Aus Stockholm angereis

Familie Löllbach begibt sich in Elz auf die Spuren ihrer Familiengeschichte

Monica Weinberger-Löllbach, die Tochter von Gert Löllbach, ihr Ehemann Daniel und die Söhne Simon und Gabriel waren aus Stockholm angereist, um sich in Elzh auf die Spuren ihrer Familiengeschichte zu begeben. In der Zeit des Nationalsozialismus und nach seiner Flucht nach Schweden war Gert Löllbach wesentlich an der Rettung jüdischer Mitbürger aus Deutschland und dem besetzten Dänemark beteiligt.

Am Anfang stand

Reinhold Martin

, der leider vor drei Jahren gestorben ist: Durch seine Recherchen zur Familie Löllbach und der Geschichte der ehemaligen Celluloidfabrik (später Kammfabrik) war der Kontakt nach Schweden zustande gekommen. „Bis kurz vor seinem Tod telefonierte

Reinhold Martin

regelmäßig mit Monica Weinberger-Löllbach, deren Vater Gert Löllbach im Jahr 1919 in der Offheimer Straße 17 geboren wurde“, berichtete Bürgermeister Horst Kaiser (CDU). Bei einem Empfang im Elzer Rathaus ließen die Beteiligten ein interessantes Stück Geschichte Revue passieren.

Gerd Löllbach war der Sohn von Siegfried Löllbach, dem damaligen Direktor der Fabrik (1909 bis 1924), der aus Rödelheim stammte, und seiner Frau Ilse, geb. Landau, die aus Limburg kam. Werner Wittayer hat dazu weiter geforscht. In seiner Broschüre „Die Geschichte eines Elzer Juden, Gert Löllbach – ein unbekannter Held, aus dem Jahr 2015“, die auf den Recherchen von

Reinhold Martin

und seiner Tochter Rita Martin-Tan basiert, sind eine ganze Reihe detaillierter Informationen enthalten.

Neben Bürgermeister Horst Kaiser und den Beigeordneten Inge Friedrich und Ernst Lehnhardt nahmen Otto Purtauf (Betreuer des Dorfarchivs), die Eheleute Sinning (heutige Besitzer des Geländes der ehemaligen Celluloidfabrik auf dem Areal Schwanenmühle) und Hubert Martin jetzt an dem Treffen in Elz teil. Ebenso war Rita Martin-Tan dabei, die die Gäste während ihres einwöchigen Deutschlandaufenthaltes mehrere Tage begleitete und den offiziellen Termin angeregt und koordiniert hatte. Neben der Erinnerung aufgrund mündlicher Überlieferung konnte anhand der im Dorfarchiv befindlichen Archivalien Geschichte greifbar gemacht werden. Dazu hatte die Gemeinde im Rathaus eine Präsentation von Bauzeichnungen der Fabrikations- und Bürogebäude und Bildern aus dem Arbeitsleben in der Fabrik (um 1920) vorbereitet. Besonders angetan war die Familie Weinberger-Löllbach vom gezeigten Spazierstock. 1924 hatte Monicas Großvater diesen seinem Chauffeur Fritz Braun zum Abschied geschenkt. Im Silberknauf eingraviert findet sich die Widmung: Direktor Löllbach und Frau ihrem lieben Freund Fritz Braun zu stetem Gedenken, 12.9.1924.

Nach dem Treffen im Rathaus ging es weiter zum Gelände der Firma Sinning am Elbbach. Eine Führung über das weitläufige Areal mit den teilweise noch vorhandenen alten Gebäuden vermittelte einen guten Eindruck vom Leben in vergangener Zeit. Wie Monica berichtete, habe sich ihr Vater an Bilder aus der Kindheit in Elz erinnert. So zum Beispiel die Ostereiersuche auf der großen, mit Sträuchern und Bäumen bewachsenen Wiesenfläche oder auch der Blick von der Eingangstreppe des Wohnhauses (heute Brötzenmühlenweg 5), auf der er gerne gesessen habe.

Für den Besuch war auch ans leibliche Wohl gedacht. Die Familie Sinning lud die Gäste zu einem traditionellen Zwetschgenkuchen ins Haus ein. So klang der Nachmittag in Elz bei angeregten Gesprächen in lockerer Atmosphäre aus. Die Familie Weinberger-Löllbach war von der Gastfreundschaft überwältigt. Nicht im Geringsten hatte man damit gerechnet, sich auf eine so nette und offene Weise Einblick in die Elzer Familiengeschichte verschaffen zu können. So wurde nach mehreren Anläufen schließlich ganz herzlich Abschied genommen.

Reinhold Martin

, der den Kontakt nach Schweden hergestellt und die Recherche vorangetrieben hatte, sollte nicht vergessen werden. Monicas ausdrücklicher Wunsch war es, sein Grab in kleinem Kreis zu besuchen. Dort legte die Familie, nach jüdischem Brauch, einen Stein zum Gedenken nieder. Weitere Etappen der Reise führten die Familie Weinberger-Löllbach nach Limburg und Frankfurt.

Der ehemalige „Elzer Bub“ Gert Löllbach war dem Holocaust nur knapp entgangen und hatte Exil in Schweden finden können. In Frankfurt gibt es aber außer Gräbern auch Denkmale für Familienangehörige, die während der Deportation oder in Konzentrationslagern umgekommen sind. Diese Stationen waren Stationen der Trauer. „Beispiele wie diese sollten uns immer wieder daran erinnern und mahnen, alles dafür zu tun, dass nicht wieder Nationalismus und Hass um sich greifen“, sagte Rita Martin-Tan.

(red)

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