Betriebsbesuch

Wie sicher ist die Sondermülldeponie in Offheim?

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Unter welchen Umständen könnten von der Sondermülldeponie in Offheim Gefahren für dass Trinkwasser und den Boden ausgehen? Die Elzer SPD lässt nicht locker und informierte sich beim Geschäftsführer der Betreiberfirma Westdeutsche Deponiegesellschaft, der jetzt zu einer Betriebsführung einlud.

SPD-Fraktionsmitglied Petra Sander hatte der Diskussion um die Sondermülldeponie in der jüngsten Gemeindevertretersitzung neuen Zündstoff zugeführt. Sie hatte die Sorge vieler Bürger formuliert, wonach das Auftreten gefährlicher Krankheiten in Zusammenhang mit der nordöstlich von Offheim gelegenen Müllhalde stehen könnte. Fraktionsübergreifend entschieden die Stadtverordneten daraufhin, detaillierte Auskünfte aus dem Hessischen Krebsregister einzuholen. Darüber und über die Entstehung der Sondermülldeponie war in dieser Zeitung berichtet worden, und das hatte den Geschäftsführer der Betreiberfirma Westdeutsche Deponiegesellschaft (WDG), Horst Herzog, auf den Plan gerufen. Es müsse mehr und besser informiert werden, stellte der denn auch selbstkritisch fest. Ein regelmäßiger Tag der offenen Tür sei denkbar, bei dem die Fläche erkundet und Fragen beantwortet werden könnten.

Das Areal, um das die Sorgen der Anwohner kreisen, ist etwa so groß wie neun Fußballplätze. Nur wird auf dem Grün nicht hin- und hergelaufen oder ein Ball gekickt. Diese rund 100 000 Quadratmeter dienen als grüner Mantel, als Überzug für die Sondermülldeponie, die hier in den 1960er Jahren eingerichtet wurde, berichtet Horst Herzog. Dass eine vergleichbare Anlage jetzt nicht mehr gebaut würde, sei klar. Nach heutigen Erkenntnissen würden die Abfälle verbrannt werden, erklärt der Geologe.

In den 1960er Jahren, als die Wirtschaft brummte, wurde nach Kapazitäten für Müll gesucht und in dem alten Steinbruch zwischen Offheim, Niederhadamar und Elz gefunden. Insgesamt

1,5 Millionen Tonnen

Benzol, Cyanid, Schwermetalle, verschiedene Kohlenwasserstoffe und Reste von Hausmüll wurden zwischen 1967 und 1985 hier abgelagert. WDG-Geschäftsführer Herzog spricht von einem „Zoo von über 100 Einzelstoffen“. Allein einem glücklichen geologischen Zustand sei es zu verdanken, dass die Giftstoffe nicht ins Grundwasser sickerten, sagt Herzog. Das Material habe sich so verdichtet, dass es nach seiner Auskunft undurchlässig ist. Eine 1,70 Meter dicke Schicht aus Kieselschiefer, Ton und Drainagematerial wurde erst nachträglich auf den Sondermüll aufgebracht, um die Abfälle nach oben abzusichern.

Durchzogen wird diese Unterwelt der gefährlichen Stoffe durch ein System aus Drainageanlagen, Schächten und Rohren, die regelmäßig kontrolliert und instand gehalten werden, betont WDG-Geschäftsführer Herzog. In den Rohren aufgefangen wird Sickerwasser, das in drei jeweils 100 Kubikmeter große Tanks geleitet, von dort in Lkw gepumpt und zur Abwasserklärung in den Industriepark Höchst gefahren wird. Da die Flüssigkeit aus den Tanks bereits abgepumpt wird, ehe diese voll sind, kann man pro Entleerung mit sieben bis acht Tankwagen rechnen.

Alle Prozesse würden ständig kontrolliert und dokumentiert, macht Horst Herzog deutlich. Diese technische Betreuung übernimmt die Firma HIM aus Aßlar. Seit 2006 sei das Unternehmen hierfür zuständig. Zweimal pro Woche wird das System gewartet, sagt HIM-Sprecher Frank Fehling. Die Anlage ist in Ordnung. Zwischenfälle gab es bislang nicht.

Auch nicht beim Grundwasser, um dessen Verunreinigung die Anwohner fürchten. Eine Belastung sei indes ausgeschlossen, sagt WDG-Geschäftsführer Herzog. Das Regenwasser, das auf der Deponie in die Erde sickert, werde über einen extra angelegten Brunnen aufgefangen und zur Kläranlage Limburg gefahren. Auch hier seien ebenso wenig wie an den etwa 50 Grundwassermessstellen keine von der Norm abweichenden Werte festzustellen. Wasser und Boden sind unbedenklich, sagt der Geschäftsführer der Betreiberfirma. Die Giftmüllhalde abzutragen sei weder aus gesundheitlichen noch aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll, sagt Herzog. Die Kosten würden sich auf drei Milliarden Euro belaufen. Die Sicherheit der Anlage ist ihm zufolge gewährleistet. Die Firmen des Hoechst-Konsortiums haben sich zur Nachsorgeregelung verpflichtet, sagt Horst Herzog. Die Anwohner der Sondermülldeponie werden es beobachten.

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