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Anne Olschewski (von links), Silke Diefenbach und Benedikt Michel freuen sich über die Eröffnung des Fairteilers in Elz.

"Foodsaver" sind aktiv

Elz: Teilen statt wegwerfen

Gegen Lebensmittel-Verschwendung gibt es nun den Fairteiler im Hof des Jugendhauses.

Elz -Seit Donnerstag gibt es in Elz einen Fairteiler. Das ist ein Ort, zu dem alle Menschen Lebensmittel hinbringen können und an dem sich jeder genauso an den "geretteten" Produkten bedienen darf. Der Fairteiler Elz befindet sich im Hof des Jugendhauses in der Lehrgasse 14. Außer sonntags ist er täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet.

Die Initiative zur Einrichtung eines Fairteilers in Elz kam von Benedikt Michel. Der 29-Jährige hatte solche Lebensmittel-Rettungsstationen während seines Studiums in Bremen kennengelernt. "Mal habe ich was gegeben, mal was genommen", erinnert er sich. Dabei gehe es nicht nur um Waren, die der Handel nicht mehr verkaufen kann. "Als wir unsere Wohngemeinschaft aufgelöst hatten, gab es zum Beispiel eine Menge Vorräte, die keiner mitnehmen wollte, obwohl sie noch gut waren ", erzählt er. Die habe man dann in den Fairteiler gegeben.

Zurück in seiner Heimatgemeinde nahm Benedikt Michael mit dortigen "Foodsavern" (Lebensmittelrettern) Kontakt auf. Zudem konnte er seine sozialdemokratischen Parteifreunde von der die Idee eines Fairteilers überzeugen. Anfang April regte die SPD-Fraktion an, die Errichtung an geeigneter Elzer Stelle für die nächste Gemeindevertretersitzung auf die Tagesordnung zu nehmen.

Große Hilfe

der Gemeinde

"Dann ging alles ganz schnell", freut sich Silke Diefenbach (49), die zusammen mit Benedikt Michel den Fairteiler betreut. Bereits kurz vor den Sommerferien sprach sich das Parlament einstimmig für das Projekt aus. Kurze Zeit später habe Bürgermeister Horst Kaiser (CDU) gemeinsam mit den "Foodsavern" überlegt, wo sich ein Fairteiler in Elz realisieren lässt. Der Standort hinter dem Jugendhaus fand allgemeine Zustimmung.

"Die Gemeinde hat den kleinen Raum umgebaut, elektrische Leitungen verlegt, Regale eingezogen und sogar einen tollen Kühlschrank mit Glastür liefern lassen", freut sich Benedikt Michel. Auch das Fairteiler-Schild über der Eingangstür und die Plakate habe Kommune fertigen lassen. "Besser geht nicht", lobt Silke Diefenbach.

Anne Olschewski (60) aus Staffel gehört zu den Gründern der "Foodsharing"-Bewegung in der Region. Das war 2017. Die bundesweite Initiative gegen Lebensmittelverschwendung entstand mit dem Ziel, überproduzierte und nicht gewollte Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten. Stattdessen sollen sie unentgeltlich an Interessierte, Bedürftige und Organisationen verteilt werden.

Im Großraum Limburg-Diez beteiligen sich bislang etwa 60 Betriebe am Foodsharing. Hinzu kommen rund 180 aktive Lebensmittelretter. Das sind ehrenamtliche Helfer, die die Waren zu festen Terminen bei den Betrieben abholen und zu den Verteilstationen bringen. Neben dem neuen Fairteiler in Elz gibt es einen öffentlichen Ablageort in Staffel, im Limburger Müze und in Katzenellenbogen. Außerdem werden jeweils dienstags und freitags um 18 Uhr gerettete Lebensmittel im Hadamarer Ikufaz bereitgestellt und immer samstags um 11 Uhr beim Willkommenskreis Diez.

"Es geht nicht um Bedürftigkeit, sondern um Nachhaltigkeit", betont Anne Olscheweski. So würden allein in der heimischen Region pro Woche 300 bis 500 Brötchen und rund 50 Brote vor der Mülltonne gerettet.

Hygienestandards

einhalten

Silke Diefenbach gehört schon länger zum Team der "Foodsaver" und holt regelmäßig übriggebliebene Waren bei den Kooperationspartnern ab. "Wenn wir eine Kooperation eingehen, dann verpflichten wir uns, die Lebensmittel auch zum vereinbarten Termin entgegenzunehmen", betont sie. Beim Naturkostladen "Biotop" beispielsweise würde eine Kiste mit allen nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln bereitgestellt. Dort werde dann die Ware sortiert und weggeworfen, was nicht mehr zum Verzehr geeignet ist. Bei der Güte von Lebensmitteln, die sie dann zum Verteilen mitnimmt, hat Silke Diefenbach jedoch nicht nur Menschen im Sinn. "Welker Salat, gedrückte Tomaten oder Möhren mit dunklen Flecken können ja immer noch als Tierfutter Verwendung finden", betont sie.

Die stetige Betreuung des Faiteilers in Elz wollen Silke Diefenbach und Benedikt Michel gemeinsam übernehmen. Dazu gehört nicht nur das pünktliche Öffnen und Schließen der Eingangstür, sondern auch das Saubermachen. Denn wo es um Lebensmittel geht, müssen Hygienestandards eingehalten werden.

Kerstin Kaminsky

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