Die Leistungsturnerinnen des Elzer TV sind froh, wieder zusammen auf dem Turnplatz trainieren zu dürfen.
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Die Leistungsturnerinnen des Elzer TV sind froh, wieder zusammen auf dem Turnplatz trainieren zu dürfen.

Erfolgreiche Sportler geehrt

Elz: Sportlich hoch hinaus trotz Corona

  • vonRobin Klöppel
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Digitale Ehrungsfeier - Turnabteilung meistert mit besonderen Angeboten die Krise

Elz -Die Sportlerehrung der Gemeinde Elz wurde dieses Jahr erstmals nicht im Bürgerhaus, sondern als Folge des Corona-Lockdowns virtuell durchgeführt. Die Zahl der Aktiven, die Bürgermeister Horst Kaiser (CDU) am Sonntag ehren durfte, war aber sehr überschaubar. Denn in vielen Sportarten fanden im vergangenen Jahr kaum oder gar keine Spiele und Wettkämpfe statt.

Trotzdem kann man aber als heimischer Sportverein erfolgreich durch die Pandemiesituation kommen, wie ein Gespräch mit den Trainerinnen des Elzer Turnvereins Elena und Sophia Stähler zeigt.

Die Turnabteilung des größten Elzer Sportvereins hat die vergangenen Monate durch Videotraining sogar noch Aktive dazugewonnen, wie Elena Stähler erzählt. Gerätetraining in der Halle ist derzeit noch nicht erlaubt. Jedoch können sich die jüngeren Sportler bis 14 Jahre zu Trainingsstunden auf dem weiträumigen Platz hinter der vereinseigenen Turnhalle treffen, wo Abstände untereinander problemlos eingehalten werden können.

Während der ganzen Zeit habe die Abteilung nur eine Aktive verloren, sagt Elena Stähler. Dieser Rückzug habe aber nichts mit Corona zu tun gehabt. "Entscheidend ist, alternative Angebote zu machen, sich weiter um seine Sportler zu kümmern", rät Elena Stähler. Sie kenne nämlich auch Sportvereine, die während der vergangenen Monate überhaupt nichts mehr getan hätten. Und wenn man über Monate kaum Kontakt zu seinen Aktiven pflege, dann könne man auch schnell Nachwuchssportler verlieren.

Die Auswirkungen der Pandemielage auf den Sportbetrieb hat auch dem Elzer Turnverein zunächst einmal sehr wehgetan. Die Leistungsturnerinnen des Landesliga-Kaders hatten sich top auf die Saison vorbereitet, wollten den Aufstieg schaffen und dann kam eine Woche vor dem ersten Wettkampf der Lockdown.

Doch die depressive Phase der Turnerinnen hielt nicht lange an. Sie machten weiter, und zwar drei Mal die Woche Onlinetraining und noch einmal die Woche Zusatztraining. Für Kraftübungen, Radfahren oder Laufen braucht man ja keine Gruppe. Beim Onlinetraining gab es sogar Hausaufgaben, die die pflichtbewussten Leistungsturnerinnen laut ihrer Trainerin aus eigener Motivation auch konzentriert abarbeiteten. Fünf Aktivengruppen der Turnabteilung machen derzeit beim TV Elz Online-Training. Drei der Gruppen können mittlerweile auch zusätzlich wieder auf dem Turnplatz trainieren.

War es für die Jüngeren wirklich ein psychisches Problem, sich über Wochen nicht persönlich zu sehen? Sophia Stähler erzählt, dass es für die Vier- und Fünfjährigen sogar ein Riesenspaß gewesen sei, sich erstmals über Kameras unterhalten zu können.

Fehlende Wettkämpfe

Da der TV in der Corona-Zeit etwas geboten habe, sei er belohnt worden und habe neue Mitstreiter gewonnen, die in der Pandemiephase eben nach anderen Möglichkeiten gesucht hätten, sich in einer Gemeinschaft weiter sportlich zu betätigen. Theoretisch könnten die Stähler-Zwillinge auch die Turngeräte raus auf den Turnplatz holen. Aber Elena sagt, dass sie bei der wechselhaften Witterung nicht die Matten verdrecken wolle.

"Am Onlinetraining beteiligen sich 90 Prozent unserer Aktiven", freut sie sich. Die Eltern der Kinder seien froh, dass vom TV weiterhin viel geboten werde. "Das einzige, was die Motivation hemmt, sind die fehlenden Wettkämpfe", so Elena Stähler. Darum starte der TV eben immer wieder interne Wettkämpfe per Video. Wer schafft den längsten Handstand, wer die meisten Hampelmänner? So behalten die Turner ihre Sportbegeisterung. Elena Stähler sagt: "Der Vorteil momentan ist, dass man ohne Wettkampfdruck auch mal Zeit hat, neue Sachen zu üben, wie zu Beispiel einen Handstand rückwärts."

