst vor dem Coronavirus haben sie hier nicht. "Wir fühlen uns sicher", sagt Waltraud Zimmer. Nicht nur das: "Das ist doch wie im Urlaub", meint die Elzerin und teilt mit ein paar kräftigen Zügen das Wasser. Morgens in aller Frühe, wenn das Becken noch leer ist und sich ganz plötzlich füllt: Das ist ein Gefühl wie im Pool eines großen Hotelkomplexes. Nur dass dieses Bad mit seinen 50-Meter-Bahnen wohl noch um einiges größer ist und in der Heimatgemeinde liegt. "Und nachher gehen wir ans Frühstücksbüffet", scherzt ein Badegast. "Sie werden lachen, das haben wir schon gemacht", sagt Waltraud Zimmer. Die Frühstückssachen mitgebracht und nach der Zeit im Wasser auf der Wiese gemeinsam den Morgen genossen. Das wird dieses Jahr nicht klappen. So machen sich die Auswirkungen der Pandemie bemerkbar. Im Wasser nicht. Das tut allen gut.

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