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So geht ein Dixie-Cut. Innungsobermeisterin Marion Saquella bearbeitet Janine Materne.

Show „Figaro by Night“

Mehr als nur Frisuren: Kunst am Kopf

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Ein paar Stunden lang drehte sich am Samstagabend alles um die Schönheit des Haupthaars. Die Friseurinnung hatte zu ihrer Trendshow „Figaro by Night“ in den großen Saal des Bürgerhauses eingeladen. Das Interesse war groß.

Die Verwandlung von Janine Materne dauert genau 22 Minuten. Viel Zeit ist das nicht für eine derart radikale Veränderung, bei der aus der Frau mit der blonden, durchschnittlich aufregenden Fransenfrisur eine Dame mit Dixie-Cut in dunkelstem Braun mit grün und blau changierenden Strähnen wird. Ja, sagt Janine Materne, bevor es losgeht, sie weiß, was auf sie zukommt. Und ja, sie will es so. Und dass die Haar-Modellierung auf der Bühne des Elzer Bürgerhauses, also öffentlich stattfindet, stört sie nicht. Dabei ist der Saal gut gefüllt. Sehr viele Friseurinnen und an Hair-Styling interessierte Besucherinnen sind an diesem Abend gekommen. Auch ein paar Herren sind dabei. Bürgermeister Horst Kaiser etwa, der ebenfalls aufmerksam beobachtet, was mit der Dame im schwarzen Nylon-Cape passieren wird. Wird sie am Ende doch noch einknicken, von ihrem Schemel aufspringen und weglaufen? Wird sie nicht. Die 39-Jährige aus Elz blickt freundlich in den Zuschauerraum und bleibt gelassen.

Darum geht es bei der Veranstaltung „Figaro by Night“. Die Damen und Herren gehen zum Friseur, „weil sie schön sein wollen“, sagt Frank Heidrich, der Moderator des Abends. Für dieses Schönmachen sind die Friseure zuständig, weshalb sie den „schönsten Beruf der Welt haben“. Schließlich seien die allermeisten Kunden glücklich, wenn sie nach erfolgter Haar-Behandlung den Salon ihrer Wahl wieder verlassen. Und weil das Wellness-Paket in verschiedenen Größen geschnürt werden, sich auch auf andere Körperpartien beziehen kann, bietet Figaro by Night gleich noch Einblicke in die Mode der bevorstehenden kühleren Jahreszeit. Vier Damen führen aktuelle Kollektionen vor, Kinder spazieren über den Laufsteg, um Herbst- und Winter-Outfits zu präsentieren, angetrieben von tosendem Applaus der Gäste und von wummernden Bässen der Begleitmusik.

Dann findet das erste friseurtechnische Highlight des Abends statt. Junge Friseurinnen aus den Innungsbetrieben des Kreises zeigen Hochzeitsmodelle. Kleine Locken, zusammengesteckt oder kunstvoll verflochten, mit Perlen oder einem kleinen Schleier verziert. Das alles sei zauberhaft anzusehen und handwerklich großartig, sagt die Dame an einem Tisch, der so nah an der Bühne steht, dass jeder Handgriff deutlich zu erkennen ist. Herrlich, wie die jungen Frauen frisiert würden. Und schade, dass die eigene Hochzeit mit Gala-Frisur bereits vorüber ist, meint sie.

Was dann folgt, wäre allerdings jederzeit wiederholbar. Die Neugestaltung des Alltags-Looks. Das ist weit mehr als Waschen, Schneiden, Föhnen. Es ist Kunst am Kopf. Und hier zu brillieren erfordert nicht allein handwerkliches Geschick. Vielmehr muss die Persönlichkeit des Kunden erfasst werden, um dessen Haare optimal bearbeiten zu können, sagt Erik Schmidt aus Weilburg. Vor ein paar Wochen erst hat er seine Ausbildung begonnen. Er ist begeistert von seinem Beruf, und das zeigt er auch: Der junge Mann trägt einen modischen Undercut in braun, während das Haar über den Scheitel lang ist, nach hinten gekämmt wird und grau leuchtet. „Icy“ nennt man die derzeitige Trendhaarfarbe. Icy trägt auch Rebecca Kirschner, die von Innungsobermeisterin Marion Saquella bereits vor der Show präpariert wurde: Auch sie trägt eine mutige Mode-Frisur: Die Seiten kurz geraspelt, auf dem Haupt ringeln sich Locken in icy-grau, deren Glanz durch einen blauen Schimmer noch verstärkt wird. Rebecca Kirschner gehört gewissermaßen zur Kulisse der abendlichen Sensation: Der Verwandlung von Janine Materne. Zugegeben, auch hier hat Marion Saquella bereits ein wenig Vorarbeit geleistet und die blonden Haare abgedunkelt. Färben würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber geschnitten wird life und auf der Bühne. Strähnen flirren durch das Scheinwerferlicht. Unablässig schnippt die Schere über Janines Kopf. Man könne den Dixie-Cut, eine Kombination aus verschiedenen Haarlängen, auch mit dem Messer schneiden, sagt Ralf Metz, Coiffeur und Fachbeirat in der Innung. Man könnte – aber das Schönste am schönsten Beruf der Welt ist doch dessen Individualität.

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