Turnerin Mira Kuhoff hat trotz Corona weiter Spaß beim TV. "Ich kann mehr neue Sachen ausprobieren als sonst", berichtet die Zwölfjährige strahlend. So habe sie Überschläge und Saltos getestet. Natürlich sei es aber auch schön, die Turnfreundinnen nun wieder regelmäßig auf dem Turnplatz zu sehen.

"Viele sind ja nicht aus Elz und sind über den Sport Freundinnen geworden", so Sophia Stähler. Folglich würden sich die meisten Turnerinnen ohne Training nicht sehen. Ja, der Coronabetrieb hat natürlich auch seine Schattenseiten. Kim Eufinger ist darum glücklich, dass sie wieder mit ihren Kolleginnen draußen gemeinsam trainieren kann. "Daheim zu trainieren, ist einfach ungewohnt. Da habe ich zum Trainieren auch nicht so viel Platz", so die Zwölfjährige.

Jacqueline Dennes ist eine der Aktiven, die die Landesliga rocken wollten und somit eine der hauptbetroffenen im TV: "Wir waren gerade in Höchstform, auf den ersten Wettkampf fokussiert, und dann kommt so ein Lockdown", berichtet die 18-Jährige. Seit November habe sie nicht mehr an Geräten trainieren können, sagt sie. "Ich denke, man braucht ein halbes Jahr Training an den Geräten, um wieder in Topform zu kommen. Ich befürchte sogar, nie mehr dorthin zu kommen, wo ich zuletzt war", sagt Jacqueline.

Ausgezeichnet für besondere Leistungen

Corona hat sich auch stark auf die Sportlerehrung der Gemeinde Elz ausgewirkt. Durch ausgefallene Wettkämpfe waren es "nur" 37 Kreis- bis Deutsche Meister, die ausgezeichnet werden konnten. 2020 waren es noch 168 Aktive, die in Elz lebend oder für Elzer Vereine erfolgreich unterwegs waren. Wie Bürgermeister Horst Kaiser (CDU) berichtete, seien derzeit 4102 Aktive in den 16 Elzer Sportvereinen verzeichnet. Am erfolgreichsten im vergangenen Jahr war Jonathan Noll vom Turnverein, der Deutscher Meister im Rasenkraft-Dreikampf sowie Vizemeister im Gewichtswurf und Steinstoßen wurde. Insgesamt 20 Teilnehmer hatten sich zur virtuellen Sportlerehrung der Gemeinde zugeschaltet. Klasse fand es Kaiser, dass sich Leistungsturnerin Thea Klämt, Siegerin des Hessischen Qualiwettkampfs der Deutschen Jugendmeisterschaften Kunstturnen, aus dem Auto auf dem Heimweg vom Training extra zugeschaltet hatte. Der Bürgermeister betonte die Wichtigkeit der digitalen Ehrung. Es gehe zunächst einmal darum, die besonderen Leistungen und Erfolge der Elzer Sportler unter erschwerten Bedingungen zu würdigen. Diese seien ein Aushängeschild für die Gemeinde.

Es gehe auch darum, den Vereinen und ihren Betreuern und Vorständen für ihr Engagement zu danken. Deren Arbeit, vor allem in der Jugendarbeit, sei für die Gemeinde unverzichtbar. Darum unterstütze diese den Sport mit Zuwendungen und sorge zudem für eine entsprechende Sportstätteninfrastruktur. Kaiser erklärte: "Durch die Corona-Pandemie steht jetzt seit über einem Jahr fast alles still. Auch der Sport und die Vereine leiden unter der Situation." Das Training könne nicht stattfinden. Vereinsmitglieder mit ihren Beiträgen würden zudem dahinschwinden.

Ausgezeichnet wurden: Turnverein: Thea Klämt, Sophie Michel, Maja Trinker, Pheliné Walker, Jolina Lühs, Kai-Dominik Hoppe, Maximilian Förster, Amelie Breuer, Jonathan Noll, Nico Lauf, Sebastian Martin, Emma Wörsdörfer, Leonie Weichel, Leni Neundter, Joleen Braas, Vincent Englisch, Kai Hartmann, Julian Lauf, Lean Reitz, Katharina Petri, Alexander Witting, Phiipp und Ole Sander; LG Dornburg: Ina Ehrmann; Judo-Club: Silas Braun, Artemj Lihovoj, Reit- und Fahrverein: David Vogel, Robin Nels, Mareike Leicher, Lara Schüren, Tischtennis-Club: Jannis Reinhardt, Philipp Kirsch, Max Lante; Schützenverein: Helmut Erdkamp, Peter Welker, Cornelia Welker-Günther und Michael Wirth.

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