Ehemalige Kirmesburschen

Mit Sperrholz-Pappmaché-Gefährt zum Red-Bull-Flugtag

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Einmal Bratwurst mit Senf zum Fliegen. So in etwa lässt sich das Projekt von vier ehemaligen Kirmesburschen zusammenfassen. Wochenlang bauten die jungen Männer ein Flugobjekt, mit dem sie am vergangenen Wochenende beim Red-Bull-Flugtag in Bremen antraten.

Nach wenigen Augenblicken ist das Spektakel vorbei. Die knapp acht Meter lange und 100 Kilo schwere Bratwurst aus Sperrholz, Kunststoff und Pappmaché plumpst ins Wasser und zerplatzt. Marius Gläser, ein 21 Jahre alter Student und gewissermaßen Reiter der Bratwurst, ist rechtzeitig abgesprungen. Alles bestens. Nur die Wurst ist eben kaputt. Aber eigentlich ist das auch der Sinn des Ganzen: Stilvoll abstürzen, darum geht es bei dieser Aktion. Marius Gläser ist mit seinen Freunden Henrik Stenger, Philipp Weckmann und Raphael Wahl, wie er ehemalige Kirmesburschen seiner Heimatgemeinde, beim diesjährigen Red-Bull-Flugtag in Bremen angetreten. Durch Zufall hatten sie von jenem Wettbewerb gehört, bei dem man mit selbstgebastelten Flugobjekten antritt und sie dann möglichst effektvoll von einer Rampe am Hafenbecken in die Weser fliegen lässt. Wobei fliegen übertrieben ist. Aber dazu später.

Zuerst muss man zurückschauen, und zwar in den Mai dieses Jahres. Da erfuhren die vier zufällig von dem Flugtag und dass man sich für die Teilnahme mit einem möglichst originellen Vorschlag bewerben müsse, erzählt Henrik Stenger. Rund 1000 Bewerbungen sollen bei dem Veranstalter eingegangen sein. 30 davon wurden ausgewählt und für den Flugtag eingeladen. Die fliegende Bratwurst aus Elz war im Rennen. Zu jenem Zeitpunkt allerdings nur als Skizze, die die Vorgaben von Veranstalter und TÜV erfüllte. Die Bau- und Testphase begann. Zunächst bastelten die jungen Männer das Gerippe – und stießen bereits an ein erstes Hindernis: Wie schafft man die pralle Rundung der Wurst? Es war die Neuentdeckung der

Hula-Hoop-Reifen

, die mit Sperrholz und Dachlatten justiert und anschließend mit einer Wurstpelle aus Pappmaché überzogen wurden.

Wie viele Ausgaben dieser Zeitung verbraten wurden, wissen die vier nicht mehr. Ein paar Kilo Papier dürften es gewesen sein, die an das Modell geklatscht wurden, ehe Flugwurst-Pilot Marius und seine Freunde das Gerät lackierten und den Senf mit Bauschaum auftrugen. Zur Stabilisierung und Verbesserung des geplanten Fluges habe man dann noch Flügel angebracht, erzählt Henrik. Und weil Bratwürste in der Regel keine Flügel haben, gestalteten die Männer die Flughilfen wie kleine Plastikgabeln, die in die Haut gepiekst wurden. Und dann ging‘s nach Bremen.

Neben einem flatternden Pizzastück, einem Mett-Igel aus Bauschaum und anderen Originalen präsentierten sich auch die ehemaligen Kirmesburschen mit ihrer fliegenden Bratwurst. Die Wettkampfregeln waren klar: Das Flugobjekt muss auf eine sechs Meter hohe Rampe geschoben werden, von wo aus es bestenfalls für ein paar Meter in die Luft und anschließend ins Hafenbecken geht. Und um dem Auftritt eine Zusatzportion Glanz und Glamour zu verleihen, verlangte der Veranstalter von allen Teams vor dem Start eine kleine Show. Das sei ihnen jedoch nicht klar gewesen, räumt Marius ein. Also habe man „eine spontane Choreo“ geboten und die Zuschauer zum Jubeln animiert, bevor Henrik, Philipp und Raphael die Wurst auf Tempo brachten. Würstchenreiter Marius, ausgestattet mit Badehose, Helm sowie mit Brust- und Rückenprotektor kniete währenddessen zwischen den

Bauschaum-Senf

streifen. Ein paar Sekunden jedenfalls.

Da die Elzer Bratwurst erwartungsgemäß nicht zum Höhenflug ansetzte, sprang er rechtzeitig und so geschickt ab, dass er vor dem Wurstzipfel im Wasser landete. Unverletzt – im Gegensatz zu dem Acht-Meter-Leckerbissen, dessen Haut platzte und das Innere ins Hafenbecken katapultierte. Die Reste sämtlicher Red-Bull-Flugobjekte würden von den Helfern des Technischen Hilfswerks eingesammelt und entsprechend der Mülltrennung entsorgt, teilt der Veranstalter mit. Damit sind auch die Reste der Bratwurst aufgeräumt. Die Planung und Arbeit mehrerer Wochen ist vernichtet. Henrik Stenger, Philipp Weckmann, Marius Gläser und Raphael Wahl stört das nicht. Das Spaß war’s wert, sagen sie.

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