Mit geöffneten Armen empfing Pfarrer Steffen Henrich die in der Kirche verteilten Besucher zum ersten Gottesdienst.
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Mit geöffneten Armen empfing Pfarrer Steffen Henrich die in der Kirche verteilten Besucher zum ersten Gottesdienst.

Kirche

Elz: Ungewohnte Gottesdienste

Pfarrkirche St. Johannes der Täufer mit Anmeldung, Flatterband und Einbahnwegen. Nur jede zweite Reihe kann genutzt werden.

"Es war toll, ich war sogar ein bisschen aufgeregt, immerhin war schon sechs Wochen kein Gottesdienst mehr", schmunzelte Pfarrer Steffen Henrich nach seinem ersten Corona-Gottesdienst am Samstag. Er betrat die Elzer Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, genau wie die Ordner und die Gottesdienstbesucher, mit Maske, nahm sie aber am Altar ab und begrüßte die Besucher freudig.

69 Menschen in den unterschiedlichsten Altersgruppen waren der Einladung zur gemeinsamen Eucharistiefeier am Samstagabend gefolgt, alle hatten sich telefonisch vorher angemeldet und hinterließen, wie gewünscht, Namen und Adresse an der Kirchentür, um Infektionswege im Notfall nachvollziehbar zu machen. Zum Gottesdienst am Sonntag kamen 61 Personen.

Die Predigt an diesem "Guter-Hirte-Sonntag", wie der vierte Sonntag der Osterzeit gerne genannt wird, passte hervorragend zum Anlass: Jesus, der gute Hirte, hat seine "Schäfchen" nach sechs Wochen wieder um sich versammelt. In einer Situation, die zeigt, dass Menschen nicht alles in der Hand haben, sind Glauben und Nächstenliebe etwas, was jedem Einzelnen helfen kann. Als Beispiel für Gottvertrauen und Hoffnung auch in schwierigen Zeiten beschrieb der Pfarrer die Geschichte einer erfolgreichen Schauspielerin, die alles im Überfluss hatte, dennoch eine Depression bekam und schließlich entdecken musste, dass ihr ganz andere Werte als materielle Güter aus dieser Krise halfen.

Gemeinsames Singen

ist verboten

Die Kirche war mit Kerzen festlich erleuchtet. Pfarrer Henrich bedauerte, dass nicht gemeinsam gesungen werden konnte. Trotzdem verschönerte Musik die Liturgie. Dafür sorgten am Samstag Organist Thomas Friedrich und Solistin Christel Schmitt unter anderem mit den Liedern "Beim letzten Abendmahle" und "Freu dich du Himmelsköngin". Am Sonntag wurde die Musik von der Familie Michel übernommen - während Vater Josef Michel Orgel spielte, sangen Mutter und Töchter.

Ungewohnt war die Sitzordnung. Während viele Gottesdienstbesucher gewöhnlich immer den gleichen Platz aufsuchen, war es diesmal ganz anders: Jede zweite Reihe war sorgfältig mit Flatterband gesperrt, jeweils zwei Besucher teilten sich eine Reihe. Nur Familien saßen zusammen. "Sonst sitze ich immer in Reihe 17", berichtete ein Besucher, "und das ist auch deswegen schön, weil ich meine Banknachbarn alle kenne und genau weiß, wer vor oder hinter mir sitzt. Mein Hausarzt sitzt zum Beispiel immer in Reihe 19. Aber das wird ja demnächst wieder so sein - Hauptsache, ich war mal wieder im Gottesdienst."

Nach dem Gottesdienst zusammenstehen und plaudern war nicht möglich, daran erinnerte der Pfarrer schon während der Begrüßung. Er berichtete aber, dass im Vorfeld viele Gläubige angerufen und sich entschuldigt hatten - wegen Krankheit, wegen Angst vor Ansteckung, wegen Unsicherheit. "Gut, dass alle so vernünftig sind", sagte der Seelsorger. "Es muss ja auch nicht jeder kommen. Wir schließen im Gottesdienst alle ein, die mit uns verbunden sind." Die Pfarrgemeinde auch schon die ersten Gottesdienst-Erfahrungen gemacht. So wird der Pfarrer ab sofort die Kommunion zuerst an die Gemeinde verteilen und dann erst die Hostie selbst nehmen, "damit meine Hand nicht so nah an den Mund kommt", resümiert er.

Wer an den Gottesdiensten in Elz teilnehmen möchte, wird gebeten, sich kurz telefonisch anzumelden. Es geht auch darum, dass ausreichend Sitzplätze für ältere Menschen vorhanden sind. Natürlich wird versucht, auch diejenigen, die sich nicht angemeldet haben, unterzubringen. Am Eingang der Kirchen stehen Desinfektions-Möglichkeiten für die Hände bereit. Das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes ist bis zum Einnehmen des Sitzplatzes Pflicht. Die Laufwege in der Kirche sind als Einbahnwege markiert, es gibt einen separaten Ausgang. anette in Concas

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