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Die Anzeigetafel am Frankfurter Hauptbahnhof am 9. August. Zwar wurden viele Verspätungen angezeigt, dass aber in Richtung Limburg nichts ging, ist nicht zu erkennen.

Sturmtief Nadine

Pendler strandet bei Wetterchaos in Frankfurt

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Keine Zugverbindung, keine Information der Bahn und viel vertane Zeit, das ist die Bilanz, die Berufspendler Georg Blees unter seine Erfahrungen mit der Deutschen Bahn zieht. Ein besonders ärgerlicher Tag war der 9. August: Sturmtief Nadine kappte die Oberleitung der Gleise – und die Kommunikation zwischen Anbieter und Kunden.

„Sie können sicher sein, dass es auch in unserem Interesse ist, Ihnen ein zuverlässiger Partner zu sein“, heißt es am Ende des Briefes, den Georg Blees von der Abteilung Zentraler Kundendialog der Deutschen Bahn vor ein paar Tagen bekommen hat. Man bedanke sich für die „kritische Einschätzung“ und werde den Sachverhalt prüfen.

Der lautet: Georg Blees pendelt jeden Tag von seiner Heimatgemeinde Elz zu seinem Arbeitsplatz in Offenbach-Kaiserlei. Mit der Regionalbahn fährt er von Limburg zum Frankfurter Hauptbahnhof und von dort weiter mit dem Fahrrad. Auch am Morgen des 9. August dieses Jahres. Auf der Rückfahrt strandete er allerdings auf der Taunusstrecke. Sturmtief Nadine tobte über der Region. Bei Bad Camberg schlug ein Blitz in die Oberleitung ein. Der Zugverkehr war an diesem Nachmittag unterbrochen.

Auch für den Rest des Tages war die Trasse nicht mehr befahrbar. Aber nicht nur die Gleise blieben leer. Die Kommunikation zwischen der Bahn, dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und ihren Kunden blieb ebenfalls auf der Strecke. Die Bahnfahrer erfuhren nicht, dass der Fahrplan außer Kraft gesetzt worden war. Im Gegenteil: „Auf der Webseite des RMV standen alle Züge meiner Linie als pünktlich drin“, sagt Georg Blees.

Der RMV stellt das auf Nachfrage dieser Zeitung anders dar: „Über die Sperrung wurde ab 17.22 Uhr über alle Fahrgastinformationskanäle informiert.“ Blees erreichte diese Nachricht nicht. Er fuhr wie immer mit seinem Fahrrad von Offenbach zum Frankfurter Hauptbahnhof. Regionalbahn 15278, planmäßige Abfahrt 17.31 Uhr.

Aus der Fahrt wurde nichts. Auf dem Gleis, auf der RB 15278 abfahren sollte, stand RB 15268, die bereits um 15.42 Uhr hätte abfahren müssen. Die angezeigte Verspätung von 80 Minuten war zu diesem Zeitpunkt schon weit überschritten. Die anderen Fahrgäste am Bahnsteig hätten berichtet, dass vorübergehend kein Zug mehr fahren würde, erinnert sich Blees. Wie lange vorübergehend dauern würde, wusste niemand. Auch ein Schaffner am Gleis habe keine konkreten Angaben machen können.

Also radelte Georg Blees nach Offenbach zurück, um bis zur Abfahrt des nächsten Zuges, RB 15282, um 19.31 Uhr, zu seinem Arbeitsplatz zurückzukehren. Zwei Stunden später stand indes noch immer der erste Zug am Bahnsteig. Das habe ihm ein Bahn-Mitarbeiter gegen 20 Uhr bestätigt. Blees hatte sich zum zweiten Mal umsonst in die Frankfurter Innenstadt aufgemacht. „Nun war schnell klar, dass nichts geht“, sagt er. Der ICE schied als Alternative aus, weil auf der Strecke kein Fahrrad mitgenommen werden darf. „Zudem musste ich feststellen, dass auch auf dieser Linie zumindest eine Verbindung ausgefallen war.“

Jetzt wollte Georg Blees mit der S-Bahn nach Niedernhausen fahren und von dort nach Elz radeln. Mittlerweile war es nach 20 Uhr. Der Bahnsteig sei „total überfüllt“ gewesen, berichtet er. Eine S-Bahn kam nicht. Eine Auskunft auch nicht. Wieder schwang sich Blees auf sein Fahrrad und fuhr nach Offenbach zurück. Dort stellte er das Fahrrad bei seinem Arbeitgeber ab. „Mein Vorhaben war nun, dass ich mit der S-Bahn zurück zum Frankfurter Hauptbahnhof fahre, um von dort weiter mit dem ICE 524 um 22.10 Uhr bis Limburg Süd zu fahren.“ Mittlerweile viereinhalb Stunden nach der ursprünglichen Abfahrtszeit. Doch der Mann aus Elz blieb erneut stecken. Überfüllte Bahnsteige, keine Auskünfte, keine Information.

Blees gab auf. Er buchte ein Hotelzimmer und blieb. 99 Euro kostete die Übernachtung. Das Geld wurde ihm inzwischen vom RMV erstattet. Eine Prüfung habe ergeben, „dass an diesem Tag keine weitere Zugverbindung angeboten werden konnte“, schreibt der RMV. Die Zeit, die Blees für seine Bemühungen um eine Fahrtmöglichkeit aufwenden musste, ist nicht ersetzbar. Ob die Auskunftsfähigkeit und -bereitschaft der Bahn eine Steigerung erfahren hat, mag er sich nicht vorstellen. „Aktuell arbeiten wir daran, unsere Informationskanäle auszubauen und besser aufeinander abzustimmen“, schreibt die Mitarbeiterin vom Zentralen Kundendialog. Bahnkunde Blees findet das „unbefriedigend“.

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