Die Arfurter "Steimelsbuam" durften sich Samstag auch wie YouTube-Stars fühlen.
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Die Arfurter "Steimelsbuam" durften sich Samstag auch wie YouTube-Stars fühlen.

Närrisches im Internet

Elz: Über fünf Stunden Kappensitzung im Livestream

  • vonRobin Klöppel
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Aus Beiträgen auf der Bürgerhaus-Bühne und Videoeinspielern entsteht coronakonformes Programm

Elz -Die längste Livestream-Kappensitzung Deutschlands mit knapp über fünf Stunden Programm soll Samstagabend aus dem Elzer Bürgerhaus gesendet worden sein. Dies ist zumindest der Kenntnisstand von Organisator Eric Schröder, der im Netz vorher gecheckt hatte, was in der kontaktlosen Corona-Kampagne 2020/21 zwischen Köln und Mainz online passiert. Mitten in der Show unter der Schirmherrschaft des Elzer Bürgermeisters Horst Kaiser konnten die beiden Moderatorinnen Konstanze Neu-Müller und Ulrike Wingenbach stolz verkünden: "Die 10 000-er-Marke an Zuschauern ist geknackt."

Schröder, Inhaber der Elzer Veranstaltungsagentur Diamond Media Events, hatte es clever gemacht, um möglichst viele Fassenachter aus der Region zum Zuschauen zu mobilisieren. Denn die Aktiven, die sich live von der Bürgerhaus-Bühne oder per Videoeinspieler beteiligten, kamen neben Elz aus vielen Kommunen: Limburg, Hadamar, Diez, Bad Camberg, Hundsangen, Dornburg, Brechen, Runkel und Beselich. Sogar das Kölner Dreigestirn, der Limburger Bürgermeister Marius Hahn und der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch ließen sich zuschalten. Groß verdienen kann Schröder, der vor einem Monat die Idee zur Internetsitzung hatte, nichts mit dem Abend. Denn einen ganzen Monat lang waren der Elzer Jungunternehmer und sein Team fast nur mit der Vorbereitung dieser Veranstaltung beschäftigt.

Ein Gewinn für alle Beteiligten

Zunächst galt es, die ganze regionalen Fastnachtsvereine zu kontaktieren, wer mitmachen würde. Dann wurde vor drei Wochen bereits mit dem Aufbau im Elzer Bürgerhaus begonnen, da das Team von Diamond Media Events - Samstag alleine 20 Leute - sogar die Bühnenkulisse selbst gebaut hat. Zum Glück fand Schröder einige heimische Unternehmen als Sponsoren - "und wenn wir über Paypal von den Zuschauern noch einiges an Unterstützung reinkriegen, dann geht es", so Schröder", "für mich Null auf Null auf".

Trotzdem hat sich die Veranstaltung in Zeiten, in denen sonst kaum etwas stattfindet, für beide Seiten gelohnt. Schröder hat in der Region Werbung für seine Agentur, die aktiven Fastnachter konnten über ihn ihre Tradition am Leben halten. Dafür nahmen viele einen hohen Aufwand in Kauf. Der Hadamarer Pfarrer Andreas Fuchs beispielsweise war schon um 18.30 Uhr im Bürgerhaus, obwohl er erst als Letzter kurz vor Mitternacht dran war. Denn jeder Mitwirkende und Mitarbeiter musste vor der Show einen Corona-Schnelltest absolvieren, um Einlass zu erhalten.

Trotz der negativen Tests mussten die Teilnehmer untereinander Abstand halten. Jeder bekam seinen eigenen Tisch mit Getränken, Chips und süßen Naschereien. Wer nicht dort saß oder gerade auf der Bühne stand, musste eine FFP2-Maske tragen. Alles war auf der Bühne aufgrund der Corona-Bestimmungen nicht möglich. Mehr als drei Personen gleichzeitig durften zum Beispiel nicht auftreten. Zum Glück hatten aber zahlreiche bekannte heimische Tanzgruppen vom "Royal Ballett" über "Ragazzi" bis zur KG Hadamar Videos eingereicht. Die Programm-Mischung stimmte mit zugeschalteten Wortbeiträgen, die aus dem eigenen Garten, Arbeitszimmer oder gar wie im Fall von Bernd Schmitt von der Elzer Elbbachbrücke gesendet wurden. Auf YouTube und Facebook konnten die Zuschauer dann mit ihren Kommentaren direkt auf das Sitzungsgeschehen reagieren.

Live ist live und so wurde beim "Brecher Mattes" mal der falsche Song eingespielt, funktionierte ein Mikro nicht oder war Schröder als Ansager der Videos mal zu spät am Platz. Insgesamt waren das alles aber eine klasse Idee und eine unvergessliche Show mit hochprofessioneller Bühnentechnik bis hin zum Konfettiregen.

Trotzdem wünscht sich die Erste Elzer Beigeordnete und frühere Fastnachtsprinzessin Ingrid Friedrich keine Wiederholung im nächsten Jahr. 2022 sollten die Leute wieder normal zusammensitzen und Küsschen verteilen dürfen. Marten Cornel Fuchs, Sänger der Arfurter Boygroup "Steimelsbuam", sagte: "Was Eric Schöder hier macht, ist toll. Das ganze Nassauer Land ist hier mit Aktiven vertreten.". Gerd Hammrich von den Elzer "Rotjacken" findet das Event ebenfalls klasse, "denn wir haben dadurch als Fassenachter Aufmerksamkeit".

Partysänger Matthias Ehrlich aus Niederbrechen erzählt offen: "Ich vermisse die wöchentlichen Auftritte normaler Kampagnen stark. Aber das hier in Elz ist super gemacht und es ist für mich toll, hier auftreten zu dürfen." Uli Vogelrieder, Präsident des Rings Limburger Carneval, sagt: "Ich habe in der Kampagne die Geselligkeit und das Miteinander vermisst. Ein Top-Job von Eric Schröder, der dabei hilft, das Brauchtum in der Region am Leben zu halten".

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