Im ehemaligen Garten von Moritz Schäfer standen zunächst Ponys, anschließend übernahm die Gemeinde das Gelände und stellte dort Parkplätze bereit. Jetzt baut die KSK Limburg dort, an der Rückseite ihrer Filiale (links), ein Wohngebäude für 16 Parteien.
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Im ehemaligen Garten von Moritz Schäfer standen zunächst Ponys, anschließend übernahm die Gemeinde das Gelände und stellte dort Parkplätze bereit. Jetzt baut die KSK Limburg dort, an der Rückseite ihrer Filiale (links), ein Wohngebäude für 16 Parteien.

Entwicklung in der Elzer Mitte

Gaststätte, Sparkasse und nun auch Wohnungen

Wo der Moritz seine Gäste bewirtete und sogar ein Bär gekocht wurde, ist jetzt eine Baustelle

Elz -Zurzeit haben die Elzer sich viel zu erzählen. Nicht nur über Corona - denn die Erdarbeiten auf dem ehemaligen Parkplatz hinter der Kreissparkassen-Filiale haben begonnen. Die regionale Bank baut dort zentrale Wohnmöglichkeiten für 16 Parteien. Allerdings wird nicht nur über das neue Projekt der KSK gesprochen. Vielmehr heißt es auch: "Weißt Du noch, hier war doch früher der Garten vom Moritz" oder "Erinnerst Du Dich? Der hat sogar mal Bären gekocht!".

Tatsache ist, dass das Grundstück bis zum Neubau durch die KSK eine urgemütliche Gaststätte mit Restaurant beherbergte. Rief einer auf der Straße einem anderen zu "mir sehn us beim Moritz" war klar, dass man sich abends zu einem Bier traf und zwar bei Moritz Schäfer. Zwischen Haus und Straße lag ein großer Hof. Dieser wurde rechts von der Scheune mit Stallungen und links vom - damals noch nicht überdeckten - Erbach gerahmt. Moritz Schäfer betrieb auf dem Anwesen eine Landwirtschaft, eine Bäckerei und die Gaststätte, die beliebter Treffpunkt war. Viele der älteren Elzer erinnern sich an besondere Stunden bei dem beliebten Gastwirt. Und jeder hat eine Anekdote parat.

Horst Kaisers Augen strahlen, wenn er vom Moritz erzählt. Der Bürgermeister hat dort als 15-jähriger seine ersten Erfolge gefeiert. Allerdings nicht als Politiker, sondern als Musiker im Fontana-Quartett. Das bestand aus seinem Bruder Hans-Georg Kaiser und den Freunden Michael Müller und Christoph Stein. Die vier Musikanten haben auch beim "Bärenessen" für Stimmung gesorgt.

Nachdem der Sohn von Moritz, also Moritz junior, der in Spitzenhäusern ausgebildet wurde, die Küche zeitweilig übernommen hatte, gab es nämlich echte Besonderheiten. "Einmal hat er zwei Bären gekauft und gekocht", erinnert sich Karl-Heinz Friedrich, der gerne und regelmäßig beim Moritz zum Stammtisch ging. "Da gab es Bärenragout, Bärensteaks, Bärenbraten und Bärengulasch", berichtet Marlies Hering, die schräg gegenüber aufwuchs und mit dem gleichaltrigen Moritz junior schon als Kind mit Erde und Schlamm "gekocht" hat. "Und an der Tür brachte ein ausgestopfter Braunbär die Elzer zum Staunen", weiß der Bürgermeister noch.

So hervorragend und beliebt die Küche war, manchmal gab es auch verrückte Ideen. Karl-Heinz Friedrich erinnert sich, dass er sein abendliches Hochzeitsbüffet beim Moritz bestellt hatte. Ob der experimentierfreudige Koch die Bestellung vergessen hatte oder Neues ausprobieren wollte, weiß heute niemand mehr. Aber das Büfett bestand ausschließlich aus Dosenfisch.

Nicht nur der Sohn kochte gut. Wenn Mutter Anna am Herd stand, waren die Speisen ebenfalls ausgezeichnet - nur eben etwas bürgerlicher. Wie verbunden Karl-Heinz Friedrich dem Lokal war, zeigt auch, dass der Bäckermeister und Musikus nach dessen Schließung das Klavier übernahm und zur Freude vieler Elzer in den Anlagen "bei Amanda und Hubert" unterbrachte.

Einst Gemüsegarten,

bald Wohngebäude

Nicht nur die Familie lebte im Haus. Es gab ein Gastzimmer und "im ersten Stock war die Polizeistation", erzählt Marlies Hering. Sie erinnert sich an den schönen weißen Holzlattenzaun und die Stufen, die vom Grundstück zum Bach hinunter führten, dorthin, wo die Menschen ihre Wäsche auswuschen. Besonders schön war der Gastgarten. Der Boden war mit rund gewaschenen Quarzkieseln bedeckt, alte Linden spendeten Schatten. Hinter dem Haus, quasi über die gesamte ehemalige Parkplatzfläche, gab es einen riesigen Gemüsegarten, in dem auch Ponys lebten.

Das Gartengrundstück übernahm, nachdem die Gaststätte schloss, die Gemeinde. Den vorderen Bereich kaufte die KSK Limburg, die bereits 1908 gegründet wurde und bis dahin in der Rathausstraße 6 ihre kleine Filiale betrieben hatte. Nachdem die Gastwirtschaft abgerissen worden war, begann1977/78 der Neubau.

Am 28. Oktober 1978 wurde das KSK-Gebäude eingeweiht. Eine neue Ära begann, die ebenfalls von einer Elzer Familie mitgeprägt wurde. Walter Friedrich war jahrzehntelang Filialleiter, die Töchter Waltraud Jefremow (im Ruhestand) und Andrea Colombel, begleiteten das Bankgeschehen in Elz ebenfalls", erzählt der Vorstandsvorsitzende der KSK Limburg, Patrick Ehlen. Er freut sich, mit dem Neubau nicht nur zentrale Wohnmöglichkeiten zu bieten, sondern auch eine sinnvolle Kapitalanlage gefunden zu haben. "Wir planen ein gut ausgestattetes Objekt in der Mitte des Ortes.". Die seniorengerechten Wohnungen haben modernste KfW-Standards. "Wir wollen die Nebenkosten für die Mieter klein halten", berichtet der Vorstandsvorsitzende, der mit dem Bau hinter der KSK erstmals ein Mietobjekt errichtet. Sein Wunsch ist es, 2022 fertig zu werden. Die ebenfalls kostenfreien Ersatz-Parkplätze finden Arztbesucher und Kunden in Kürze auf der anderen Straßenseite der Hauptstraße an der Bachgasse und nach Bauabschluss in der geplanten Tiefgarage.

anette in concas

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