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Aus der ehemaligen Holzbrücke wurde ein Steg für Fußgänger und Radfahrer mit nur zweieinhalb Metern Breite .

Für Radler und Fußgänger

Elz: Von der Holzbrücke zum Steg

Am 20. November vor 50 Jahren wurde die Bach-Querung im Elbtal eingeweiht

Elz -Brücken verbinden Menschen, Kulturen, Ufer und Wege. Und selbst kleine Brücken erleichtern das Leben. Daher hat die Elzer Gemeindevertretung vor mehr als 50 Jahren beschlossen, auch eine Brücke im sogenannten Elbtal zu bauen, also das Westa-Gelände mit dem anderen Ufer zu verbinden. Einweihung war am 20. November 1970, also heute vor genau einem halben Jahrhundert.

Alles, was in Elz Rang und Namen hatte, wohnte dem Festakt bei. Das hölzerne Schmuckstück, das sich so harmonisch in die Landschaft einfügte, wurde von den beiden Pfarrern Klein und Gölzenleuchtern geweiht.

Bürgermeister Theo Michaely und Kompaniechef Hauptmann Merkensberg hatten das weiße Band durchschnitten und lobten das Bauwerk, das nicht nur gut aussah, sondern auch stabil war. Ein 25 Tonnen schweres Fahrzeug ging auf Jungfernfahrt - nichts wackelte, nichts verschob sich.

Hochwasser spülte

Bauholz weg

Ganz ohne Schwierigkeiten ging der Bau aber auch nicht ab: Hochwasser am Elbbach hatte zunächst das schon bereit liegende Holz fortgerissen. Die Mitarbeiter des Bauhofs suchten die Hölzer später mühsam wieder zusammen. Aber dann klappte alles.

25 Soldaten der 3. Kompanie des schweren Pionier-Bataillons 310 aus Koblenz hatten in fünf Wochen die 27 Meter lange Holzbrücke unterhalb der Weierschen Mühle (heute Neumühle) errichtet.

Ufer hieß

Elz-Sachsenhausen

Bürgermeister Theo Michaely würdigte die Leistung der Soldaten und schloss in seinen Dank auch Oberamtmann Krämer und Amtmann Sarrach von der Bundeswehr-Standortverwaltung Diez ein. Sie hatten die bürokratischen Vorhutgefechte des Brückenschlags ausgetragen. Der Bürgermeister betonte, dass die Brücke wichtiger Bestandteil des Naherholungsgebietes auf dem damals noch geruhsamen Fleckchen Erde um den Fleckenberg sein sollte. Das jenseitige Ufer nannten die Elzer damals übrigens noch Elz-Sachsenhausen. Autos, so hieß es, sollten nur in Ausnahmefällen über die Holzplanken rollen, vor allem dann, wenn die Westerwald-Taunus-Ausstellung (Westa) unterhalb des Reitplatzes stattfand. Geplant war, die noch unausgebaute Straße beidseits der Brücke im Frühjahr mit einer Teerdecke zu überziehen.

Welchen Stellenwert die neue Brücke in Elz hatte, sieht man auch daran, dass sämtliche Schaugäste und die am Brückenschlag beteiligten Soldaten zum Imbiss und Umtrunk ins Restaurant Schäfer (Fittich) eingeladen wurden. In der Nassauischen Landeszeitung stand damals "Wie in Elz üblich, fiel die Stunde bei Bier, Jägerschnitzel und Pommes frites sehr gemütlich aus!"

Nach dieser erfolgreichen Geburtstunde wurde die hölzerne Brücke ganz schnell Bestandteil des täglichen Lebens. Klassisch gebaut, fügte sie sich wunderbar in die Landschaft ein und wurde von Spaziergängern, Radfahrern, Zweiradlern und in Notfällen eben auch von Autofahrern gerne genutzt. Immer wieder wurde sie in Schuss gebracht. 2004 sanierten die Elzer den Überbau der Holzbrücke, also Belag und Geländer, Auflager und Wegeanbindung für rund 30 000 Euro. Die Grundkonstruktion der Holzbrücke wurde bereits zehn Jahre vorher erneuert.

Teil des R 8 und der

Nassau-Wäller-Runde

Trotzdem verstärkten sich die Mängel, nicht zuletzt auch durch Randalierer, die das Holz mutwillig zerstörten oder versuchten, auf der Brücke Feuer zu legen. Nach viel Flickschusterei stellte die CDU-Fraktion im April 2014 in der Gemeindevertretung den Antrag auf bauliche Überprüfung. Der Bauausschussvorsitzende Frank Zei (SPD) betonte, dass die Brücke für den Kraftfahrzeugverkehr nicht mehr infrage komme. Auch wegen des Hochwasserschutzes sei nur ein Neubau möglich. Und der müsse einen halben Meter höher als die alte Brücke werden.

Gesagt, geplant, getan: Das gute alte Stück wurde abgerissen. Der neue Unterbau besteht aus Stahlbeton-Kastenlagern, der Überbau aus einem stählernen Fachwerktrog. Glasfaserkunststoffplatten bilden den Belag. Da die Brücke deutlich höher wurde, mussten auch auf beiden Seiten das Niveau der Wege angehoben und Rohr-Durchlässe zur Kompensation eingebaut werden. Nach nur zweieinhalb Monaten Bauzeit war der Neubau fertig.

Bürgermeister Horst Kaiser (CDU) lobte bei der Einweihung an Weihnachten die zügigen Arbeiten und betonte deren Wertigkeit. Immerhin ist die Brücke wesentlicher Bestandteil des Fernwanderweges R 8 sowie der Nassau-Wäller-Radrunde. Daher bekam die Gemeinde Elz für den Bau einen Zuschuss über 157 500 Euro von Hessen Mobil. Insgesamt betrugen die Kosten 290 000 Euro, wovon die Gemeinde einen Anteil von 132 000 Euro tragen musste.

Einen neuen Namen hat die Brücke auch. Sie heißt Neumühlensteg. Wegen ihrer Nähe zur Neumühle und weil sie mit ihren zweieinhalb Metern Breite eben nur ein Steg ist. Nach 50 Jahren nutzen Radler und Fußgänger den Übergang genauso gerne wie am ersten Tag. Schade nur, dass sie dem Charme der alten Holzbrücke nicht das Wasser reichen kann. anette in concas

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