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Tempolimit im Wald: Die Huskys von Caren Grunwald können allerdings bis zu 35 Stundenkilometer schnell laufen.

Caren Grunwald trainiert mit Schlittenhunden im Elzer Wald

Mit Huskys durch den Wald

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Zunächst mit einem Hund und einem Fahrrad – nun mit einer ganzen Meute und dem Schlitten: Caren Grunwald ist Schlittenhunde-Rennfahrerin. Sie trainiert mit ihren sechs Huskys im Elzer Wald.

Yuki ist es zu warm. An stundenlange, kraftvolle Bewegung mit ihr oder ihren fünf Kollegen ist nicht zu denken. Yuki und die anderen sind Schlittenhunde, Siberian Huskys. Die schlanken Tiere mit dem hellen Fell bevorzugen kühlere Temperaturen. 15 Grad ist die Obergrenze, sagt ihre Besitzerin Caren Grunwald. Der 33-jährigen Tierärztin und -therapeutin gehören die Hunde nicht nur. Sie sind auch ihr Team. Caren Grunwald ist Schlittenhunde-Rennfahrerin. Weil aber die Region nicht unbedingt als schneesicher gilt, spannt sie die Huskys vor einen bereiften Trainingswagen – oder vor ihr Fahrrad. Mit dieser Variante des Zughundesports, dem sogenannten Bikejöring, hat alles begonnen.

Das war vor etwas mehr als vier Jahren. Grunwald lebte in der Nähe von Gießen und lernte einen Musher, einen Schlittenhundeführer, kennen. Der hatte neun Huskys und ermunterte die junge Frau, mit Yuki zu trainieren. Der Hund bekam ein Zuggeschirr, die Radlerin einen Gurt und eine Zugleine. Das Duo sauste los – und nach einigen Touren dachte Caren Grunwald: „Mit mehr Hunden macht die Sache wahrscheinlich noch mehr Spaß.“ Im Februar 2015 bekam Yuki Gesellschaft von Blue, einem Rüden, den Caren Grunwald übernahm, weil dessen Besitzer gestorben war. Auch ihr erster Trainingswagen war aus diesem Nachlass. Wie das Gerippe eines Streitwagens sieht das blau lackierte Gefährt aus, das rund 70 Kilogramm schwer ist. Wenn dann noch der Lenker darauf stehe, sei das Fahrzeug für zwei Hunde zu schwer, sagt Grunwald. Sie erwarb also vier weitere Hunde.

Darunter auch Chayenne, die bei ihrem Vorbesitzer als Leithündin an der Spitze des Gespanns gelaufen war. „Sie kennt links und rechts“, betont Caren Grunwald. Das ist wichtig. Die Tiere müssen die Anweisungen der Schlittenhundefahrerin verstehen, umsetzen und befolgen. Die Hunde müssen spuren. Wenn sie vor den Wagen gespannt werden, strotzen sie vor Energie. Jedes der etwa 25 Kilogramm schweren Tiere weiß, dass es in wenigen Augenblicken mit seinen Artgenossen losjagen wird. Auf flacher Strecke kann die Anfangsgeschwindigkeit ohne weiteres bei 30 bis 35 Stundenkilometern liegen. Über eine längere, hügelige Strecke pendelt sich das Tempo bei etwa 16 Kilometern pro Stunde ein.

Bis zu zehn Meter kann ein Hundegespann mit sechs Huskys lang sein. Der Wagen misst etwa 1,80 Meter. An der „Mainline“, der Hauptleine, die wie eine Deichsel fungiert, sind die Huskys jeweils paarweise angegurtet. Direkt vor dem Wagen laufen die „Wheeldogs“, davor die „Swingdogs“ und ganz vorne die „Leader“.

Während der kühleren Monate von September bis April trainiert Caren Grunwald mit ihren Tieren drei- bis viermal in der Woche im Elzer Wald. Steigt die Temperatur über 15 Grad, joggt sie mit den Hunden. Hauptsache, sie fühlen sich wohl. Weder bei den Übungseinheiten noch bei Wettbewerben sind immer alle sechs Hunde dabei. Tatsächlich trat sie bei ihrem ersten Schlittenhunderennen nur mit vier Tieren an. Das war im Januar 2014 in Liebenscheid, einer kleinen Westerwald-Gemeinde bei Rennerod.

Als sich kurz vor dem Wettkampf abzeichnete, dass der Schnee liegen bleiben würde, lieh Grunwald sich einen Schlitten und hängte sich erst einmal hinter ein Quad. „Fürs Fahrgefühl“, sagt sie. Dann spannte sie vier Hunde vor den Schlitten und übte auf einer großen freien Fläche. Und schließlich raste sie mit ihren Hunden über die Rennstrecke. Das habe gut geklappt. „Ich wurde nicht vom Schlitten abgeworfen“, sagt die 33-Jährige und lacht. Es hat Spaß gemacht.

Zu Beginn dieser Saison trat sie erneut an. Diesmal beim internationalen Schlittenhunderennen in Oberndorf bei Rothenburg o. d. Tauber. Auch dieser Wettbewerb war erfolgreich, sagt Grunwald. Etwa 180 Musher waren am Start. Das Gespann aus Elz platzierte sich in seiner Kategorie auf Rang sechs.

Zwischenfälle mit Spaziergängern, Joggern oder Radfahrern habe es bislang nicht gegeben, versichert Caren Grunwald. Der Trainingswagen ist mit einer Klingel ausgestattet, außerdem mit zwei Hand-, einer Fuß- sowie einer Krallenbremse. Sie müsse sich jederzeit darauf verlassen können, das Gespann im Griff zu haben – auf Schnee ebenso wie auf Waldboden.

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