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Sehr belesen: Die Historikerin Martina Hartmann-Menz hat sich mit der NS-Vergangenheit ihres Heimatdorfes beschäftigt ? und hofft, dass viele Bürger beim Stolperstein-Projekt mitmachen.

Gedenken an die Opfer mit Stolpersteinen

Martina Hartmann-Menz hat über die NS-Vergangenheit der Elzer geforscht

Mehr als drei Jahre hat sich die Historikerin Martina Hartmann-Menz mit der NS-Geschichte der Elzer beschäftigt: Am 15. Mai werden in Elz die ersten acht Stolpersteine verlegt, um der Verfolgten des NS-Regimes zu gedenken.

Auch in Elz lebten jüdische Bürger, mindestens vier von ihnen wurden Opfer der Euthanasie. Und Namen von politisch verfolgten Personen finden sich ebenfalls in den Archiven. Martina Hartmann-Menz hat sie alle in den vergangenen drei Jahren aufgespürt. „Mir ist es wichtig zu wissen, was in dem Dorf geschah, in dem ich seit über 25 Jahren lebe“, sagt die Historikerin. Sie möchte die regionale Geschichte fassbar machen.

Geschichte habe sie schon immer interessiert, sagt Martina Hartmann-Menz. Sie hat Geschichte studiert und ihren Abschluss in englischer Wissenschaftsgeschichte gemacht. Aber in Elz geht es um lokale Geschichte, darum, sie erlebbar zu machen – mit

Stolpersteine

n.

Das Stolperstein-Projekt sei eine Möglichkeit, an diejenigen zu erinnern, die bisher vergessen wurden. „In Deutschland gibt es eine klare Gedenkhierarchie“, sagt Martina Hartmann-Menz. In jedem Ort seien Kriegerdenkmale zu finden, mit denen die Gefallenen namentlich geehrt werden. Dafür seien öffentliche Mittel aufgewendet worden. „Dabei gibt es viele Nachweise, dass einige der Geehrten aktive Nazis waren“, sagt Martina Hartmann-Menz. Sie könne nicht verstehen, dass dieser Menschen gedacht wird und jene, die Opfer des Systems wurden, nicht namentlich erwähnt werden. Mit den

Stolpersteine

n sollen die vergessenen Opfer aus Elz einen Namen bekommen.

Stolpersteine

sind kleine, quaderförmige Messingsteine, die im öffentlichen Raum vor dem letzten frei gewählten Wohnort von Verfolgten des NS-Regimes in den Bürgersteig eingelassen werden. Gunter Demnig entwickelte dieses europaweite Kunstprojekt. Auf den Steinen sind die wesentlichen biografischen Daten der Opfer.

Die Idee, dass auch in Elz mit

Stolpersteine

n der Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden sollte, hatte einst die SPD. 2015 stellte sie einen Antrag an die Gemeindevertretung.

Martina Hartmann-Menz hatte schon viel früher angefangen zu forschen: Vor mehr als drei Jahren hatte sie im Bundesarchiv ein Dokument aus den 60er Jahren gefunden, das bezeugt, dass der Staat Israel in der Bundesrepublik mit Hilfe der Landratsämter herausfinden wollte, welche jüdischen Bürger in der Zeit des Nationalsozialismus in den Gemeinden gemeldet waren. In diesem Dokument sind die Namen von zehn jüdischen Bürgern aufgeführt, die von 1933 bis 1945 in Elz lebten. Das Original habe sie in Elz nicht gefunden, sagt Martina Hartmann-Menz. Aber sie recherchierte im Bundesarchiv in Berlin, im hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden, im Archiv des LWV Hessen, im Stadtarchiv Limburg und dem Ortsarchiv Elz.

Nach ihrem derzeitigen Forschungsstand habe es in Elz vier Opfer der Euthanasie gegeben, sagt Martina Hartmann-Menz. Drei ehemals in Elz lebende Menschen jüdischer Herkunft hätten die Zeit des NS-Terrors nachweislich nicht überlebt. Sechs Elzer jüdischen Glaubens hätten fliehen können. Eine Gruppe von Männern sei wegen ihrer politischen Haltung, die Zugehörigkeit zur KPD, vor dem Kasseler Oberlandesgericht wegen Hochverrats angeklagt worden. Für den Hauptangeklagten dieses Prozesses, Johann Abel, der neun Jahre seines Lebens im Zuchthaus und im KZ verbringen musste, wird ebenfalls ein Stolperstein verlegt.

Sie sei überrascht, wie viele Sonderprozesse schon wegen kleiner Vergehen stattfanden und Zuchthaus sowie Arbeitslager nach sich zogen, sagt Martina Hartmann-Menz. Ihre Recherchen hätten aber auch gezeigt, dass Elz ein normales Dorf wie jedes andere auch war. „Die Bindung an die Kirche hat den Nationalsozialismus in Elz nicht verhindert. Es herrschte eine Normalität des Grauens.“ Jüdische Bürger seien bedrängt, die Nachbarn denunziert worden. „Gegen politisch anders Denkende wurde vorgegangen.“ Da sei es in Elz nicht anders zugegangen als im Rest von Deutschland. „Was zu vermuten war, konnte ich klar nachweisen.“

Bei all ihren Recherchen gehe es ihr jedoch nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und Schuldvorwürfe zu erheben. Sie wolle vielmehr erreichen, dass die Bürger sich der Vergangenheit stellen: „Erst, wenn wir über diese Zeit so offen sprechen können wie über andere geschichtliche Zeiten, dann haben wir sie richtig aufgearbeitet“, ist sie sich sicher.

Martin Hartmann-Menz hofft, dass die Bürger auf ihren Dachböden und Speichern nach alten Dokumenten und Fotos schauen, die weiteren Aufschluss über die NS-Zeit in Elz geben können. Zum Beispiel sucht sie Hinweise auf den Schausteller Hugo Mayer, dessen Schauwagen in der Pogrom-Nacht zerstört wurde. Schon die kleinsten Dokumente könnten etwas über die Zeit aussagen.

Das Stolperstein-Projekt ist ein Bürgerprojekt. Es sollen keine öffentlichen Gelder dafür aufgewendet werden, die Steine sollen durch Spenden finanziert werden. Damit sollen die Ermordeten und Vertriebenen symbolisch wieder in die Mitte der Gesellschaft geholt werden, der sie vor ihrer systematischen Ausgrenzung angehörten. Wer mehr über „Elz – ein (ganz normales) Dorf in der Zeit des Nationalsozialismus“ hören möchte, lädt der Gemeindevorstand zur Vortragsveranstaltung am Montag, 8. Mai, ins historische Rathaus ein,dann wird Martina Hartmann-Menz über ihre Forschungen berichten.

Weitere Informationen zu dem Stolperstein-Projekt in Elz gibt es bei der Gemeindeverwaltung, Sebastian Herborn, Telefon:  95 75 40. Allgemeine Informationen über Gunter Demnig und seine Idee gibt es auf der Homepage des Projektes .

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