Anhand von Bildern und Info-Texten macht sich Ingeborg Deisel mit ihrem neuen Zuhause in Frickhofen vertraut. Mit dabei ist Heimleiter Christoph Höhn.
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Anhand von Bildern und Info-Texten macht sich Ingeborg Deisel mit ihrem neuen Zuhause in Frickhofen vertraut. Mit dabei ist Heimleiter Christoph Höhn.

Senioren ziehen um

Elz: Umsiedlung ins andere Heim mit Ängsten verbunden

St. Josefshaus wird kernsaniert - Senioren wohnen so lange in St. Blasius in Frickhofen.

Elz -Seit gestern steht das St. Josefshaus leer. Alle Bewohner sind in das neu errichtete Seniorenzentrum St. Blasius in Frickhofen umgezogen. Wie es jetzt mit dem Altenpflegeheim im Elz weitergeht, das erklärten Heimleiter Christoph Höhn und Othmar Hicking, der Abteilungsleiter Seniorendienste beim Caritasverband für den Bezirk Limburg, im Gespräch mit der NNP. Dabei blickten sie auf die Geschichte des Hauses zurück.

"Ganz früher stand hier ein Kloster der Dernbacher Schwestern", weiß Othmar Hicking. "Und schon damals ging es an diesem Ort um Fürsorge und Mitmenschlichkeit." Nach dem Abriss des Schwesternhauses erfolgte 1987 der erste Spatenstich für das seinerzeit zukunftsweisende Altenzentrum mit 85 Plätzen, die meisten davon im Einzelzimmer, und 1989 zogen die ersten Bewohner ein.

Bereits seit Sommer des vergangenen Jahres wurden frei werdende Plätze im St. Josefshaus nicht neu vergeben. So hatte sich die Zahl der Bewohner nach und nach auf 60 reduziert. Deren Umzug nach Frickhofen erfolgte am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche. "Wir haben uns größte Mühe gegeben, den Transport der Senioren so ruhig und verträglich wie möglich zu machen", so Heimleiter Höhn. Eigene Kleinmöbel, Bilder und persönliche Dinge seien bereits vorab durch eine auf den Umzug von Pflegeheimen spezialisierte Firma nach Frickhofen gebracht worden, so dass die Bewohner dort in vertraut eingerichteten Zimmern willkommen geheißen werden konnten. Auch die neuen Gemeinschaftsräume und die Kapelle sind mit viel Wiedererkennungswert gestaltet.

Das St. Josefshaus wird über den Zeitraum von zwei Jahren stillgelegt und in dieser Zeit umfassend kernsaniert. Es entstehen 75 Plätze inklusive eines geschützten Wohnbereichs für dementiell erkrankte Menschen mit einem ungesteuerten Bewegungsdrang. Ein Novum im Landkreis wird eine Abteilung mit acht Plätzen für Pflegebedürftige im jüngeren Alter sein. "Stellen Sie sich einen lebenslustigen Menschen nach einem schweren Motorradunfall vor", so Hicking. "Solche nicht senioralen Pflegefälle waren bisher in den klassischen Einrichtungen untergebracht, wo sie sich verständlicherweise fehl am Platze fühlen mussten."

Auch einen Wohnbereich für Menschen, die noch weitgehend selbstständig leben können, aber durch eine Sozialstation begleitet werden, wird es im sanierten St. Josefshaus wieder geben. Insgesamt acht für Paare oder Einzelpersonen geeignete Wohnungen werden dafür im zweiten Obergeschoss zur Verfügung stehen.

Alles erfolgt per Handarbeit

Warum die Sanierung des St. Josefshauses länger dauert als der Neubau von Frickhofen, erläuterte Christoph Höhn: "Anders als beim Neubau, wo vielfach vorgefertigte Bauteile verwendet werden können, muss im Bestand nahezu alles per Handarbeit erfolgen". Am einfachsten ließe sich das anhand von Bädern erklären, die in das Haus St. Blasius komplett eingerichtet mit dem Kran eingefügt wurden. In Elz hingegen müsse erst einmal jedes Waschbecken und jede Wandfliese abgebaut werden. "Hätten wir die Sanierungsarbeiten im laufenden Betrieb vorgenommen, hätte die Bauzeit sechs oder sieben Jahren gedauert und die Bewohner hätten lange unter Lärm und Staub leiden müssen. Deshalb sei es besser, das Haus für eine Weile unbewohnt zu lassen. Nach Abschluss der Arbeiten können die Bewohner, sofern sie es wollen, nach Elz zurückkehren.

Natürlich sei die Umsiedlung bei den alten Menschen mit Ängsten und mit Melancholie verbunden, weiß Höhn. Doch bliebe der Kontakt nach Elz durch die Vereine und bei kirchlichen Veranstaltungen erhalten.

Höhere Kosten

"Ich lass' das alles ein einfach auf mich zukommen", sagte Ingeborg Deisel (87). Sie wohnt seit drei Jahren im St. Josefshaus und ist sicher, dass es ihr auch im St. Blasiushaus gefallen wird.

Bedauerlich für manche Bewohner ist allerdings die mit dem Umzug verbundene Erhöhung der Kosten. "Für unsere Mutter mit Pflegestufe 4 zahlen wir ab Oktober etwa 500 Euro pro Monat mehr als bisher im St. Josefshaus. Und das, obwohl das Zimmer kleiner ist", sagte Gerhard Bertram aus Elz. Zwar sei ihm bewusst, dass die übliche Erhöhung von etwa 220 Euro im vergangenen Jahr ausgesetzt worden sei und nun greife, doch sei er sehr überrascht vom neuen Heimentgelt.

Die Caritas erklärt den Preisanstieg mit sogenannten betriebsnotwendigen Investitionskosten, die im St. Josefshaus bei circa 11 Euro pro Tag gelegen haben, im Haus Blasius jedoch etwa 19 Euro betragen. (Von Kerstin Kaminsky)

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